Hinter den Kulissen: Synchronsprecherin Magdalena Montasser über Wednesday, Karrierewege und Umfeld
Shownotes
I proudly present: Die erfolgreiche Synchronsprecherin und Sängerin Magdalena Montasse! Magdalena leiht unter anderem Jenna Ortega in der ikonischen Rolle von Wednesday Addams aus der Netflix-Serie „Wednesday“ ihre Stimme und erzählt, wie sie als junge Berlinerin ihren Weg ins Synchron-Business gefunden hat.
Gemeinsam blicken wir auf die Herausforderungen und Besonderheiten des Synchronsprechens, die wichtigen Unterschiede zwischen Hörspielen und Film-Synchronisation, und was es braucht, um auch in hektischen und emotional fordernden Produktionen authentisch zu bleiben. Ganz offen spricht Magdalena über Ablehnung in Castings, was Freundschaft und Freiheit für sie bedeuten, und wie sie es schafft, ihrer eigenen Stimme einen Platz in bekannten Marken wie "REWE Dortmund" zu geben. Außerdem geht’s um neue Projekte, Träume, das besondere Verhältnis zu Geld und eine große Portion Leidenschaft für das gesprochene Wort.
Euch erwartet also ein ehrliches, inspirierendes und sehr persönliches Gespräch rund um die Magie der Stimme, mitreißende Geschichten aus dem Tonstudio und viele clevere Einblicke in die kreative Arbeit hinter erfolgreichen Stimmen Deutschlands. Viel Spaß beim Zuhören!
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⭐️ Bulletpoints:
- Transformation zur kühlen Rolle
- Audiokampagne: Suche nach frischer Stimme
- Wednesday: Jenna Ortega Erfahrung
- Professionelle Distanz im Schauspiel
- Herausfordernde Schauspielerrollen meistern
- Erfolg braucht Geduld und Timing
- Smartphone-Flugmodus und Kommunikation
- Leidenschaft und Erfolg als Synchronsprecher
- Einstieg in SprecherInnen-Texte leicht gemacht
- Professionelles Audio-Branding entscheidend
- Individuelle Markenklänge für REWE Dortmund
- Transparente Kommunikation mit Agenturen
- Ungewisse Zukunft im Sprecherjob
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Magdalena Montasser: Sie klingt ja auch selber jung und sie ist halt in diesem monotonen Ton. Es gibt diesen Sweet Spot quasi an perfektem Ton, den man treffen muss. Und wenn man den nicht trifft, dann ist es nicht mehr Wednesday.
Martin Geißler: Wenn dir
Magdalena Montasser: im Leben alles egal ist, du nicht mehr weiterweißt. Es juckt mich alles gar nicht mehr. Das macht für mich halt gute Werbung aus, dass man geflasht ist oder beziehungsweise für mich als Sprecherin, dass ich geflasht bin, wenn ich mich selber höre in eurem Jingle. Das ist halt so, dann habt ihr was richtig gemacht, dann ist es so wow. Und natürlich ist die Stimme mit mir verbunden, mit mir und meinem Inneren und meiner Seele und meinem Herzen und so. Und ich merk das auch, wenn ich schreie, wie zum Beispiel bei dieser Panikattackenszene, dass es auch tief in mich reingeht."
Martin Geißler: Magdalena Montazza ist erfolgreiche Synchronsprecherin und Sängerin. Unter anderem synchronisiert sie Jenna Ortega, bekannt aus Beetlejuice, Beetlejuice, Scream 5 und unter ihrer bekanntesten Sprecherin-Rolle als Wednesday Adams aus der Netflix-Serie Wednesday. In dieser Episode sind wir eingetaucht, ganz tief ins Synchronsprecher-Business, haben dahinter die Kulissen geschaut. Wir sind auch tief abgetaucht in ganz persönliche, spannende und emotionale Stories. So viel zum Intro, wie immer, wenn's euch gefällt, lasst mir eine 5-Sterne-Bewertung da, haut Fragen in die Kommentare Und jetzt geht's los mit 1 neuen Episode von Here We Go Again! Wenn sich Wednesday Addams und die kleine Powder aus Arkane auf dem Schulhof treffen würden, Welche von den beiden Figuren würde denn die andere mehr verunsichern und wieso?
Magdalena Montasser: Das ist eine sehr interessante Frage. Ich glaube schon, dass Wednesday gewinnen würde. Aber die beiden passen eigentlich sehr gut zusammen. Das wäre so ein Battle der Giganten. Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Also, ja, beide sind sie sehr explosiv und irgendwie doll. Und Powder mit ihren Affenbomben würde Wednesday mit den Piranhas vielleicht sogar schlagen.
Martin Geißler: Oh, das klingt nach einem spannenden Bild.
Magdalena Montasser: Tolle Frage.
Martin Geißler: Ja, machen wir es vielleicht ein bisschen einfacher. Schauen wir uns mal die ikonische Rolle an von Alice as Wednesday, also Magdalena Montazza as Wednesday. Die Schauspielerin Jenna Ortega, die ist ja echt sehr ja, stoisch, fast emotionslos. Wie schafft man es denn da, so die Tiefe reinzubekommen in den Nuancen, dass man das einfach über die Stimme transportieren kann?
Magdalena Montasser: Ja, also ich nehme natürlich super viel von Jenna Ortega ab. Die ist wirklich einfach eine ganz, ganz tolle Schauspielerin. Und ich kann mich da wirklich sehr an ihr bedienen und an ihrem kühlen Blick und auch an dem Fakt, dass sie kein einziges Mal die Augen schließt. Also sie zwinkert ja nicht. In der gesamten Serie zwinkert
Martin Geißler: sie nicht. Ah, okay. Ist mir noch gar nicht aufgefallen.
Magdalena Montasser: Und ich hab mir wirklich viel von ihr, also vielleicht in der zweiten Staffel jetzt, aber in der ersten Staffel war das so der Running Gag, dass sie eigentlich quasi nie in so einem Augenkontakt mit Leuten macht, sie die Augen nicht zu, würde sie niemals auf die Idee kommen. Und ich nehme schon viel einfach durch sie und ihre kühle Art und kühle Stimme so in mir auf. Und es ist spannend, weil es ja gar nicht mein eigenes Naturell ist. Ich bin selber gar nicht wie Wednesday und ich bin auch gar nicht wie Jenna Ortega Wednesday anlegt. Aber auf einmal bin ich's dann ja doch. Und das ist nämlich Ich lasse vieles von der Magdalena dann einfach vor der Studiotür, bin dann im Atelier und bin dann einfach kühl. Und man muss auch dazu sagen, mein Regisseur hilft mir sehr, sehr, sehr, auf diese perfekte Tonlage zu kommen, auf diesen sehr monotonen Ton. Ich geb mal einen kurzen Shout-out, mein Regisseur Tom Sander, ein ganz toller Mensch.
Magdalena Montasser: Und wirklich ohne ihn wär ich nicht Wednesday, auf die Art und Weise, wie ich Weinster bin.
Martin Geißler: Geil. Heißt das, du bist auch zu den Produzenten vor Ort oder zu den Leuten, die da aufnehmen, auch dann kühl in der
Magdalena Montasser: Na ja, ich sag mal so, ich entschuldige mich immer, wenn ich zu böse war. Auch in anderen Produktionen. Wenn ich Leute, also wenn ich mein Team anschreie, weil meine Rolle schreit, dann bin ich immer so, sorry, ich wollte dich nicht anschreien. Und dann sind sie so, ich bin das gewohnt. Es ist völlig in Ordnung, dass du mich anschreist.
Martin Geißler: Wenn man, also ja, ich weiß nicht, vielleicht, ich glaub im Kopf ist das immer so einfach so etwas zu tun, in der Stimme zu synchronisieren. Was war denn da die größte Herausforderung bei Wednesday? Also,
Magdalena Montasser: das würde man jetzt gar nicht denken, aber tatsächlich klinge ich oft zu jung. Und das ist häufig das Problem, dass mein Regisseur immer gesagt hat, so wieder tiefer, wieder tiefer, weil ich immer so ein bisschen hochrutsche. Weil sie klingt ja auch selber jung und sie ist halt in diesem monotonen Ton. Es gibt diesen wirklich diesen Sweet Spot quasi an perfektem Ton, den man treffen muss und wenn man den nicht trifft, dann ist es irgendwie, dann ist es nicht mehr Wednesday. So dann ist es eher so, geht es vielleicht auch manchmal ein bisschen in die Enid-Richtung. Das ist ja sehr spannend in der Folge 6 der zweiten Staffel. Spoiler. Da wechseln die ja, tauschen die Rollen.
Magdalena Montasser: Und Das war super spannend für uns beide, jeweils die andere Rolle zu bedienen. Ich war dann ja für einen Tag in it. Und das hat auch funktioniert, weil ich nämlich auch sehr hoch klingen kann und sehr so jugendlich und jünger noch. Und Ich glaube, das war dann doch die schwierigste Herausforderung, nicht zu hoch zu rutschen. Lustigerweise, diese Kühle ist gar nicht das Problem. Die kann ich absolut gut herstellen. Das ist wie so ein Schalter, den ich umlege, und auf einmal ist es so, es juckt mich alles gar nicht mehr. So, juckt mich nicht.
Magdalena Montasser: Aber da dann nicht hochzurutschen in der Höhe, also in der Tonlage, das ist, glaube ich, dann irgendwie doch das Schwierigste. Und man muss auch sagen, die Sachen, die sie spricht, sind sehr sperrig. Und das ist schon auch manchmal eine Herausforderung. Ich bin ja Sprecherin und ich bin ausgebildet und das ist alles. Ich kann sprechen, aber was Wednesday da spricht, sind schon große Bausteine, die mir da immer in den Weg gelegt werden.
