#17 Wenn das Licht ausgeht: Wie Adrian Kehr aus einer Krise sein großes Glück mit Rhön Harmonika fand
Shownotes
Was passiert, wenn man nach der Arbeit nach Hause kommt und plötzlich das Licht nicht mehr angeht? Für Adrian Kehr war genau dieser Moment, ein vom Stromversorger abgestellter Zähler, der radikale Weckruf seines Lebens. In dieser zutiefst ehrlichen Folge von „hearwego a gain“ erzählt Adrian, wie er aus der existenziellen Krise heraus ein beeindruckendes Ökosystem um die steirische Harmonika erschaffen hat.
Adrian gewährt uns Einblicke in eine Welt, die viele als „angestaubt“ abtun würden, die er aber mit Rhön Harmonika erfolgreich digitalisiert und revolutioniert hat. Vom Aufbau des mittlerweile größten Harmonika-Festivals Europas über eine eigene Lern-App bis hin zum Vertrieb von High-End-Instrumenten für fast 10.000 Euro, seine Reise ist ein Lehrstück in Sachen Resilienz und Fokus.
Eine Episode für jeden, der gerade selbst vor einer Wand steht oder wissen will, wie man mit purer Leidenschaft und ohne Plan B eine Nische besetzt. Eine Business-Story voller Mut, Musik und dem unbedingten Willen, das eigene Glück selbst in die Hand zu nehmen.
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⭐️ Bulletpoints:
- Intro: Wenn das Licht ausgeht
- Adrians persönlicher Tiefpunkt: Der Moment beim Stromzähler
- Warum die steirische Harmonika? Die Suche nach Erfüllung
- Business im Nebenerwerb: Aufbau eines Imperiums neben dem 40h-Job
- Das Rhön Harmonika Festival: Vom Traum zum größten Event Europas
- Digitalisierung der Tradition: App, Online-Kurse & E-Commerce
- 9.999 € für ein Online-Kurs: Qualität und Wertschätzung in der Nische
- Die Kraft der Musik: Emotionale Momente, die man nicht kaufen kann
- Resilienz & Krisenmanagement: Wie man heute ein Unternehmen führt
- Plan A: Warum es keine Alternative zum Erfolg gibt
- Vision 2026: Glück, Familie und die Zukunft der Harmonika
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🔎 Adrian Kehr:
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Podcast: Podcast - Adrian Kehr und die steirische Harmonika
Instagram Adrian Kehr: Instagram Adrian Kehr
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Adrian Kehr: Das war eine ziemlich krasse Lebenserfahrung gewesen. Da hat leider mein Gehalt, was ich da verdient habe, nicht zu der Situation gepasst, wie ich gelebt habe. Irgendwann kam ich von der Arbeit nach Hause, dann ging kein Licht mehr an bei mir im Zimmer und der Kühlschrank war aus, weil die städtischen Werke der Stromversorgung meine Sicherung rausgedreht haben, weil die Rechnungen auch nicht bezahlt waren. Dann habe ich das Rhönharmonika-Fest, das Marke Nummer 2, ins Leben gerufen. Mittlerweile das größte Harmonika-Festival in ganz Europa. Du hast ja schon gesagt, das Spiel ist keine Note, Name, die Feschbängler, die Draufgänger, also sind alles Szenengrößen.
Martin Geißler: Was machst du, wenn jetzt 5 Leute kommen und das für 9.999 € im Jahr buchen?
Adrian Kehr: Dann bestelle ich bei Martin Geißler neue Soundfiles.
Martin Geißler: Das Budget musst du mindestens brauchen. Wenn es um das Thema steirische Harmonika geht, dann kommt man an Adrian Kehr nicht drumrum. Er hat so schön wie er selber sagt, ein richtiges Ökosystem um die steirische Harmonika drumherum gebaut. Freut euch also auf richtig geile Insights und auf ein Musikinstrument, das vielleicht gar nicht so angestaubt ist, wie man eigentlich im ersten Moment denkt. So, lasst uns losstarten mit einer neuen Episode von Here We Go Again. Wenn wir jetzt mal ganz ehrlich sind und du von noch mal vor die Wahl gestellt werden würdest, wenn du noch mal alles von neu beginnst, würdest du dich dann wieder für die Quetschen, für die Harmonika entscheiden oder dann vielleicht doch für eine coole E-Gitarrennummer?
Adrian Kehr: Das ist eine schwere Frage. Ich würde mich wieder für die Harmonika entscheiden, weil mir die Musikart taugt. Das ist halt so mein Ding und ich weiß, dass man dann sehr, sehr viele Leute mit glücklich machen kann. Aber das ist jetzt nachher auch egal, ob ich jetzt steirische Harmonika spiele oder E-Gitarre oder auf dem Kamm blase. Mit Musik kann man ganz viel Positives in der Welt erzeugen und das ist nachher egal, ob die Zuhörer lange Haare tragen oder gar keine Haare mehr tragen. Das ist das Schöne an der Musik. Cool.
Martin Geißler: Ja, dann hol uns doch mal ab. Wie war denn der Weg dahin? Oder wann war denn der Zeitpunkt, als du zum allerersten Mal so eine Harmonika in der Hand gehabt hast?