Martin Geißler: Also vielleicht mal aus meiner Sicht, ich greife jetzt mal was vor, also wir haben ja auch ein größeres Projekt miteinander und zwar machen wir gerade eine Audiokampagne für Rewe Dortmund Und wir waren ja da auch auf 1 Suche nach 1 frischen, neuen Stimme für diese Marke. Und ich bin dann jemand, ich renne immer durch die Gegend und ich habe immer meine Ohren offen. Und was ich schon Leute an der Kasse, also Sprecherjobs hätte vermitteln können, Weil ich mir denke, du hättest so viel Geld mit deiner Stimme verdienen können. Und ich bin ja auch auf deine Stimme wegen Wednesday, wegen der Serie, aufmerksam geworden. Und jetzt sagen alle, ja, aber jetzt mal ganz ehrlich. Und die Diskussion hatten wir bei uns auch intern, wie soll das funktionieren. Aber ich hab da zum Glück so für mich diese Vorstellungskraft, das herauszuhören, dass es auch werblich gut passen könnte. Und es war dann auch die Diskussion, wie du es gerade gesagt hast, dass du, wir haben uns ein paar Demos auch angehört, dass du dann tatsächlich sehr jung geklungen hast und weit weg von diesem Charakter.
Martin Geißler: Das sind Welten, die da zwischenliegen. Und ich hab gesagt, wenn wir genau die Mitte treffen und es ein bisschen mehrblich aufbauen, dann ist es was Neues, dann ist es perfekt. Ja? Und so sind wir beide auch zusammengekommen.
Magdalena Montasser: Ja, wirklich auch eine große Ehre, muss ich sagen. Also, die Stimme für Rewe dort zu sein, ist schon Big, big deal. Also, ich muss auch sagen, man wird ja immer gefragt, na ja, gut, jetzt nicht häufig, aber man stellt sich ja auch selber die Frage, welcher ist mein Lieblingssupermarkt, wo geh ich am liebsten hin, wo kauf ich am liebsten ein? Und es war schon immer Rewe. Ja, dann passt doch! Ja, es passt perfekt. Ich fühle mich unfassbar wohl. Rewe, It couldn't be better.
Martin Geißler: Okay, nochmal jetzt den Switch zurück zu einem Synchronshop. Weil ich hab mir auch angeschaut, bei Scream 5, die Szene, die ja mit relativ viel Action und Schreierei und, ich sag mal, Überlebenskampf verbunden ist. Ist es schwieriger, dann sowas zu spielen? Weil, also, wenn ich jetzt nur musikalisch runterbreche, finde ich es immer, jetzt nicht Actionmusik, aber zum Beispiel Horrormusik, relativ nahe an der Grenze zu cheesy und es klingt wie Comedy. Und ich glaube auch, dass es stimmlich eine richtig große Herausforderung ist.
Magdalena Montasser: Also, Man sagt es ja heutzutage nicht mehr, aber ich war ein Schreibaby. Und ich darf das über mich selber sagen, finde ich, dass ich ein Schreibaby war. Und meine Mama sagt es auch über mich. Man soll es nicht mehr sagen, aber es ist so. Deswegen ist es für mich überhaupt kein Problem, so viel zu schreien und so viel Drama in der Stimme zu haben. Und auch da, das ist ja das Tolle beim Synchronisieren, ich bediene mich die ganze Zeit an der Rolle. Die Rolle und an der Schauspielerin, die die Rolle spielt. Deswegen alles, was cheesy ist von mir, ist ja ursprünglich mal cheesy gewesen von ihr quasi.
Magdalena Montasser: Von meiner Schauspielerin. Und bei Streams spreche ich ja auch Jenna Ortega. Also, sie spielt da die Rolle. Der Terra. Und auch das verkörpert sie irgendwie auf so eine ganz besondere Art und Weise und kann es einfach, so dass es dann nicht, Es ist nicht so cheesy. Also Scream an sich ist ja schon nicht der Horrorfilm, der jetzt so der Horrorfilm ist.
Martin Geißler: Weißt du, welchen Fehler ich gemacht habe? Ich habe zuerst Scary Movie gesehen und dann Scream und es funktioniert nicht. Nein,
Magdalena Montasser: Das geht nicht. Also wirklich nicht. Deswegen kann man das, glaube ich, nicht so gut da jetzt als Beispiel nehmen. Aber ich habe ja viele Horrorfilme auch schon gesprochen und auch so ganz viele Exorzismen schon durchgeführt im Studio quasi. Also, ja, war auf jeden Fall besonders und es ist immer eine spannende Arbeit, Horrorfilme zu machen. Ich bin auch selber gar nicht so ein Horrorfilm-Fan, muss ich sagen. Cooles Projekt. Ich bin so traurig, dass sie jetzt im nächsten Stream Was ist denn das da? In Stream 7? Ich glaub, wir haben Ich hab 5
Martin Geißler: und 6. 38. 38.
Magdalena Montasser: Ich hab Stream 5 und 6. Da ist Jana Otega dabei, da durfte ich sie sprechen. Da gibt's auch eine süße Geschichte zu, wie ich im Studio stand. Und mir vorher nur der Aufnahmeleiter gesagt hat, also der Aufnahmeleiter, der disponiert, der ruft immer die ganzen Sprecher an und sagt, komm mal bitte morgen da hin, wir haben einen Trailer zum Beispiel in diesem Fall. Und genau, es war dann ein Trailer, und er meinte so, ja, Horrorfilm, das ist so ein Aufnahmeletter, der immer so ein bisschen nuschelt und nicht so ganz, weiß nicht, so ganz was sagen will. Ähm Und dann bin ich halt am nächsten Tag da ins Studio gegangen und war beim Trailer und dachte so Die kommt mir bekannt von. Man muss dazu sagen, es war noch vor Wednesday. Also, ich hab Johnna Ortega ja schon vor Wednesday, ähm dann da durch 2 Filme gesprochen, glaub ich.
Magdalena Montasser: Also, Es war einmal Yes Day und eben Scream. Und genau, dann stand ich da, guck meinen Regisseur an, übrigens die Stimme von Harry Potter. Ähm, guck ihn so Also, Nico Sableck guck ihn so an, und dann bin ich so, die kenn ich doch. Die hab ich schon mal gesprochen. Und er war so, ja, das weiß ich, deswegen hab ich dich ja drauf besetzt. Und also unter anderem ihm hab ich's auch zu verdanken, dass ich, ähm, also generell, immer den RegisseurInnen, die mich am Anfang der Zeit, wo Generautica so angefangen hat, auf ihre Rollen besetzt hat. Und irgendwann ist es mittlerweile eine andere Frage. Ich geh trotzdem noch manchmal zu Castings.
Martin Geißler: Ich wollt grad fragen, wie läuft dieses Business ab? Wie Kommen da die Filmverleiher auf dich zu oder sind es dann die Reser... Oder sind es dann die Reser...
Magdalena Montasser: Nee, es sind die Synchronstudios. Ein Synchronstudio kriegt einen Auftrag von dem Filmverleih. Also sagen wir jetzt zum Beispiel Netflix, Sagen wir, Wednesday Staffel 3 kommt. Das ist ja sogar offiziell, die wird kommen. Ob ich sie spreche, das ist immer die andere Frage.
Martin Geißler: Das weißt du jetzt noch gar nicht.
Magdalena Montasser: Naja, es ist schon ziemlich wahrscheinlich, dass
Martin Geißler: ich sie spreche. Ja, aber es gibt ja nichts Schlimmeres für mich als Konsumenten, wenn jetzt dann Staffel 3 kommt und die hat auf einmal eine andere Stimme. Das geht halt gar nicht.
Magdalena Montasser: Ja, wir hatten ja jetzt in der zweiten Staffel von Wednesday, ich glaube, 2 Stimmenwechsel, weil eine Kollegin ist gestorben, leider, und die andere hat gesagt, sie spricht nicht mehr. Die hat einfach gesagt, ich höre auf
Martin Geißler: mit
Magdalena Montasser: Synchron. Ist für uns als Zuhörende schon irgendwie schwierig. Ich finde das, wenn ich das mal ganz unabhängig von meinem Standpunkt, wenn ich in der Arbeit bin und das in der Arbeit mitbekomme, wenn die Stimme wechselt, Wenn ich das als einfach nur Zuschauerin mir anhöre, kann ich das auch nicht gut. Und fand ich auch als Kind immer schrecklich, wenn die Stimme gewechselt ist. Ähm Nein, genau. Auf jeden Fall, das Synchronstudio kommt auf mich zu. Mittlerweile hab ich eine Disponentin, die meine Termine macht, Alexandra Schilde, eine ganz tolle Person, die quasi mein Kalender im Kopf hat und mein Kalender ist und auch für mich alle Telefonate macht. Man muss sich das ja so vorstellen, dass ich den ganzen Tag im Studio stehe.
Magdalena Montasser: Und unsere Synchronlandschaft in Berlin ist sehr spontan. Ich weiß meist am Abend vorher erst, wo ich am nächsten Tag sein muss.
Martin Geißler: Okay, krass.
Magdalena Montasser: Und was auch diesen ganzen Zeitdruck, der durch diese Unter anderem auch Simul-Dubs. Simul-Dubs sind ja diese Eine Folge pro Woche kommt raus. Und in der Zeit Man hat nur eine Woche Zeit, eine Folge die nächste Folge quasi zu synchronisieren. Dadurch ist es sehr spontan, und man weiß nicht, braucht man dich jetzt, ist die Rolle drin? So Sachen. Es ist einfach alles viel schneller und dadurch halt auch mit mehr Zeitdruck verbunden. Genau, auf jeden Fall ruft ihr das Synchronstudio, meine Disponentin anfragt, hat Magdalena Zeit, hat sie Lust auf dieses Projekt Und dann sagen wir entweder ja oder nein. Und genau, dann komme ich da hin. Dann ist da meist noch, wie gesagt, die Aufnahmeleitung, die dazwischen geschaltet ist.
Magdalena Montasser: Und dann quasi den Termin durchgibt.
Martin Geißler: Die Gagen stehen da schon immer fest? Also so eine Art Verhandlung gibt es da nicht oder wissen die dann schon, wie man da preislich aufgestellt ist?
Magdalena Montasser: Also es gibt Gagenlisten, die man rausschickt und die sind hinterlegt bei den Studios. Da kann jeder quasi seinen eigenen Preis machen. Es gibt schon so Richtlinien sozusagen, oder man weiß, okay, Kollege XY würde wahrscheinlich das jetzt aufrufen und ich kann mich da und da ansiedeln. Ich meine, ich mache das jetzt 10 Jahre und habe jetzt auch für mich entschieden zum Beispiel die Gagen anzupassen an das Können, was ich mittlerweile habe.
Martin Geißler: Du hast auch eine sehr erfolgreiche Serie gehabt und bist…
Magdalena Montasser: Richtig Und kann das ja auch ganz gut. Ja, aber hallo. Das kann man ja auch mal über sich selber sagen und sich auf die Schulter klopfen. Ja, naja, auf jeden Fall ist das hinterlegt. Es ist tatsächlich so, dass es für Feststimmen, SchauspielerInnen andere Gagen gibt.
Martin Geißler: Mhm.
Magdalena Montasser: Die sind Verhandlungssache, dann immer noch mal extra. Und Trailer sind ja Werbegagen. Werbegagen sind ja auch immer Verhandlungen. Bzw. Gibt es da auch so Listen, nach denen man sich so langhangelt. Und, ähm, ja. Also, bei Trailer wird man auch immer gefragt. Und Gesänge.
Magdalena Montasser: Ich singe ja auch Gesänge, muss man auch jedes Mal neu verhandeln. Das ist auch voll die schwierige Frage, weil da gibt's nicht so einen richtigen Maßstab, an dem man sich so entlanghangeln kann, sondern es ist viel Bauchgefühl und Erfahrung. Wie habe ich denn andere Songs in der Kategorie, was war da die Preisklasse, so eine Sache. Es ist ein bisschen kompliziert.
Martin Geißler: Es ist kompliziert, ist gut. Also ich bin da immer davon ausgegangen, ich weiß nicht, ob es so ist, wenn man jetzt so eine Serie synchronisiert, wenn du jetzt auch sagst, das wird dann wochenweise dann eingesprochen, man sieht ja jetzt nicht...
Magdalena Montasser: War jetzt bei Wednesday nicht, aber...
Martin Geißler: Ja, Aber man sieht ja jetzt nicht diese ganze... Sag ich mal, diese ganze Serie am Stück, sondern du wirst ja wahrscheinlich einzelne Takes bekommen.
Magdalena Montasser: Oder? Für Vorbereitung meinst
Martin Geißler: du jetzt
Magdalena Montasser: oder im Studio?
Martin Geißler: Im Studio sowohl als auch, weil... Ich stell's mir halt voll schwer vor, kommt da glaube ich, schätze ich darauf an, wie die Sachen vielleicht auch gedreht werden, in welcher Reihenfolge und was man an Material zur Verfügung gestellt wird, dass man auch wirklich dann immer zu der jeweiligen Szene, die vielleicht erst bei Minute 40 in dem Film vorkommt, genau die Emotion und Passion reinbringt, die da auch gewollt ist. Oder ist es da für dich einfacher, weil du versuchst, so nah wie möglich an dem Schauspieler dran zu sein oder an der Schauspielerin.
Magdalena Montasser: Ja, auf jeden Fall. Also ohne die Schauspielerin wäre das ja so gar nicht möglich. Eine Schauspielerin
Martin Geißler: an
Magdalena Montasser: einem Drehset dreht ja am Tag höchstens 3 Szenen. Und wir synchronisieren ja manchmal einen ganzen Film an einem Tag. Und dann gehe ich zum nächsten Termin und habe einen neuen Film. Und dann gehe ich zum nächsten Termin und habe noch einen Film. So quasi. Also ich habe ja am Tag manchmal 3, 4 Projekte, die alle andere Sachen von mir abverlangen. Das ist ein sehr negatives Wort, aber so Abrufen. Abrufen, genau.
Magdalena Montasser: Wo ich ganz andere Emotionen immer abrufen muss. Und da ist es schon so, dass mir die Schauspielerin, der Schauspieler sehr hilft, beziehungsweise die stimmliche Vorlage in so animierten Sachen. Es ist echt selten, dass man Projekte vorher am Stück schauen kann. Das passiert nur bei Kinofilmen eigentlich. Und auch nur bei den ganz großen Kinofilmen, wo man so sagt, okay, das muss wirklich sein, es lohnt sich, dass du den vorher schaust. Ansonsten hätte man auch gar nicht die Zeit, sich das alles vorher anzuschauen. Also wir synchronisieren ja so viel, man kann das nicht alles anschauen. Das ist viel zu viel Material.
Magdalena Montasser: Leider. Ich würde es gerne. Ich hätte gerne vor 30 Jahren, war das ganz anders. Da haben die KollegInnen sich das noch vorher anschauen können, weil da wurde pro Woche vielleicht höchstens einen Film synchronisiert. Und jetzt ist es, wie gesagt, am Tag 3, 4, die man so hat.
Martin Geißler: Ja, wenn ich überlege, also wenn ich in meiner Jugend ins Kino gegangen bin, bis der im TV gelandet ist, hat das ja mindestens ein halbes Jahr gedauert. Das ist jetzt ja meistens ein, 2 Wochen, wenn überhaupt.
Magdalena Montasser: Richtig. Also ich habe in manchen Serien noch, obwohl sie schon ausgestrahlt wurden, Retakes gehabt zum Beispiel, weil irgendwie sich nochmal was geändert hat oder irgendwie die Abnahme so knapp war, dass das erstmal durchgewunken wurde und dann hat man im Nachhinein noch mal gedacht, oh, das können wir so gar nicht sagen. Wir machen's doch anders. Also, hat man echt, und das hätte man früher so nicht gehabt. Ähm Ja, und natürlich ist es irgendwie anstrengend. Und ich merke, das war ziemlich anstrengend. Ich hatte vor ein paar Tagen so einen Retake in einem Kinofilm, der auch ziemlich heftig ist, wo die Rolle wirklich nahezu an 1 Panikattacke ist, könnte man sagen. Und die Retakes waren wirklich in dieser Szene 2 Takes.
Magdalena Montasser: Und in diese Stimmung reinzukommen, einfach so, so mitten am Tag, da ist man 10 Minuten in diesem Studio, ist schon sehr challenging, ist einfach Vielleicht auch das Besondere an der Arbeit, dass man eben Emotionen sehr schnell abrufen können muss.
Martin Geißler: Das wäre jetzt auch nämlich eine Frage, die ich als nächstes gehabt hätte, weil besonders schwierig stelle ich mir diese super emotionalen Geschichten vor, wo man traurig ist, wütend und sich ja auch in diese Emotionen hineinfühlen muss. Wie rufst du das ab? Also nimmst du da eigene Erinnerungen, dass du da reingehst? Und wo ist da die Grenze, sag ich mal, dass du nicht selber auch daran kaputt gehst vielleicht sogar, wenn du über einen längeren Zeitraum sowas spielst?
Magdalena Montasser: Ja, das ist schwierig. Also, ich würde sagen, auch das gehört zum Job, dass man so eine gewisse Professionalität hat und sich davon abkapseln kann, dass man nicht die Dinge, die man selber gerade mit sich trägt, mit ins Studio nimmt. Das ist ja genauso andersrum, dass man, wenn man eine super Happy-Rolle hat, aber eigentlich selber gar nicht happy ist. Das muss man ja auch ablegen, dass man eigentlich gar nicht in der Stimmung ist, jetzt so eine glückliche Rolle zu spielen. Und genauso ist es auch, dass man, wenn man die Emotionen, das ist wirklich wieder, dass die Schauspielerin mir die Emotionen ja vorlebt und ich mich an ihr bedienen kann. Was zum Beispiel beim Hörspiel, ich spreche ja auch Hörspiele, ist es anders. Das ist wie eine Theaterbühne, da muss ich wirklich meine eigene Emotion mit reinbringen. Deswegen habe ich den Vergleich auch so.
Magdalena Montasser: Beim Synchron ist es deutlich leichter als in Hörspielprojekten, wo ich die Vorlage bin. Ich glaube, das ist ganz menschlich, dass man Phasen hat, da ist man ein bisschen angekratzt, wenn man einen Todesfall in der Familie hatte.
Martin Geißler: Ich wollte gerade sagen, was ist denn, wenn du gerade einen runden Geburtstag gehabt hast am Vorabend, ordentlich gefeiert hast und am nächsten Tag musst du eine Szene spielen, wo deine Eltern beim Verkehrsunfall ums Leben gekommen sind oder ähnliches. Wie bringst du dich da in diese Passion rein?
Magdalena Montasser: Die kann ich stimmlich abrufen. Ich gehe auch sehr in den Körper rein. Es ist sehr viel mit Atmung. Es hat sehr viel mit Atmung zu tun, dass man halt beim Weinen, beim Schreien geht eigentlich alles, wenn du es körperlich haben möchtest und möchtest, dass es körperlich klingt, über die Atmung. Also ohne richtige Atmung geht das nicht, würde ich sagen. Also es fällt und lebt, die Natürlichkeit fällt und steht mit der Atmung. Und das hört man auch. Zum Beispiel in Kinofilmen nehmen wir uns viel mehr Zeit, auch die Atmer zu bedienen.
Magdalena Montasser: Und in der Streaming-Serie oder in der TV-Serie ist manchmal nicht die Zeit, so genau auf die Atmer zu achten, wie die Schauspielerin das macht. Aber man hört den Unterschied sehr, sehr doll. Aber wenn ich jetzt eine durchzechte Nacht hatte, was ich sowieso nicht mache vor einem Arbeitstag, aber sagen wir, keine Ahnung, Spontan haben sich meine besten Freunde verlobt oder so. Es passiert ja mal sowas in der Art. Und ich musste feiern quasi. Ist jetzt einfach mal so eine random Idee. Oder ein Geburtstag ist genau. Ein Geburtstag kann man sich ja auch nicht aussuchen.