Adrian Kehr: Ja, mit 6 Jahren. Damals Akkordeon. Das ist ein Unterschied. Da müsstest du vielleicht noch erklären, wo ist der Unterschied zwischen Akkordeon und Harmonika? Tasteninstrument wie ein Klavier und chromatisch aufgebaut. Das heißt, man hat immer die gleichen Töne, ob man zieht oder drückt, das ist egal. Eine steirische Harmonika hat Knöpfe und keine Tasten und ist ein diatonisches Instrument wie eine Mundharmonika. Wenn ich ziehe und drücke am Balg, kommen verschiedene Töne raus. Also klingt auf den ersten Moment ein bisschen komplizierter, ist es aber eigentlich auch gar nicht.
Adrian Kehr: Und ich habe angefangen, mit 6 Jahren Akkordeon zu lernen. Bei mir wurde recht früh eine rheumatische Erkrankung festgestellt und ich wollte immer Fußball spielen. Das durfte ich dann im jungen Alter nicht. Und dann haben meine Eltern gesagt: Adrian Hopp, du gehst jetzt auf die Musikschule. Und dann haben wir klassisch erst mal irgendwie so ein Jahr lang in so eine Melodika reingepustet und Tasten gedrückt. Und dann haben wir ein Akkordeon bekommen. Da war ich dann 7 und habe eine klassische Akkordeonausbildung gehabt, habe im Orchester gespielt, meistens der, der vorne in der Mitte saß, wo das Mikrofon da vorgestellt wurde. Auch große Konzerte gespielt in Europa, auch in großen Konzertsälen da gespielt.
Adrian Kehr: Das war aber ein Stück weit nachher nicht so meine Musikrichtung und mein Stil, den ich einschlagen wollte. Es war sehr viel Klassik und auch Jazz und auch mal moderne Nummern. Backstreet Boys und so was hat man dann auch mal auf Makrolion interpretiert. Aber ich bin eher so der Stimmungsmensch gewesen mit Lederhose. Das fand ich immer toll. Und die steirische Harmonika hat mich immer interessiert und deswegen ist es dann nachher auch nicht beim Makrolion geblieben, sondern es ging dann zur steirischen Harmonika.
Martin Geißler: Genau. So, und ich glaube, jetzt hört schon jeder raus, der Mann, der hat richtig Ahnung, wenn es um das Thema geht. Der lebt es. Also wie war denn das während der Schulzeit? Also wie viel Zeit hast du da reingepackt in dieses ganze Thema neben der Schule?
Adrian Kehr: Ich muss noch mal zurückspulen. Meine Eltern sind mit mir immer nach Bansin in Urlaub gefahren. Wer das vielleicht kennt, Bansin ist ein kleines Dörfchen auf Usedom. Wir waren immer an der Ostsee und immer die gleiche Ferienwohnung, der gleiche Strand, der gleiche Strandkorb. Alles bleibt gleich. Never change a running system.
Martin Geißler: Bloß keine Veränderung.
Adrian Kehr: Bloß keine Veränderung. Es gab immer das gleiche Essen am Strand und die Bockwurst und so weiter. Und dann irgendwann, der Adrian konnte schon recht gut Akkordeon spielen und dann hieß es, du nimmst jetzt das Akkordeon auch mal mit in den Urlaub. Wir waren 3 Kinder, hatten einen Ford Escort Kombi, da passt nicht viel rein, wenn man da 2 Wochen in Urlaub fährt. Und wenn dann Akkordeon noch dazu kommt, überlegt man sich schon, nehme ich es mit oder nicht? Haben wir dann gemacht. Und meine Aufgabe war abends an dieser Strandpromenade mich hinzusetzen. Mit einer Lederhose und einem Hemd den Koffer aufzuklappen und da ein bisschen zu spielen. Und da habe ich dann das erste Mal eine Stunde gespielt, halt so Klassiker, 5 Lieder, die ich gut kann, und immer wiederholt.
Adrian Kehr: Es laufen ja ständig neue Leute vorbei, das merken die auch gar nicht, dass ich immer das Gleiche spiele. Und hatte nach einer Stunde so ungefähr, kannst du das mal in D-Mark zeigen, 100 Mark in dem Koffer. Und da hat es Klick gemacht. Da kam der wirtschaftliche Adrian hervor, der dann gesagt hat: Ey krass, guck mal, was du da verdienen kannst damit. Und dann aufgebrochen Geburtstagsfeiern gespielt und so. Und das war aber nie so, dass ich gesagt habe, ich bin jetzt in der Schule, ich war auf der Realschule und muss dann irgendwie jeden Tag eine halbe Stunde üben oder so, sondern ich habe das einfach gemacht, weil es mir Bock gemacht hat. Ich habe mich also einfach daheim mal 2 Stunden mit dem Instrument hingesetzt, weil ich Spaß hatte und hatte Sachen darauf zu spielen und weil ich wusste, wenn am Wochenende wieder irgendeine Tante Geburtstag hat und du nimmst das mit, dann kannst du auch wieder ein bisschen Geld verdienen damit. So war eher so der Zugang.
Adrian Kehr: Also regelmäßiges Üben war jetzt Nicht so mein Ding, muss ich sagen. Aber ich habe mich immer weiterentwickelt auf dem Instrument.