Magdalena Montasser: Und am nächsten Tag ist es eine richtig heftige Rolle. Dann ist es eher so, dass ich meine positive Energie da mit reinnehme und da so quasi das versuche, meine Kraft da noch mehr zu bündeln und damit dann irgendwie mich da dran bediene quasi und daraus meine Kraft schöpfe und sage, okay, jetzt erst recht, jetzt hab ich ja genau diese tolle Energie, die ich auch in eine schwierige Szene reinstecken kann. Und dann würd ich auch sagen, ist es sehr wichtig, wer die Regie ist. Und wenn du eine gute Regie hast, dann trägt die dich dadurch. Und wenn du eine schlechte Regie hast, dann trägt die dich nicht dadurch. Und dann ist es auch wirklich schwer. Ich hab auch schon im Studio geweint. Ähm Und nicht, weil ich es musste, sondern weil es passiert ist.
Magdalena Montasser: Weil es mich so ergriffen hat. Und da hatte ich schon einige Projekte. Und wie gesagt, wenn man in der Phase ist, wo man angekratzt ist, wo man schlecht geschlafen hat, wie gesagt, einen Todesfall in der Familie hat oder whatever, dann ist es auch schwerer, das abzuschütteln und abzulegen. Aber, ähm, that's life. Ich glaube, ich hab zwar noch nie einen Bürojob gemacht, aber ich denke, wenn man eine schwierige Phase hat im Leben und dann einfach ins Büro geht, ist es ja auch nicht alles weg. Sondern es ist ja trotzdem auch da. Und genauso ist es halt auch in dem Beruf. Nur dass ich so natürlich wirklich dauerhaft die ganze Zeit Emotionen abrufen muss.
Magdalena Montasser: Und ich glaube, dass der Trick ist, dass man es halt zwar einerseits natürlich körperlich macht, aber es ist Vor allem die Stimme, die es macht. Und natürlich ist die Stimme mit mir verbunden, mit mir und meinem irgendwie Inneren und meiner Seele und meinem Herzen und so. Und ich merk das auch, wenn ich schreie, wie zum Beispiel bei dieser Panikattackenszene, dass es auch tief in mich reingeht. Aber dann geh ich halt raus und mach mir so einen schöneren Tag danach quasi und sage, okay, das war jetzt meine Arbeit und ich komme jetzt nach Hause, schmuse mit den Katzen und dann ist das alles wieder gut.
Martin Geißler: Also du schaust immer, dass dann auch wieder ein Ausgleich da ist?
Magdalena Montasser: Ich versuche das, ja. Beziehungsweise in so richtig harten Zeiten rufe ich Freundinnen an oder meine Mama und bespreche das halt mit denen. Also natürlich jetzt nicht inhaltlich, aber sagst du, boah, das war gerade eine wirklich schwierige Szene, kannst du mich ablenken? Man findet dann so seine Wege, würde ich sagen.
Martin Geißler: Magdalena, ich weiß exakt, wie du zu diesem Job gekommen bist. Auf jeden Fall hat mein kreatives Hirn sich dann eine wunderschöne Geschichte dazu ausgedacht. Und zwar warst du so circa 13, 14, was ist das? 5. Oder 6. Schulklasse oder? Keine Ahnung, ungefähr so. Und dann hast du keinen Bock gehabt und dann hast du in der Schule im Rektorat angerufen und hast gesagt, hallo Hier ist die Frau Montassa, die Mutter von Magdalena Montassa. Und die Magdalena, die hat Kopf- und Bauchweh. Die kann heute nicht kommen.
Martin Geißler: Und dann sagt die Imtillonin, ja, okay, alles klar, ist notiert, hab ich weitergegeben, hat dann aufgelegt. Und du denkst dir so, ja, es funktioniert.
Magdalena Montasser: Das ist eine tolle Geschichte. Ja, so ungefähr war's.
Martin Geißler: So ungefähr, ja.
Magdalena Montasser: Ja, haste recht. Nur, dass ich schon damals nicht so gut alte Frauen nachmachen konnte. Ich will jetzt nicht sagen, dass meine Mama alt ist, aber natürlich trotzdem älter als ich. Und man hört den Unterschied. Du willst bestimmt darauf hinaus, wie bin ich dazu gekommen.
Martin Geißler: Exakt.
Magdalena Montasser: Ich habe den Wink mit dem Zaunfall bekommen. Ich war auf einem musikbetonten Gymnasium in Berlin. Ich lebe ja in Berlin und bin Berlinerin.
Martin Geißler: Drum übrigens auch heute mal hier ein komplett anderes Podcast-Setup wie sonst.
Magdalena Montasser: Richtig, wir sind hier in meiner Wohnung und es ist erstaunlich, dass meine Katzen hier noch nicht durchgestreunert sind, weil immer wenn sie merken, es ist was Wichtiges und ich arbeite, dann laufen die mir immer mal über den Computer rüber.
Martin Geißler: Selbstverständlich.
Magdalena Montasser: Haben sie jetzt noch nicht gemacht, die schlafen. Ich war auf einem musikbetonten Gymnasium, da wurden wir klassisch ausgebildet im Gesang. Also ich kann auch singen und singe sehr gerne. Zu der Zeit hat eine Aufnahmeleiterin aus dem Synchron eine Kinderagentur gegründet. Die Agentur Kinderstimme, die gibt es auch noch. Und da habe ich mich beworben und das hat geklappt. Und das war also mal eine ganz andere Geschichte als sonst die Kinder aus dem Synchron haben. Weil die meisten Kinder aus dem Synchron sind Kinder von SynchronsprecherInnen.
Magdalena Montasser: Also es gibt ja dieses Synchron-Kinder-Find-Me. Und diese Synchronfamilien. Ähm, liegt ja auch nahe, weil du meinst Voll, ja. Es ist ja viel, geht es Aussprache und Hochdeutsch sprechen zu können. Und Rhythmusgefühl und Taktgefühl. Und ich würde schon auch sagen, meine Mama, die ist Autorin, die hat mir auch einfach ein Sprachgefühl mit in die Wiege gelegt. Und es ist einfach immer auch da Teil meines Lebens gewesen quasi. Deswegen ist es auch sehr, also ich bin sehr privilegiert, dass ich diesen Job machen kann, weil das ist schon aus der Kindheit quasi in mich reingepflanzt.
Magdalena Montasser: Ja, auf jeden Fall hat das geklappt. Ich hatte das Glück, dass ich genommen wurde und dann habe ich natürlich ganz, ganz, ganz viele Castings nicht bekommen und ich war sehr deprimiert.
Martin Geißler: Wie viele Castings ungefähr hast du nicht bekommen?
Magdalena Montasser: Generell in meinem Leben oder in den ersten Jahren?
Martin Geißler: In den ersten Jahren, Weil du jetzt gerade gesagt hast, es waren ganz, ganz viele. Was ist, da mal eine Zahl zu haben? Weil ich will einfach darauf hinaus, dass, glaube ich, ganz viele Leute versuchen, in ihrem Traumjob zu landen und immer wieder Gegenwind bekommen. Aber was ich jetzt so raushöre schon zwischen den Zeilen ist, dass du dich davon hast nicht unterbringen lassen und trotzdem weitergemacht hast.
Magdalena Montasser: Ja, es war auch echt schwer. Es war eine wichtige, harte Schule, weil wenn ich jetzt ein Casting nicht bekomme, klar ist man kurz so, ach irgendwie schade, weil ich hätte es gerne gemacht. Aber Man nimmt es nicht mehr so in sich auf und zweifelt an sich und seinem Können. Weil es ist halt grade beim Synchronen, das ist halt das Schöne, es geht nur darum, passt die Stimme oder nicht. Und ab einem gewissen Punkt Klar, in den ersten Jahren war's noch mal anders. Weil in den ersten Jahren, ich würd mal sagen, von 10 Castings hab ich 3 bekommen. Vielleicht. In so anderthalb Jahren.
Magdalena Montasser: Und das ist schon hart, so, wenn man merkt, oh, irgendjemand ist immer besser als ich. Weil es waren dann schon auch immer die typischen Verdächtigen, die es dann geworden sind. Und irgendwann war ich halt die typische Verdächtige, die es geworden ist. Also, irgendwann hat man halt seine Time to shine, und dann passt das dann ja auch. Also, Es gibt ja auch Gründe, warum man Rollen nicht bekommt. Mittlerweile kann ich das gut von mir abkapseln und sagen, es ist nicht mein Können. Es ist eigentlich nicht mehr mein Können, sondern es ist halt, passt die Stimmfarbe oder nicht. Und Manchmal wird uns sogar gesagt, dass der Kunde es gewürfelt hat, weil er sich nicht entscheiden konnte.
Magdalena Montasser: Und ich wär auch nicht gern der Kunde und müsste entscheiden. Weil die Stimmen klingen halt oft sehr gleich. Ich kenn ja auch meine Kolleginnen, gegen die ich gecastet werde. Die sind alle toll, die können alle super spielen. Und dann ist es manchmal auch eine Tagesform oder halt wirklich so eine Entscheidung von der Regie auch. Ich möchte jetzt mit ihr lieber arbeiten, weil wir haben noch nicht so viel gearbeitet, und ich möchte ihr eine Chance geben oder whatever. Ja, genau, also ich hab mich nicht unterkriegen lassen und würde auch sagen, dass es sehr wichtig ist, das zu tun. Ich habe auch sehr viel Zeit, Jugendzeit, aufgegeben.
Magdalena Montasser: Ich habe mit 12 angefangen, das habe ich jetzt hier noch gar nicht gesagt. Du meintest eben so 13, 14 und dann habe ich im Rektorat angerufen. Nee, es war wirklich 12, also ich bin jetzt 22 und es sind jetzt 10 Jahre, die ich das mache. Und das waren ja genau die springenden Jahre. Und da muss ich auch sagen, dann kam ja irgendwann Corona. Und dann hatte ich, also ich war echt, also, la Chemie. Durch Corona hatte ich tagsüber Zeit, arbeiten zu gehen. Und konnte Schule dahin legen, wie halt so ein Fernstudium, wo ich es halt hingelegt haben wollte.
Magdalena Montasser: Ich konnte dann nachmittags zum Beispiel Schule machen oder auch mal in den Abend rein. Und das war schon sehr gut für meine Karriere, das mal so zu sagen. Aber ich habe auch viel von meiner privaten Zeit einfach gerne im Studio gestanden und war zum Beispiel auch auf keiner Abifahrt. Ich habe meine Abifahrt für eine ganz tolle Serie flöten lassen. Sagt man das so?
Martin Geißler: Ja. Ähm... Bereust du's?
Magdalena Montasser: Nee. Weil... Die Leute, die ich in meinem Leben haben möchte, mit denen ich Partyurlaub machen möchte, wenn ich Partyurlaub machen wollen würde. Mit denen kann ich immer noch Partyurlaub machen. Und ich glaube schon, dass es irgendwie auch... Ich glaube, ich stelle mir die Frage nicht. Weil ich bin jetzt an so einem tollen Punkt in meinem Leben mit 22 und war es halt auch schon vor 4 Jahren. Also mit 18 war ich auch schon an so einem tollen Punkt, finanziell selbstständig zu sein und eigentlich auf keine Unterstützung angewiesen zu sein.
Magdalena Montasser: Das ist Etwas, was viele meiner Freundinnen halt so nicht haben in meinem Alter. Und das ist schon was ganz Tolles und dafür nehme ich das gerne in Kauf, dass ich nicht auf der Abifahrt war.
Martin Geißler: Verstehe ich zu 100 Prozent. Wie ist es dann da in deinem Freundeskreis? Gibt es da Punkte, an denen man aneckt oder kriegst du da vollen Support?
Magdalena Montasser: Also Ich glaube, die Leute, die damit nicht gut klargekommen sind, das war eigentlich nur Also, ich hatte das nur in einem Fall, dass eine lange Freundin damit nicht so gut klargekommen ist, dass ich so viel arbeite.
Martin Geißler: Mhm.
Magdalena Montasser: Das selektiert sich raus. Und das ist natürlich traurig. Ich würde auch niemals sagen Ich bin generell ein Riesenfamilienmensch, ich bin ein absoluter Mensch. Ich investiere sehr viel Zeit in meine Freundschaften. Ich bin ein sehr kommunikativer Mensch und pflege meine Beziehungen sehr gut. Auch wenn es schwer ist, weil ich viel zu tun habe und mehr zu tun habe als als eben befreundete personen und auch als so ein typisches studieleben würde ich jetzt mal sagen aber wenn man das will dann kriegt man das hin und ich habe wirklich Glück mit meinen Freundinnen, also mit meinen Freundschaften, weil die das alle total supporten. Und ich hab auch, das ist vielleicht auch ein netter Schwank meines Lebens, ich hab noch mal zum Abi die Schule gewechselt. Und die Freundinnen, die ich von davor noch habe, die wussten das alle schon.
Magdalena Montasser: Die wussten, dass ich das mache. Aber als ich die Schule gewechselt hab, hab ich das niemandem erzählt, dass ich das mache. Und es war halt schon irgendwie ein bisschen so Ich hatte viel zu tun quasi, aber es war dann auch so, ja, sie hat einfach nachmittags immer irgendwas zu tun. Aber ich hab nicht gesagt, was ich mache, weil mir das ganz wichtig war, dass Menschen mich mögen, weil ich ich bin und nicht, weil ich einen super spannenden Job habe.
Martin Geißler: Mhm.
Magdalena Montasser: Und ja, das hat gut geklappt. Und die Leute, die mich auch mochten, weil ich ich bin, die mögen mich auch immer noch, weil ich ich bin und nicht, weil ich das mache, was ich mache. Und ich würde auch sagen, dass sie das nicht kritisieren. Sie fangen eher vieles auf, weil es ist einfach manchmal auch viel Druck. Man darf einfach nicht krank werden bei dem Job zum Beispiel. Man darf nicht erkältet sein. Das ist einfach…
Martin Geißler: Ja, ich wollte gerade sagen, wenn du einfach mal die Nase zu hast oder so, wird es schwierig, ne?
Magdalena Montasser: Ja, geht halt einfach nicht dann. Und das verstehen die auch, wenn die zum Beispiel krank sind und ich sage, es tut mir echt leid, lass uns lieber telefonieren, ich darf nicht krank werden. Dann verstehen die das, das ist völlig in Ordnung für die. Und so eine Sachen, ja, hab ich schon Glück mit meinen Freundschaften. Also die supporten das alle sehr.
Martin Geißler: Was glaubst du, was ist da das Geheimnis, weil das funktioniert? Ich stelle mir das überhaupt nicht einfach vor, sondern eher, ich denke, der Schlüssel ist wahrscheinlich wie immer sehr, sehr viel Kommunikation auch in dem Fall.
Magdalena Montasser: Ja, auf jeden Fall. Ich glaube, es ist auch ungefähr ein Viertel meiner Freundinnen macht auch etwas in die Richtung. 3 befreundete Personen, die eben auch in diesem Bereich arbeiten, entweder als SchauspielerInnen oder eben auch als SprecherInnen. Und die verstehen das alle total, dass halt manchmal keine Zeit ist. Ich glaub, das größte Problem ist eigentlich diese Spontanität, dass ich am Tag vorher erst weiß, wie ich am nächsten Tag arbeite. Und da, boah, ich wär nicht gern mit mir befreundet, was das angeht, glaube ich. Weil man kann wirklich nicht gut mit mir planen, was schwierig ist, weil ich ein sehr planbarer Mensch bin. Oder worüber ich auch oft nachgedacht hab, ich bin überhaupt nicht erreichbar.
Magdalena Montasser: Den ganzen Tag ist mein Handy auf Flugmodus. Das ist echt komisch. Ich würde, wenn ich mit mir befreundet wäre, die ganze Zeit Angst haben, dass mir was passiert ist, weil mein Handy aus ist, aber ich bin nur im Studium. Ist mir letztens aufgefallen, dass wenn ich meine Familie oder meine Freundinnen anrufe, wenn die nicht rangehen, ist irgendwas komisch. Na ja, aber was ist das Geheimnis? Ja, unfassbar viel Kommunikation natürlich. Und wie gesagt, hab ich ja auch gesagt, ich bin ein krass kommunikativer Mensch und schaff das auch ganz gut, das so trotzdem mit reinzubringen. Und ich glaube, die Leute wissen, also meine Freundinnen wissen, dass ich sie lieb habe und dass ich Zeit in sie investiere. Und dass, auch wenn ich mal ein bisschen weniger Zeit in sie investiere, ich hab ja auch zum Beispiel Phasen, da bin ich eine Zeit lang nicht in Berlin, weil ich hab mehrfach so WDR-Hörspiele zum Beispiel gemacht, also in Köln, und dann ist man halt einfach mal 3 Wochen in Köln und weg vom Fenster.
Magdalena Montasser: Und auch da schaff ich das trotzdem ganz gut. Viel zu telefonieren. Ich hab auch viele Freundschaften schon in andere Städte geführt, weil meine Freundinnen zum Studieren oder Auslandssemester halt woanders hingegangen sind. Das funktioniert alles, wenn man das will, kriegt man das hin. Und ich will's ja, deswegen, das spüren die auch dann, glaub ich. Ich glaub, das ist das Geheimnis. Und ich glaube, dass was, worüber viele oder was sich viele auch denken könnten, ob's da irgendwie so ein Neidthema gibt bezüglich so auch Geld. Und ich bin einfach ein sehr, also ich gehe einfach großzügig mit meinen Ressourcen sozusagen.
Magdalena Montasser: Also ich lasse meine Freundinnen einfach teilhaben an meinem Leben. Und, ähm, keine Ahnung, ich hab als einzige meiner Freundinnen ein Auto. Man braucht auch kein Auto in Berlin, aber Als berufstätige Person ist es schon praktisch, 1 zu haben. Und wenn die jemanden brauchen, der sie fährt, dann fahr ich die. Dann nehm ich mir die Zeit und fahr die. Oder ich lad sie gerne zum Essen ein. Sie dürfen alle meine Streamingdienste mitbenutzen. Das dürfen die nicht hören, die Streamingdienste.
Magdalena Montasser: Bei Netflix geht's ja auch gar nicht mehr.
Martin Geißler: Das schneide ich ins Intro.
Magdalena Montasser: Gerne. Aber ja, ich teile einfach gerne meine Ressourcen und das kriegen die ja auch mit. Und Ich glaube, dann fühlt man sich auch sehr geliebt, wenn manchmal Zeit nicht so ganz da ist, dass trotzdem Also ich würde jetzt nicht sagen, dass ich sie kaufe, aber du verstehst schon, was ich meine.
Martin Geißler: Was ist Geld für dich?
Magdalena Montasser: Freiheit. Schon irgendwie. Also ich habe in meinem Leben viel mit Ängsten zu tun gehabt. Und es ist sehr schön, dass ich die Angst nicht haben muss, kein Geld zu haben. Ähm jetzt grade. Weil ich wirklich also, weil ich gut zu tun habe und mein Geld auch gut weggelegt habe und angelegt habe und auch ein sehr sparsamer Mensch bin, würd ich sagen. Ich hab zwar gesagt, ich hab ein Auto, das ist eine Luxusausgabe, aber ich hab ein sehr altes Auto. Ich hab KollegInnen, die fahren Porsche.
Magdalena Montasser: Und es ist geil für die, Aber es ist kein oder trag eine Rolex. Das sind Dinge, die ich nicht brauche in meinem Leben. Was auch total fein ist. Ich find's aber auch absolut fein, wenn die's brauchen. Ähm und sich damit gut fühlen. Ich glaube, für mich ist mein größter Luxus, dass ich diese 2 Katzen irgendwie durchfüttern kann. Ich wollte die gar nicht haben, ich hab die gar nicht freiwillig in meiner Wohnung, aber ich habe die Möglichkeit, sie zu füttern. Ich hab eine tolle Wohnung, das ist auch ein großes Privileg.
Magdalena Montasser: Ich muss mir keine Gedanken machen, meine Miete zu zahlen. Und ich glaube, mit Geld kann man sich auch tolle Zeit kaufen. Ich glaube, das ist es. Also Geld an sich ist nicht das höchste Gut, sondern Zeit ist das höchste Gut. Und das ist echt doof, Weil das alle immer sagen und man will das gar nicht mehr hören, aber es ist einfach so. Also, wenn du keine Zeit im Leben hast, dann bringt dir das Geld auch nichts. Weil dann kannst du es auch nicht ausgeben. Ja.