Martin Geißler: Bist du da eigentlich ein Zahlen-Daten-Fakten-Mensch?
Adrian Kehr: Mittlerweile ja. Also heute.
Martin Geißler: Ja, weil es klang jetzt so, als du gesagt hast, ja okay, dann kam da der Zahlen-Adrian durch.
Adrian Kehr: Ja, also wenn du 10, 11, 12 Jahre alt bist und hast auf einmal nach einer Woche, habe ich nicht jeden Tag gemacht, weil irgendwann sagen die der schon wieder. Aber hast dann dir in dem Urlaub 400-500 Mark verdient, das ist schon cool. Also das, so wie lange muss jemand, damals war so üblich, da hat man Zeitungen ausgetragen oder so was als Jugendlicher, um sich ein Geld zuzuverdienen. Oder manche haben auch gesagt, sie tragen sie aus und haben sie weggeworfen. Kenne ich auch Leute, die das gemacht haben. Also die waren da nicht so ehrlich, aber andere Geschichte. Aber dann merkst du schon, dass du damit dir auch Wünsche finanzieren kannst. Du kannst dir Sachen kaufen, die andere vielleicht noch nicht haben.
Adrian Kehr: Und dann ist dann natürlich auch so ein bisschen eine Begehrlichkeit da, da auch mehr zu machen. Cool.
Martin Geißler: Wie hat es damals das Umfeld aufgenommen? Also Mitschüler und so weiter, dass du da am Start warst?
Adrian Kehr: Öde. Das ist der mit dem Akkordeon, der ist voll uncool. Der spielt den Schneewalzer und so Sachen. Das war so. Später war es dann so, wo man 16, 17 war. Wir haben dann auch zusammen gefeiert oder da gab es Kirchweih im Ort. Dann kam das Akkordeon raus und dann hat man gespielt und Stimmung gemacht zusammen. Dann war das wieder cool.
Adrian Kehr: Das war aber dann später eine Zeit, wo ich es nicht mehr cool fand, weil die Mädels in dem Alter auf alles Mögliche gestanden haben, bloß nicht auf einen Akkordeonspieler in der Lederhose, der einen Schneeweißer spielt.
Martin Geißler: Es ist schon lustig, weil ich wollte gerade fragen, weil es gibt ja so das Klischee, dass das Akustik-Gitarren-Boys am Lagerfeuer dann mit Konnte man jetzt nicht so punkten, oder?
Adrian Kehr: Gar nicht. Also ich habe mir dann über einen Freund aus Köln, also befreundete Leute von meinen Eltern, zwei Boxen gekauft gehabt von meinem Ersparten mit einer Endstufe und einem Mischpult. Und das war dann so ein kleiner Breakout von mir, wo ich gesagt habe, ja, Akkordeon bleibt jetzt in der Ecke stehen, ich mache jetzt einen auf DJ. Früher haben wir dann aufgelegt mit einem Discman. Das wird jetzt vielleicht ein Zuhörer gar nicht mehr kennen. Also die CDs in einen Discman gesteckt, dann so ein kleines Kabel drangesteckt. Und da musste einer immer diesen Discman halten und ja nicht tanzen dabei, weil sonst hat das DualShock-System höchstens 5 Sekunden ausgehalten, dann hat das Lied gehangen. Das kann sich ja keiner mehr vorstellen heute.
Adrian Kehr: Und dann habe ich so eine Zeit lang, da bin ich dann aus dem DJing gekommen in der Zeit und wollte halt was machen, was die Mädels cool finden. Das Akkordeonspiel war es nämlich nicht.
Martin Geißler: Wegen den Mädels.
Adrian Kehr: Okay, alles klar.
Martin Geißler: Ja, auch. Ja, und dann nach der Schule, hast du dann irgendeine Lehre gemacht?
Adrian Kehr: Ja, ich habe ganz klassisch eine Berufsausbildung gemacht als Speditionskaufmann in der Spedition. Habe da im dritten Lehrjahr immer noch den Mülleimer geleert und die Halle gefegt und die Rechnungen eingetütet. Also es war eine recht langweilige Lehre, muss ich sagen. Der Adrian damals mit 18, 19 hat das so antizipiert, dass man Das wahrscheinlich überall so macht in der Spedition. Das sind so die Hauptaufgaben. Und ich habe nach der Lehre gesagt, das will ich auf keinen Fall wieder machen. Und Arbeiten finde ich generell irgendwie auch nicht so cool. Ist irgendwie voll anstrengend, wenn man den ganzen Tag irgendwas machen muss, was andere wollen.
Adrian Kehr: Das hat mir gar nicht gefallen und habe dann auch gesagt, ich mache jetzt erst mal lieber gar nichts mehr nach der Lehre. Also ich war damals auch ein fauler Hund, das kann man so ehrlich sagen, und habe mich dann finanziell ein bisschen mit der Musikspielerei über Wasser gehalten nach der Lehre. Ich habe dann halt als DJ irgendwo aufgelegt, habe auch wieder mit meinem Akkordeon irgendwo rumgespielt und habe bei meiner Mutter im Rewe das Flaschenband geleert und die Leuchtstoffröhren gewechselt. Also das habe ich auch mal gemacht. Also da war von so einem Business wie heute überhaupt niemals dran zu denken. Aber es war einfach eine andere Zeit.
Martin Geißler: Das Lustige war, ich wollte gerade fragen, Machst du heute immer noch das, was andere von dir wollen?
Adrian Kehr: Ja, ja, ich habe eingesehen, dass es also die perfekte Welt mit: Ich mache nur das, was mir gefällt. Man geht immer Kompromisse ein Stück weit ein und ist sicherlich auch in anderen Positionen immer ein Stück weit fremdbestimmt. Das lässt sich gar nicht vermeiden. Es sei denn, man hat so ein Geschäftsmodell, dass das so viel Geld abwirft, dass ich den ganzen Tag im rosa Bademantel rumlaufen kann.
Martin Geißler: Aber wenn dir da was einfällt, melde dich doch mal gerne bei mir. Mache ich.
Adrian Kehr: Also ich denke immer so Bratwurstbuden nach. Ich habe das mal hochgerechnet, wie viel man mit so einer Bratwurstbude verdienen kann mit relativ wenig Aufwand. Also ich sage dir Bescheid.
Martin Geißler: Sehr gut. Jetzt sind wir nach der Lehre und da hast du gesagt, das hast du dann erst mal liegen lassen und hast dich als Musiker weiter Durchgekämpft würde ich jetzt, ja, du hast das auch genossen, wenn ich so ein bisschen raushöre, wenn du sagst, du warst so ein bisschen ein fauler Hund. Aber irgendwann kam, glaube ich, dann bei dir der Shift, wo du gesagt hast, jetzt greife ich richtig an. Oder hat sich das entwickelt?
Adrian Kehr: Das war eine ziemlich krasse Lebenserfahrung gewesen, auf die ich jetzt auch nicht stolz bin, aber die zu meinem Leben einfach auch dazugehört. Und ich sage es auch mal, ich habe auch selbst schon einen Podcast darüber mal aufgenommen gehabt. Der kam sehr gut an, weil er halt einfach ehrlich war. Ich habe mich dann finanziell über Wasser gehalten mit Musikspielerei, habe mir Schallplatten gekauft, habe dann richtig in Clubs aufgelegt. Meistens House-Musik. Hip-Hop, R&B war nie so mein Ding. Also ich habe gerne irgendwie coole House-Scheiben aufgelegt, war dann so in den Clubs unterwegs und so ein bisschen mein Geld verdient. Und irgendwann rief mich eine Mutter eines ehemaligen Schulfreunds an und sagte: Hey Adrian, ich bin ja hier in so einer Spedition, also in so einem Logistiknetzwerk.
Adrian Kehr: Wir sitzen hier in der Nähe von da, wo du wohnst. Wir suchen einen Disponenten. Hast du Bock? Du hast das doch gelernt. Und dann habe ich gesagt: Ja, habe ich schon gelernt, aber also Lust habe ich eigentlich keine. Will ich eigentlich nicht. Ja, und dann hat meine Mutter mich in den Arsch getreten, hat gesagt: Hey, geh da mal hin. So, und dann bin ich hingegangen. Die haben für die Nachtschichten Disponenten gesucht und dann habe ich das gemacht.
Adrian Kehr: Und dieses Logistikunternehmen ist nach einem halben Jahr, wo ich da gearbeitet habe, von der Region, wo ich damals gewohnt habe, es war in Thüringen in der Nähe von Eisenach, ist das Logistikunternehmen expandiert. Die brauchten eine größere Halle, die brauchten einen anderen Umschlagsplatz. Und dann sind die nach Eichenzell gegangen. Das ist in Osthessen, in der Rhön sozusagen. Dann sind die da hingegangen und das war für mich so der Moment: Ey, cool, das kannst du jetzt nutzen und kannst ausziehen zu Hause. Kommst weg, arbeitest dann dort vor Ort und so weiter. Da hat leider mein Gehalt, was ich da verdient habe, nicht zu der Situation gepasst, wie ich gelebt habe. Um das mal ganz ehrlich zu beschreiben.
Adrian Kehr: Ich hatte damals, glaube ich, das ist, glaube ich, heute ein Azubi-Gehalt, aber ich hatte als ausgelernte Fachkraft ein Bruttogehalt von 2.000 €. Wenn man davon Fahrtstrecken, ein Auto finanzieren muss, eine Wohnung bezahlen will und so weiter, dann muss man jetzt kein Mathematikgenie sein, um zu verstehen, das geht sich nicht so gut aus. Und dann hat es sich über eine Zeit lang immer mehr so angestaut. Man kauft dann auf Pump, man macht dies, man macht das. Dann irgendwann Und dann kam ich von der Arbeit nach Hause, dann ging kein Licht mehr an bei mir im Zimmer und der Kühlschrank war aus, weil die städtischen Werke der Stromversorgung meine Sicherung rausgedreht haben, weil die Rechnungen auch nicht bezahlt waren. Und da ist mir dann mehr oder weniger Licht aufgegangen. Da habe ich dann gesagt: Okay, das ist jetzt nicht so gut, ich muss mir irgendwas überlegen. So geht es jetzt jedenfalls nicht weiter.