Magdalena Montasser: Und Geld ist auch für mich die Möglichkeit, irgendwie mich und meine politischen Interessen zu verwirklichen, irgendwie auf eine Art und Weise. Also ich spende einfach enorm viel. Und das ist ein tolles Gefühl, spenden zu können und zu wissen, wohin das Geld geht. Anders jetzt als bei den Steuern. Da mache ich es mir aber auch immer so, da denke ich auch immer so, ach, das macht zum Beispiel, finanziert, also niemals würde das jetzt einen Kinderspielplatz finanzieren, das ist viel zu teuer, so viel Steuern zahle ich nicht, aber du verstehst schon, was ich meine.
Martin Geißler: Also was man dem nicht abstreiten kann, das ist ja wirklich deine, oder was man da raus hört, das ist Deine Leidenschaft zu diesem Job und überhaupt zum Leben, was ich sehr inspirierend finde, vor allem in deinen jungen Jahren von 22 Jahren. Irre, finde ich, er imponiert mir unheimlich. Dankeschön. Jetzt denken sich vielleicht ganz viele auch so, Synchronsprecher oder Synchronsprecherin, das könnte ich mir auch gut vorstellen. Jetzt hast du vorhin schon auch darüber gesprochen, mit dem Thema Ablehnung bei Castings und so weiter. Wie viel muss man denn aber auch trainieren, ich sag mal, wenn man das als seinen Traumjob betiteln möchte, da reinzukommen, da erfolgreich zu sein, da überhaupt mal eine gute Basis zu haben?
Magdalena Montasser: Ja, das ist echt schwierig. Also, wenn du jetzt hier zuhörst und 12 Jahre alt bist und in Berlin oder München oder Hamburg wohnst, dann hast du schon mal bessere Karten, als wenn du, keine Ahnung, Mitte 40 bist und in keiner dieser Städte lebst. Weil dann kannst du nicht synchron sprechen, leider. Du kannst andere Sprecherjobs machen, aber Synchron findet nur in diesen Städten statt. Bisschen noch in Köln. Ich geh mal distanzierter an das Thema ran, weil Ich würde jetzt sowieso niemandem mehr raten, diesen Job zu machen. Ähm, es gibt jetzt schon vollständige Filme und Serien, die komplett mit KI synchronisiert wurden. Ich weiß nicht, wie lange ich diesen Job noch machen kann.
Magdalena Montasser: Das ist für mich Natürlich irgendwo ein blöder Punkt, aber ich bin megajung. Aber meine älteren KollegInnen, also die jetzt, keine Ahnung, Anfang 50 sind oder Mitte 40, für die ist es megascheiße. Die können nicht einfach was Neues studieren. Klar können sie auch, aber es ist viel schwerer. Und für die ist es richtig blöd. Und deswegen weiß ich nicht, ob ich jemandem raten würde, jetzt beim Synchron einzusteigen. Aber ich versteh den Wunsch absolut, weil es ist ein Traumjob. Ich liebe diesen Job über alles.
Magdalena Montasser: Und dann würde ich sagen, es ist deutlich einfacher, wenn du eine Schauspielausbildung hast. Also, du brauchst eigentlich, wenn du als Quereinsteigerin einsteigst, eine Schauspielausbildung anders, nehmen dich die Synchronstudios fast gar nicht. Und dann würde ich sagen, wenn du das alles hast oder wenn du trotzdem denkst, du bist es, du kannst es, du schaffst es, dann Stimmproben aufnehmen und an die Studios schicken. Es ist so einfach. Man kann die Studios googeln. Wenn Du denkst, du hast das Zeug dazu. Nimm Stimmproben auf. Man kann auch googeln, was Oder Suchmaschinen, man kann jede andere Suchmaschine benutzen.
Magdalena Montasser: Ähm, was gute SprecherInnen-Texte sind oder irgendwie. Oder du googelst deinen Lieblings-Synchronsprecher und guckst, was der für Stimmproben hat. Dann suchst du dir eine Szene aus und machst die nach. Das ist eigentlich nicht so wild. Ich glaube, es scheitert bei vielen daran, dass der Wunsch vielleicht doch nicht so dringend ist, es dann auch anzugehen. Weil wenn man es wirklich wollen würde, dann würde man die Zeit dazu investieren. Und die Handys zum Beispiel haben mittlerweile so gute Soundqualität, dass es auch erst mal reicht, mit einem Handy das aufzunehmen. Man braucht dafür jetzt kein Studio-Setup, die ersten Stimmproben aufzunehmen.
Magdalena Montasser: Ich glaube, es ist sehr viel Durchhaltevermögen und immer weiter kämpfen und auch mit Ablehnung irgendwie klarkommen können.
Martin Geißler: Würdest du es einordnen, sich da auf Social Media auch präsent zu zeigen? Wie wichtig ist dieser Part?
Magdalena Montasser: Ich kann ja mal jetzt aus Sicht 1 Synchronsprecherin, die das beruflich macht, mir das angucken. Ja genau, also so, wenn jemand... Also es ist blöd, das so zu sagen, aber wir reagieren schon empfindlich, wenn jemand, der noch nie synchron gesprochen hat, sagt, ich bin Synchronsprecher. Weil das bist du nicht.
Martin Geißler: Vollkommen verständlich.
Magdalena Montasser: Ich bin auch kein Maler, Nur weil ich meine Wand gestrichen habe. Es ist ein Beruf, für den du sehr viel Zeit investieren musst. Auch Zeit der Ausbildung. Wenn man als Kind damit anfängt, hat man es noch mal leichter. Dann ist quasi das Leben die Schule, beziehungsweise die Studios sind die Schule. Und die Regie, also die ganzen RegisseurInnen, die bringen dir das dann auch bei. Aber wenn du als QuereinsteigerIn reingehst, dann erwarten die von dir, dass du's kannst.
Martin Geißler: Das war
Magdalena Montasser: für mich auch ein krasser Punkt, als ich gemerkt hab, ich bin kein Küken mehr, es wird was von mir erwartet. Ich muss jetzt auch wirklich abliefern, ich muss das jetzt auch können. Und ich kann mir auch kaum Ausrutscher erlauben, sozusagen. Ich bin jetzt erwachsen.
Martin Geißler: Und ich
Magdalena Montasser: glaube schon, dass Social Media für viele trotzdem auch ein Sprungbrett ist. Ein toller Kollege von mir wurde in einem Livestream entdeckt und hat da.
Martin Geißler: Hau raus den Namen.
Magdalena Montasser: Tom Ferenz. Tom Ferenz, toller Typ, netter Typ. Ähm, hat einen Livestream gemacht, noch damals mit ganz wenig AbonnentInnen. Und da war, äh Oder so Views? Ich weiß gar nicht, wie das bei Streaming alles, die Fachsprache, heißt, aber ja. Ähm, und dann Keine Ahnung, bin ich nicht so drin. Und dann hat ein Aufnahmeleiter zufälligerweise da reingeguckt und war so, boah, Stimme passt. Wie wär's, komm noch mal vorbei. Und dann hat's geklappt.
Magdalena Montasser: Und er ist aber auch dran geblieben. Er hat am Anfang auch kaum Castings bekommen. Und jetzt spricht er richtig große Rollen und richtig tolle Rollen. Und Rollen, die seine Kindheit sind. Oder die irgendwie ein Traum von ihm waren, die zu sprechen. Er spricht auch bei Arkane zum Beispiel mit. Und den Milo, glaube ich. Und genau, so kann es auch laufen.
Magdalena Montasser: Also man kann immer Glück haben. Also Social Media ist schon...
Martin Geißler: Findet ihr eigentlich auch Dialoge bei der Synchronarbeit? Oder ist es immer Einzelaufnahmen? Sorry für die...
Magdalena Montasser: Kein Problem. Für den drastischen Themenwechsel. Für
Martin Geißler: den spontanen Switch.
Magdalena Montasser: Wir machen das alleine. Wir
Martin Geißler: werden geixt, heißt das.
Magdalena Montasser: Immer alleine. Wir machen das alleine. Es gibt natürlich Ensembleaufnahmen. Wenn man anfängt als Sprecherin, muss man sich darauf einstellen,
Martin Geißler: dass man die ersten
Magdalena Montasser: 3 Jahre nur Ensemble macht und immer mal wieder kleine Rollen macht.
Martin Geißler: Ensemble heißt, du
Magdalena Montasser: bist in deinem Stimmalter mit Es gibt Frauenensemble, Männerensemble oder gemischte Ensemble. Du bist zu fünft ungefähr im Studio und musst halt so alle Hintergründe synchronisieren. Also du machst dann so, keine Ahnung. Ich habe das als Kind natürlich auch gemacht und dann waren es so Schulklassen oder sowas oder Kinderspielplätze oder was man halt sich dann so darunter vorstellen kann. Schwimmbad, Kino, alles was halt Hintergrund irgendwie gefösel braucht.
Martin Geißler: Hintergrund gefösel finde ich ist ein schönes Wort.
Magdalena Montasser: Ja, alles was den Hintergrund halt auffüllt. Und jetzt nehmen wir nicht mehr zusammen auf. Leider. Es wäre eine ganz andere Arbeit, aber wir haben die Zeit nicht dazu. Es ist nämlich ein großer Zeitklau, das zusammen aufzunehmen. Und deswegen finde ich auch die Arbeit der RegisseurInnen so krass, weil die müssen ja am Ende garantieren, dass es zusammenpasst. Und dass es gut klingt und wie ein Dialog klingt. Obwohl wir nicht miteinander sprechen.
Martin Geißler: Die sind auch verantwortlich dafür am Ende des Tages, oder? Ja. Und wenn das nicht funktioniert, dann kriegen die auf den Deckel.