Adrian Kehr: Da ist dann natürlich auch so ein bisschen Scham dabei. Man möchte es ja jetzt auch nicht jedem erzählen, dass man da in finanziellen Problemen steckt. Und habe das dann meinen Eltern anvertraut. Die haben mich dann da an die Hand genommen und haben geschaut, dass wir das irgendwie in eine gerade Bahn bringen. Und das war damals so, also da danke ich meiner Mutter immer noch. Das war so damals der Startschuss, irgendwas Geileres zu machen und irgendwas aufzubauen, um unabhängiger zu werden. Und nicht mehr in so eine Situation wollte ich auch nie wieder reinkommen.
Martin Geißler: Ja, jetzt im Nachhinein war es ja ganz gut, dass es so passiert ist, würde ich jetzt so als ganz neutraler Betrachter der ganzen Geschichte so sehen. Weil es ein Startschuss für was viel Größeres bei dir war.
Adrian Kehr: Absolut. Also wenn mir dann damals jemand gesagt hätte, das kann man sich gar nicht vorstellen, aber man liegt abends auf dem Sofa, kann den Fernseher gar nicht anschalten und sitzt mit einer Kerze da. Also das ist schon gerade eine krasse Lebenserfahrung gewesen und überhaupt nicht angenehm. Aber da hat sich so ein Mindset dann einfach entwickelt und ich habe gesagt: Okay, egal was jetzt kommt, du musst erst mal schauen, dass du irgendwie mehr auf die Haben-Seite bekommst, egal wie du das jetzt dann nachher machst und halt auch das Leben ein bisschen abgespeckter lebst, wie du es bisher gelebt hast, wenn das irgendwo möglich war. Sachen, die man nicht unbedingt haben muss. Klamotten kaufen und so weiter. Es gibt so manche Sachen, kann man machen, muss man nicht. Da hat sich einiges bei mir gebildet, was heute, 20 Jahre später, immer noch in meinem Kopf fest verankert ist.
Martin Geißler: Ich habe gerade parallel im Kopf gedacht, also wenn du schon keinen Strom mehr hast, wo willst du denn noch mehr weglassen? Also wie lange hat das gedauert, bis du aus der Nummer raus warst?
Adrian Kehr: Ich habe damals meine heutige Ex-Frau, aber wir verstehen uns gut, meine heutige Ex-Frau kennengelernt und die hatte diesen Braten relativ schnell gekrochen und hat dann gesagt, da passt doch irgendwas nicht. Das fällt dir zum Beispiel auf, wenn du Ebbe auf dem Konto hast und willst einen Nasenspray in der Apotheke kaufen und man gaukelt dann vor, meine EC-Karte geht hier irgendwie nicht. Das waren halt immer wieder Kleinigkeiten, wo sie dann gemerkt hat, irgendwas passt da nicht. Und dann ist das dann damals dann rausgekommen. Und dann habe ich, ich hatte damals dann immer den Traum, immer noch gehabt, Steirische Harmonika mal zu spielen. Aber ich war natürlich so weit weg von so einem Instrument wie wir vom Mond. So ein Instrument fängt bei 4.000 € aufwärts an. Ich war hoch verschuldet und hatte überhaupt kein Geld für sowas.
Adrian Kehr: Und meine damalige Exfrau hat mir samstags morgens dann irgendwann beim damals war es die Freundin, beim Aufstehen gesagt: Hey, du wolltest doch immer eine Steirische Harmonika haben. Ich war sehr sparsam in den letzten Jahren. Ich würde das Geld geben, du zahlst bei mir ab, wir fahren heute los und kaufen dir so ein Ding. Und das haben wir gemacht. Okay. Ich konnte keinen Ton drauf spielen, weil es tatsächlich, hatte ich ja eingangs gesagt, anders ist wie ein Akkordeon. Und wir sind dann damals zum Musikhaus Thomann gefahren, ein relativ großes Musikhaus in der Nähe von Bamberg. Und dann sind wir da hingefahren.
Adrian Kehr: Da gab es genau 3 Instrumente. Ich habe keine Ahnung gehabt von diesen Instrumenten und habe gefragt: Wo ist denn da so der Unterschied? Und so, und da hat der Verkäufer gesagt: Die ist grün, die ist gelb, die ist blau. Ja, super. Die Grüne, die ist schön. Dann kaufe ich die. So, dann haben wir das da bezahlt und sind nach Hause. Und ich war der glücklichste Mensch auf der Welt, weil ich hatte auf einmal eine Steirische Harmonika, konnte aber nichts drauf spielen. Und dann habe ich angefangen und habe mir die ersten Basics beigebracht über YouTube-Tutorials.
Adrian Kehr: Also habe mir YouTube-Videos angeschaut. Damals war das noch nicht so wie heute, dass man das online lernen kann. Das gab es alles überhaupt nicht. Habe die Videos auf langsam gestellt auf YouTube und habe mir das dann angeschaut. Und so habe ich meine ersten Hits da rausgekriegt. Und dann bin ich losgezogen. Dann hatte ich die Idee, du machst DJ und Entertainer auf der Steirischen Harmonika. Irgendwann, glaube ich, ein paar Jahre später, vielleicht 2, 3 Jahre später, sind wir das erste Mal in Kontakt gekommen, weil ich da Intros brauchte und so was alles.
Adrian Kehr: Und das Ding war das gehen richtig durch die Decke, weil viele suchen DJs für Privatfeiern, für Volksfeste und so weiter. Aber ein DJ, der auch noch live was machen kann, das gibt es sehr, sehr selten. Und der auch noch irgendwie Scooter auflegt mit How Much Is the Fish und danach einen böhmischen Traum spielt auf der steirischen Harmonika. Das ist halt eine super wilde Mischung. Man kann halt nachher gerade für solche Feiern sehr sehr variabel unterwegs sein. Genau, und da habe ich mir damals die ersten Gigs reingezogen über, da gibt es so Internetplattformen, partymusik.de, partyprofi.com und so was. Da inserieren Leute kostenlos, dass sie einen Geburtstag feiern und sie können maximal 400 € ausgeben. Und dann kann man sich die Kontaktdaten für 1,50 € kaufen und denen ein Angebot schicken.
Adrian Kehr: Dann kriegt man eine E-Mail-Adresse und Telefon. Und dann hatte ich am Anfang 20 Auftritte im Jahr. Dann waren es mal 50 Auftritte und im dritten Jahr waren es dann schon 100 Auftritte im Jahr, aber quer verteilt von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen. Und das war natürlich so ein bisschen der Enabler nachher für das finanzielle Thema, weil als Musikant, kann man ehrlich sein, da verdient man gutes Geld am Wochenende und das ist ein geiles Einkommen nebenbei. Und da kann man sich dann nachher auch Sachen kaufen, die man sich sonst nicht kaufen kann.
Martin Geißler: So, und ja, das war lange ausgeholt. Sehr schön. Noch zwei Fragen kurz zu dieser Schuldenthematik. Kannst du das in eine Zahl packen, wie hoch da die Verschuldung war? Und zweite Frage, wenn sich jetzt gerade aktuell jemand in so einer Situation befindet, was wären da von deiner Seite so Tipps, wie man damit am besten umgeht?
Adrian Kehr: Das ist eine sehr gute Frage. Also meine Verschuldung lag so bei 50.000 ungefähr und das war quer durch den Gemüsegarten von Handyrechnung über Stromrechnung über Klamotten, die nicht bezahlt waren, da eine Rate, hier Möbelstück, also sehr vielfältig und sehr, sehr viel. Für jemanden, der in so einer Situation steckt, kann ich nur empfehlen, erst mal einen kühlen Kopf zu bewahren. Und das, was am meisten immer bringt, die Gläubiger, also die, die Geld kriegen, die anzurufen und zu sagen: Hey, was können wir tun? Also ich will was bezahlen, was können wir machen? Weil für die ist, glaube ich, immer eher schlimmer, sie kriegen gar kein Feedback und keiner reagiert. Und man macht das ja so, ich kenne das damals von mir, du kriegst einen Umschlag, da siehst du schon, das kommt von der Telekom, den machst du gar nicht mehr auf, den legst du zu den anderen 20, die schon alle gekommen sind, und das System läuft vollkommen aus dem Ruder. Und was ich empfehlen kann, kann es eigentlich immer, da einfach anzurufen, eine E-Mail hinzuschicken oder anzurufen und zu sagen: Hey, ich kann mir nicht mehr wie 20, 30 € leisten im Monat, ich will es abbezahlen, was gibt es für eine Lösung? Und eine Lösung gibt es nachher immer, wenn man daran interessiert ist. Und generell mein Learning fürs Leben war immer, dass ich nicht mehr ausgeben kann, wie ich bekomme. Das ist relativ einfach: Soll und Haben.
Adrian Kehr: Und dann muss ich mich anpassen. Also ich schaue, mache das immer noch regelmäßig, immer wieder. Ich meine, mittlerweile habe ich auch ein großes Business, das ist es auch meine kaufmännische Pflicht, darauf einzugehen und mir das anzuschauen. Und wenn ich nachher mehr Geld ausgebe, wie ich bekomme, dann muss ich irgendwas ändern. Dann muss ich irgendwas sein lassen, was ich irgendwie nicht mehr brauche, und neu priorisieren. Und das ist eigentlich nachher alles. Wenn mein Handyvertrag zu teuer ist, brauche ich einen anderen Handyvertrag. Wenn ich, keine Ahnung, dreimal im Jahr Urlaub fahren mir nicht leisten kann, dann mache ich es nur einmal und das vielleicht auch noch abgespeckt irgendwie.
Adrian Kehr: Mit einer Ferienwohnung, wo ich mich selbst verpflege. Also man kann halt nicht in Dubai leben und nur Geld verdienen wie eine Putzfrau.
Martin Geißler: Das ist eigentlich das Wichtigste. Alright, also vielen Dank dafür, deine Offenheit, da so klar drüber zu sprechen. Hilft vielleicht den ein oder anderen auch an einer Stelle weiter. Cool. Aber lass uns den Blick wechseln in eine bessere Zeit, in die heutige. Ich habe so hier und da schon ein kleines Geschäftsmodell, was du heute betreibst, glaube ich, entdeckt, wo dir selber aufgefallen ist, das gibt es nicht. Weil wenn du dir das selber auf YouTube-Videos beigebracht hast, das Harmonikaspielen, das ist etwas, was du zum Beispiel heute anbietest, oder du hast es eigentlich noch viel größer gemacht.