Magdalena Montasser: Würde ich mal so sagen, ja. Also klar, ich bin als Sprecherin auch schuld, wenn ich mir die Anschlüsse nicht durchlese und nicht lese, was sagt denn mein Gegenüber zu mir. Und es gibt auch Kolleginnen, die gehen rein ins Studio und ballern die Takes runter und interessieren sich überhaupt nicht für den Inhalt. Und ich bin schon sehr gewissenhaft und gucke schon sehr so Warum sag ich das? Also, kann ich auch Ich würde das so nicht sagen. Kann ich was anderes sagen? So eine Sache, ich bin da sehr, vielleicht fast zu nervig, immer mal wieder, zu gewissenhaft. Aber es ist auch wichtig und so finde ich, kommt dann halt auch Qualität, wenn man wirklich voll dabei ist. Aber was wir zusammen aufnehmen, sind Hörspiele. Hörspiele nehm ich zusammen auch häufig.
Magdalena Montasser: Und das ist eine ganz andere Arbeit noch mal und wirklich toll. Es ist schon was anderes, wenn du einen richtigen Spielpartner hast. Manchmal beim Synchronen spricht dir die Regie aber auch rein, wie der Kollege die Kollegin das gemacht hat. Und man kann auch manchmal so einen Knopf drücken, den Anschlussknopf und dann behält man es.
Martin Geißler: Machen wir mal einen Switch ins Marketing oder in die Werbung. Also weil wir hier bei Here We Go, wir merken schon, dass die Nachfrage an wirklich hochwertiger oder an hochwertigen Audio-Content schon steigt. Jetzt auch in Zeiten von KI. Also ich finde da trennt sich schon oder es gibt so ein Gap, wo die einen sagen, okay, wir brauchen da Masse und wir hauen einfach raus und es ist emotionslos weg damit. Und Hauptsache ist es irgendwie unter die Leute gebracht Und die anderen schauen schon, dass es dann was Hochwertiges, Exklusives, was Heraustragendes ist. Was aus deiner Sicht macht denn eine gute Audio-Werbekampagne aus?
Magdalena Montasser: Also ich finde, es fällt und steht vieles durch eine tolle Soundkulisse, durch tolle Musik, durch eine gute Auflösung auch. Also, wenn ich das zum Beispiel, wenn ich Podcasts höre und höre, ein richtig Big Player steht dahinter, sagen wir jetzt mal Spotify oder ProSieben zum Beispiel. Deren Podcasts hör ich viel. Das hört man. Man hört den Unterschied enorm. Man hört, ähm Hat sich da jemand Gedanken gemacht, ob das Jingle zum Beispiel passt zum Inhalt? Man hört, sind das gute Mikrofone, die sie da haben? Man hört, ist auch eine Idee dahinter. So ein Soundbranding braucht auch wirklich eine gute Idee. Ähm, finde ich.
Magdalena Montasser: Und da hört man den Unterschied schon krass, wenn es ein Laie macht oder jemand, der das beruflich macht. Deswegen würde ich sagen, das ist das beste Investment, was man machen kann, wenn man ein Produkt hat, was eine Audiospur auch unter anderem hat, dass man da wirklich in ein gutes Branding investiert. Ich find das superwichtig. Ich find's auch enorm Ich war so überrascht von diesen Rewe-Werbungen, die wir zusammen gemacht haben. Wie professionell das Also, ihr seid ja professionell, aber wie absurd das Es war total absurd für mich, mich in so 1 professionellen Werbung zu hören. Ähm, die Einfachheit Also, das macht für mich halt gute Werbung aus, dass man geflasht ist, beziehungsweise für mich als Sprecherin, dass ich geflasht bin, wenn ich mich selber höre in eurem Jingle. Das ist halt so dann habt ihr was richtig gemacht. Dann ist es so, wow.
Magdalena Montasser: Diese, diese, ähm Ich hab zum Beispiel auch eure neue Ab in den Urlaub, äh, quasi euer neues Jingle dafür gehört und dachte so, ja, Das ist mega innovativ, das ist richtig toll und so frisch und neu. Und ich glaube, Sounddesign muss halt immer am Zahn der Zeit sein.
Martin Geißler: Ja, es entwickelt sich immer weiter. Ja, also auch Hörgewohnheiten ändern sich dann.
Magdalena Montasser: Genau, es ist richtig. Es ist ein sehr großes popkulturelles Phänomen, finde ich, Sounddesign.
Martin Geißler: Ja, also bei Ab in den Urlaub war es ja so, dass es vorher ein Chor gesungen hatte. Ich glaube, weil die Idee war, es einfach groß klingen zu lassen. Aber es war auch sehr aggressiv, Ja, also es war sehr spitz auch vom Sound her. Und da ist es einfach drum gegangen, das Ganze moderner zu machen. Und wir haben dann 2, 3 raffinierte Kniffe angewandt, die ich jetzt natürlich nicht verrate, was wir da genau gemacht haben. Aber wir sind da schon mit 1 sehr durchdachten Strategie an diesen Sound rangegangen und haben ihn dementsprechend auch, finde ich, sehr erfolgreich umgesetzt und auch dann in der Werbung mit implementiert.
Magdalena Montasser: Ja, ich finde auch, es muss halt dieses gewisse Etwas auch haben, weil gerade bei solchen Jingles, die man schon kennt oder auch bei das jetzt ja so neues Phänomen, dass diese ganzen, zum Beispiel Jetzt diese Woche ist eine neue BB-Blockspack-Folge rausgekommen, wo der Song neu gemacht wurde. Und man hat ja Hörgewohnheiten. Und man muss, also es muss schon, wie gesagt, dieses gewisse Etwas haben, wenn man etwas neu macht, dass es trotzdem funktioniert. Und das fand ich nämlich bei eurer Abendin-Urlaub-Werbung, mit der ich ja auch, also mit dem alten Jingle bin ich ja aufgewachsen. Und es hat für mich so gut funktioniert. Und es hatte halt dadurch dieses gewisse Etwas. Und ich dachte so, ja, das macht für mich gutes Soundbranding aus. Dass es einen nicht stört, wenn man einen Klassiker quasi verändert.
Martin Geißler: Ja, wir mussten vielleicht eine kleine Hintergrundgeschichte, weil wir stellen ja dann auch mehrere Dinge vor. Das werde ich nicht vergessen, da hat dann der Geschäftsführer gesagt, naja, das hat jetzt nichts mehr mit Evolution zu tun, das ist eher eine Revolution, weil wir, es ist ja ein Abfall von ab in den Urlaub, es geht ja hinten runter Und wir hatten dann den letzten Ton hochgesetzt. Ab in den, ähm, ich kann nicht gut singen. Ab in den Urlaub. Ja, das bringt auf einmal eine ganz andere Frische rein. Wo wir gesagt haben, hey, wir auch, also wir haben es dann auch vorgestellt. Aber dann gesagt, nee, nee, das war Ihnen dann zu heiß. Das war ihnen dann zu weit weg vom Original.
Magdalena Montasser: Ja, megacool. Habt ihr super gemacht.
Martin Geißler: Dankeschön, danke für die Blumen. Ja, jetzt auch bei der Rewe-Kampagne, wo wir dich mit implementiert haben, da ist ja auch ein extra Musikbrand dafür komponiert worden, bei uns das Soundlogo ist extra entwickelt worden. Also es ist jetzt auch nichts, was du auf irgendeiner Plattform findest, sondern es ist wirklich was absolut eigenständiges, weil auch da uns eine gewisse Aufgabe mit an die Hand gegeben worden ist und die kriegst du halt jetzt auch nicht über eine KI gelöst. Ja und vor allem will man es ja eventuell ein bisschen weiterentwickeln, auf andere Audio-Touchpoints dann noch weiter ausfahren und so weiter und ich glaube da ist es besser, auch wenn man auf jede einzelne Spur noch Zugriff hat. Ich weiß, es geht mittlerweile bei Zuno, da entwickelt sich das auch immer weiter, dass man die Stamps runterladen kann und so weiter. Wir beobachten das auch, sind da immer mit am Start und immer am Zahlen der Zeit. Aber wir bieten halt nicht diese One-Click-Lösung an, sondern setzen uns wirklich hin und machen uns den Kopf dazu.
Magdalena Montasser: Ihr nehmt euch Zeit und das hört man.
Martin Geißler: Danke.
Magdalena Montasser: Nee, wirklich. Wie gesagt, ich war wirklich völlig verzaubert. Auch mit diesem Piepen, dieses Kassenpiepen, fand ich ganz toll.
Martin Geißler: Ja, ich war mir am Anfang gar nicht sicher, ob die Idee nicht zu plump ist, weil sie so nah an der Sache dran ist. Aber die Herausforderung ist dann immer sowas einfach geil umzusetzen, sodass es dann einfach in den Kopf reingeht, Emotionen wirkt und du sagst, ja, So ist es, so stelle ich es mir vor, so nehme ich es mit nach Hause. Punkt.
Magdalena Montasser: So dass man halt direkt, ich habe das meiner Mutter vorgespielt und sie meinte so, ich würde sofort in den nächsten Rewe gehen und all das kaufen, was du mir da gesagt hast. Und ich glaube, wenn es diese Wirkung hat, dann ist es genau richtig.
Martin Geißler: Yes, auf jeden Fall. Jetzt ist es ja so, jede Marke möchte ja am liebsten ihren eigenen Klang haben. Was ist denn dir wichtig, wenn du jetzt deine Stimme in eine Marke verleihst? Musst du dich da auch mit den Produkten, jetzt ist es halt ein geiler, wirklich geiles Match bei Rewe Dortmund, aber musst du dich damit wirklich identifizieren können oder es gibt ja sicher auch Marken, wo du sagst, auf gar keinen Fall, ne?
Magdalena Montasser: Darüber habe ich mich gestern erst unterhalten. Ich würde schon sagen, ich bin nicht so käuflich. Also es ist immer schwierig, wenn man ein eigenes Gut anbietet und das verkauft. Also, ist ja wie modeln quasi, nur meine Stimme quasi modelt. Und deswegen, ich glaube schon, dass ich jedes Mal drüber nachdenke, mach ich den Job oder mach ich den Job nicht bei Werbung? Ich hatte noch nie eine Anfrage, die ich nicht gemacht habe, weil ich mich mit allem irgendwie identifizieren konnte, was ich bisher gemacht habe. Aber ich würde es mir mal offenhalten, auch zu sagen, passt überhaupt nicht zu mir, kann ich mir nicht vorstellen. Oder ich hab ja auch am Anfang, wir hatten ja am Anfang so ein paar Telefonate noch, das so generell zu planen, diese Kampagne quasi. Und ich hab dich ja auch gefragt, spannend, wie stellst du dir das vor, dass das funktioniert mit meiner jungen Stimme? Das ist ja auch ein Punkt.
Magdalena Montasser: Ich klinge einfach für vieles zu jung. Oder ich hab nicht diese rauhe, spannende Stimme. Manche Sachen kann ich gar nicht sprechen. Ich hat einen Freund gestern gefragt, würdest du denn eigentlich auch eine Tabakwerbung sprechen? Weil ich rauche nicht. Fand ich eine super spannende Frage, auf die ich noch keine Antwort hatte. Ich war nur erstmal so, mich würde man nicht fragen zu 1 Tabak-Werbung. Weil es klingt nicht so. Es würde nicht so matchen wahrscheinlich.
Magdalena Montasser: Aber wer weiß. Das wirst du jetzt besser
Martin Geißler: wissen. Nimm die Zigarette. Nimm. Nimm. Ja, doch, doch. Oder ich schau. Wenn dir im Leben alles egal ist.
Magdalena Montasser: Soll ich das mal?
Martin Geißler: Ja, mach mal. Wenn dir
Magdalena Montasser: im Leben alles egal ist, du nicht mehr weiterweißt, nimm die Zigarette. Irgendwie so.
Martin Geißler: Das ist sensationell gut.
Magdalena Montasser: Würde wahrscheinlich schon funktionieren. Ja, ich weiß gar nicht, ob ich darauf so eine Antwort habe. Ich meine, am Ende biete ich das an, was ich anbieten kann. Und es ist ja wichtig, dass es dem Kunden gefällt sozusagen. Deswegen würde ich gar nicht sagen, dass ich so viel Recht habe, zu sagen, was ist mir wichtig daran.
Martin Geißler: Drehen wir doch mal einfach den ganzen Prozess an dieser Stelle Was ist dir denn wichtig in einem Casting-Prozess? Wenn jetzt so Agenturen oder wenn Leute auf dich zukommen oder wie wir auf dich zugekommen sind, was ist dir da wichtig, wenn da jemand sagt, okay, wir hätten da Projekt XYZ, hättest du da Lust, nicht mit dabei zu sein?
Magdalena Montasser: Also, für mich ist das Wichtigste erstmal, es fängt bei der Kommunikation darüber an. Wie transparent ist der, also ist die Agentur, die dazwischen steht, wie ehrlich fühlt sich das an, wie ist die Kommunikation, wie ist die Zeitplanung, Ist es okay, dass ich spontan bin? Und solche Sachen halt. Natürlich, also dieses so basic verstehen wir uns gut. Ich hab natürlich auch schon mit Agenturen gearbeitet, wo ich so dachte, ich kann mich überhaupt nicht leiden. Und das hat man dann leider auch in der Arbeit gemerkt und in der Verhandlung, man hat sich nicht auf Augenhöhe gefühlt. Das ist so der erste Schritt. Und dann war ich Dazu gibt's eigentlich auch eine schöne Geschichte. Ich war noch so 3 Tage, bevor ich deine erste E-Mail bekommen habe, war ich mit 1 Freundin in einem Laden, in einem Shoppingladen.
Magdalena Montasser: Und darf ich den Laden sagen?
Martin Geißler: Hau raus, hier ist nix verkauft.
Magdalena Montasser: TK Maxx. Ich war bei TK Maxx. Und die Stimme von TK Maxx ist Santiago Cisma. Spongebob. Und die Freundin und ich standen da so und waren so, boah, das wär schon irgendwie absurd, wenn meine Stimme irgendwann mal in nem Supermarkt wäre oder in so nem Laden wäre. Das gibt's nicht. Aber, genau, wir haben so, ja, wirklich, es war wirklich so. Es war wirklich 2 Tage oder so davor.
Magdalena Montasser: Ähm, genau, Und ich sprech so mit ihr darüber und bin so, boah, aber meine Stimme hat nicht dieses, dieses, das was Santiago halt hat. Also dieses, ich will nicht sagen, das gewisse Etwas, weil meine Stimme ist toll.
Martin Geißler: Das ist lustig, weil da hatte ich es ja schon im Kopf. Ja. Da hatte ich ja die Idee schon im Kopf.
Magdalena Montasser: Ich hab es dir quasi eingeplatzt, ohne dass wir uns kannten, weil wir kannten uns vorher ja gar nicht. Wir haben uns darüber ja kennengelernt.
Martin Geißler: Ja, ich glaub.
Magdalena Montasser: Naja, auf jeden Fall war ich der Meinung, dass gewisse etwas mir fehlt, oder dieser Wiedererkennungscharakter. Aber vielleicht ist da auch mein... Also Ich hab ein tolles Selbstbewusstsein, würde ich sagen. Generell, ich gehe sehr selbstbewusst durchs Leben. Stimmlich weiß man ja, bin ich die Stimme der breiten Masse? Kann ich einfach viele Rollen sprechen oder bin ich Spongebob? Ich liebe Santiago total. Also gar nicht jetzt, dass ich das wertend habe, sondern es ist so, entweder du hast halt das eine oder du hast halt das andere. So diese Stimme, die man immer überall erkennt oder die Stimme, die halt überall reinpasst. Und deswegen dachte ich, boah, ich wäre nicht genug Stimme, ich hab nicht genug Stimme quasi, einem Laden meine Stimme zu verleihen.
Magdalena Montasser: Naja, und dann 2 Tage später war deine E-Mail da. Und ich war so, das kann nicht sein. Das kann nicht sein. Das kann einfach nicht sein. Und da finde ich es so krass, ich denke ja irgendwie jetzt nach 10 Jahren, ich habe schon einmal alles gemacht, aber ich habe noch nie einmal, also ich habe nicht, ich habe nicht alles gemacht. Das merke ich dann jedes Mal. Bei jeder Anfrage bin ich so, ach so, eine Telefonschleife habe ich noch nie gemacht. Ja, okay, machen wir.
Magdalena Montasser: Geil, Ist was ganz Neues. Ja, und das ist irgendwie, dadurch ist der Beruf der Sprecherin, des Sprechers echt besonders und aufregend und toll, weil man so viele verschiedene Sachen macht. Ja, schöner Schwenk war das jetzt, Aber eigentlich solltet ihr ja sagen, woran ich das festmache, ob ich ein Projekt mache oder nicht.
Martin Geißler: Wir hatten ja jetzt den Punkt schon mit Wertschätzung. Also Kommunikation, ja.
Magdalena Montasser: Genau, Wertschätzung. Fühl ich mich auf Augenhöhe mit der Person, die mit mir verhandelt oder mit mir darüber spricht. Und kann sie mir auch plausibel erklären, warum ich die Person bin, die das machen soll? Ja, na ja, und dann Wie gesagt, bei Rewe hat's jetzt wirklich wie Arsch auf Eimer gepasst, weil ich so dachte, geil, Rewe ist mein Lieblingssupermarkt. Es ist wirklich so, das würde ich jetzt auch nicht nur so sagen, sondern es ist wirklich so. Ja, und keine Ahnung, ich glaube, es ist mir einfach noch nicht untergekommen, dass ich etwas nicht machen wollte. Ich habe bisher das Glück gehabt, bei tollen Firmen für tolle Firmen sprechen zu dürfen.
Martin Geißler: Magdalena, wenn wir uns in einem Jahr hier wieder zusammenschalten, was ist bis dahin bei dir passiert?
Magdalena Montasser: Also es sind tolle Rollen bis dahin rausgekommen. Unter anderem eine ganz tolle Hörspielrolle, die mein Kindheitstraum ist.
Martin Geißler: Da darfst du noch nichts sagen zu?
Magdalena Montasser: Da darf ich noch nichts zu sagen. Ja, und einen, eventuell habe ich auch einen tollen Pixar-Film in der Pipeline. Das ist auch schön. Das auf jeden Fall sollte bis nächstes Jahr auch da sein. Mhm. Ähm Ja, aber das ist eine gute Frage. Ich bin eher an einem Punkt, wo ich jetzt mal überlegen muss, wohin soll's jetzt für mich gehen, Wie geht's jetzt weiter beruflich? Es kommen immer tolle Sachen. Also es wird viel gesprochen haben in diesem Jahr.
Magdalena Montasser: Vielleicht persönlich hoffe ich, dass ich mir Zeit für eine Reise nehme. Das wäre ganz schön.
Martin Geißler: Wohin? Wo hast du Bock drauf?
Magdalena Montasser: Gute Frage. Also ich war letztes Jahr eine Freundin in Sydney besuchen. Das war schon ein Traum. Und meine Partnerin, also die beste Freundin meiner Mutter, die lebt in Neuseeland. Und die würde ich sehr gerne besuchen. Das wäre richtig toll. Oder ich bin ja zur Hälfte ägyptisch. Ich habe hier meine Tasse, made in Cairo.
Magdalena Montasser: Ägypten zieht mich auch immer sehr. Und was sonst so passiert? Mal gucken. Das ist ja das Aufregende im Sprecherjob, dass man so wirklich, man kann, also ich weiß nicht, was ich morgen mache. Gut, morgen ist Samstag, morgen weiß ich, was ich mache. Aber ich weiß nicht, was ich am Montag, Am Montag weiß ich auch noch, was ich mache. Aber ich weiß nicht, was ich übermorgen mache.
Martin Geißler: Für alle, die sich jetzt am Montagmorgen fragen, wir haben diesen Podcast am Freitagabend aufgenommen.
Magdalena Montasser: Ja, sorry für diese Transparenz.
Martin Geißler: Alles gut. Ja geil, Magdalena, vielen Dank für deine ganzen Insights. Ich fand's mega interessant, mega spannend und freue mich, wenn wir uns hier mal wiedersehen.
Magdalena Montasser: Ja, sehr gerne, vielleicht in einem Jahr. Und dann kann ich berichten, was passiert ist.
Martin Geißler: Super, genau so machen wir es. In diesem Sinne, dir eine erfolgreiche Zeit.
Magdalena Montasser: Danke, gleichfalls.
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