Adrian Kehr: Ja, also gestern habe ich mich vorbereitet. Ich fahre nächste Woche 5 Tage nach Graz, besuche da ganz viele Hersteller. Und da habe ich mich vorbereitet gestern Abend auf diese Reise jetzt, die ich Sonntag antrete, und habe einfach mal ein Dokument zusammengestellt, auch noch mal das im Vorfeld den Herstellern zu schicken. Und da habe ich es genannt, es ist eher ein Harmonika-Ökosystem geworden, anstatt jetzt einfach nur eine Dienstleistung. Es sind sehr, sehr viele Marken, die da mit reinspielen, die irgendwie immer entstanden sind, weil ich gemerkt habe, da gibt es irgendwie auch einen Bedarf dafür, oder es gibt was, das gibt es noch nicht oder so. Angefangen hat das Ganze, ich habe Harmonika, also diese Auftritte gehabt als DJ und Entertainer auf der Steirischen. Dann hast du das ein Stück weit auch professionalisiert. Wir haben dann Intros gemacht und Jingle.
Adrian Kehr: Ich kann dir heute genau sagen, an welchen Stellen ich deine Jingles abspiele. Also zum Beispiel, wenn ich von Kerstin Ott, wie heißt das mit den Farben, dieses Lied spiele, da kommt am Anfang eine ganz ruhige Stelle, habe ich immer den gleichen Jingle reingehauen. Damals hieß ich der Iwtsche, weil ich gebürtig aus Iwta komme. Das ist ein Ort in Thüringen und die Menschen, die da wohnen, heißen Iwtsche, so wie ein Münchner halt Münchner heißt. Und dann habe ich da immer diese Jingles eingespielt. War sehr professionell nachher auch. Geile Lichtanlage, Tonanlage, aufgedreht. Die Leute haben schon getobt, wenn ich in den Saal kam und so.
Adrian Kehr: Und ich habe aber immer gesagt, hey, eigentlich, was mich auszeichnet, ist die steirische Harmonika. DJs gibt es ja eigentlich viele. Es gibt viele, nicht so viele, die so gut sind wie ich, würde ich jetzt behaupten, aber Harmonikerspieler gibt es dann nachher gar keine mehr, die sowas machen. Und ich würde gerne diese Möglichkeit, die das Instrument bietet, nachher in seinem Leben etwas zu bewirken, das würde ich gerne nach außen tragen, weil ich was gesucht habe, was irgendwie einen Mehrwert hat, wie nur Geld zu verdienen. Ich habe mir so gedacht, wenn du irgendwann mal nicht mehr auf der Welt bist, was sagen die Leute nachher über dich? Warst du der, der Geld verdient hat und Auftritte gemacht hat? Der Musiker auf der Bühne? Oder— das war für mich aber irgendwie nicht so eine Art Mission. Ich habe was gesucht, was irgendwie einen tieferen Sinn hat und was auch mehr Mission hat. Und ich habe mir gedacht, wenn du das machst und bringst den Leuten die steirische Harmonika näher, dass sie das lernen können, dann entsteht da was Exponentielles, weil wiederum andere, die das lernen, das anderen zeigen. Die gehen in Altenheime, die spielen ihren Opas was vor zu Hause, da fließen vielleicht Tränen, die lernen neue Freundschaften kennen und so weiter.
Adrian Kehr: Das ist irgendwo was, da kannst du irgendwie Fußabdruck hinterlassen auf der Welt. Und das hat mich irgendwie, diese Denkweise an diese Mission, die hat mich extrem beeinflusst, dass ich gesagt habe, ich mache jetzt ein eigenes Geschäft auf. Krass. Okay. Also das ist eigentlich der Hintergrund. Also ich hatte genug Geld, ich hatte in der Zwischenzeit ein neues Haus gebaut für eine halbe Million. Das hätte ich mir ein paar Jahre vorher nicht vorstellen können. Dass das überhaupt möglich ist.
Adrian Kehr: Wenn man die Vorgeschichte kennt mit der Verschuldung, der Kerze im Wohnzimmer, und dann habe ich mir ein Haus gebaut mit einer Hausanlage, vorher 100.000, war wurscht. Geld war nicht das Thema. Das Thema war, ich habe was gesucht, was mich irgendwie, also ich will kein Messias sein, aber wo ich sage, dafür hat es sich gelohnt, da gewesen zu sein. Und das ist eben nicht dafür da, nur die Euroscheine zu zählen. Und deswegen habe ich dann angefangen, einen Laden aufzumachen, hatte immer die Idee, ja, Machst du einen Laden? Und dann habe ich in der Rhön, ich habe damals in der Rhön gewohnt, habe in Weyers, das ist ein Ort in der Rhön, da habe ich mein Haus gebaut und im Nachbarort gegenüber von meiner Lieblingspizzeria war irgendwann ein Schaufensteraufkleber draußen auf so einem Schaufenster, auf so einer Ladenfläche, da stand drauf: Zu vermieten. Kleines Ding, vielleicht 20, 25 Quadratmeter, mehr hat dieser Laden gar nicht zu bieten gehabt. Und dann Ja, dann habe ich da mal angerufen bei einem Makler. Der hat mich gleich verwiesen an den Inhaber.
Adrian Kehr: Das ist ein Opa, der war damals Anfang 80 oder so gewesen, und der hat mir das gezeigt. Und ja, da hat er mich gefragt: Was willst du da machen? Und da habe ich gesagt: Ja, ich wollte so ein Harmonika-Fachgeschäft irgendwie verkaufen und reparieren. Also Martin, wenn du mich heute fragst, also total blauäugig. Ich habe überhaupt selber gar nicht gewusst, was ich da eigentlich machen will. Aber ich fand irgendwas mit Harmonikas halt cool. Und da hat er gesagt: Spielst du denn? Genau selber. Dann habe ich gesagt: Ja. Ja, dann kommst du am Freitag mal um 20 Uhr vorbei, bringst deine Harmonika mal mit.
Adrian Kehr: Dann kam ich freitags abends 20 Uhr zu dem in ein aufgeheiztes Wohnzimmer, so ein Kachelofen, es waren gefühlt 45 Grad da drin, es stand kurz vorm Saunaaufguss, würde ich sagen. Und in dem Wohnzimmer saßen 20 Leute, nämlich die ganze Verwandtschaft. Die hat er auch eingeladen. Und dann hat er einen Stuhl in die Mitte gestellt und hat gesagt: So Junge, da setz dich jetzt hin und da fang an zu spielen. Und da habe ich dann eine Stunde gespielt. Gespült, geschwitzt wie ein Ochs bei dieser Hitze. Und danach hat er mir auf die Schulter geklopft, hat gesagt: Ja, du kannst spielen, du kannst den Laden haben. Also so lief das wirklich damals ab.
Adrian Kehr: Und dann haben wir halt, habe ich einen Namen dafür gesucht und dann wollte ich irgendwas Regionales haben. Ich wollte es nicht Adrians Harmonika-Stübchen nennen oder so was, sondern irgendwas, was die Region mit einbindet, wo man dann sagt, okay, das passt irgendwie besser. Und dann habe ich gesagt, okay, ich nenne das Röhnharmonika. Das war so der erste Startschuss. Damals ging es los im April 2019. Da haben wir angefangen.
Martin Geißler: Also da habe ich angefangen. Ja, aber 1000 Fragen auf einmal im Kopf. Was würdest du jemandem sagen, der dir heute mit der Story kommt und sagt: hat, mit Musik ist heutzutage kein Geld mehr zu verdienen.
Adrian Kehr: Error. Stimmt nicht. Es ist die Frage, wie man es macht. Vor allen Dingen, weil die Menschen auch damals 2019 schon gesagt haben, so ein verstaubtes Instrument, das hat mein Opa auf dem Dachboden liegen, das hat mein Uropa früher gespielt.
Martin Geißler: Also dieses Instrument. Ich finde gerade diesen Spagat so groß zwischen alle jammern, weil KI macht alles kaputt und um Gottes willen. Und mein Job und hier und da. Und jetzt zu einem verstaubten Instrument, so wie du es jetzt gerade selber benannt hast, hast du da aber ein, auch wie du so schön gesagt hast, ein Ökosystem drumherum gebaut oder aufgebaut, weil du bedienst ja so viele Geschäftsfelder. Also einmal die Quetschen-Akademie, wo du Leuten das beibringst, dieses Instrument zu spielen, dann die Events und so weiter.
Adrian Kehr: Also das ist ja Wahnsinn. Ja, da kann ich vielleicht noch ein bisschen was sagen dazu. Also erst mal auf deine Frage noch mal zurückzukommen. Es ist die Frage nicht was, sondern wie. Also wie mache ich etwas und nicht was mache ich. Ich glaube, das ist nachher total egal, ob das jetzt eine Steirische Harmonika ist oder du machst irgendwie ein Geschäft auf über Kochen und Backen. Also das Was ist, glaube ich, egal, wenn du das im Herzen spürst. Ein Thema.
Adrian Kehr: Du machst gerne Podcasts, du machst geile Audioaufzeichnungen und so weiter, bist Sound-Brander, also Experte auf dem Gebiet. Du machst das ja nicht, weil du sonst nicht weißt, was du machen sollst, sondern du machst es ja gerne. Und wenn man das aus Leidenschaft tut, dann wird es meistens immer gut. Und wenn man dann so ein bisschen ein kaufmännisches Köpfchen hat, dann so ein bisschen prozessual vielleicht auch fit ist, dann kann das gar nicht schiefgehen. Die Frage ist halt nur, wie macht man es? Ich habe damals angefangen in Poppenhausen im April, wir hatten eine Eröffnungsfeier gemacht, dann kam nach 4 Wochen, 4 Wochen später, Also man muss dazu sagen, vielleicht, dass das die Zuhörer und Zuschauer auch wissen, ich arbeite weiterhin immer noch Vollzeit berufstätig. Also das ist alles, das mache ich nebenbei. Ich arbeite 40 Stunden weiterhin in der Logistik. Das mache ich auch heute immer noch, weil ich gesagt habe, auch da habe ich Bock drauf und das mache ich auch.
Adrian Kehr: Das will ich auch machen. Und das ist ja nachher eine Frage der Priorisierung. Wann tue ich mir was an? So, und damals habe ich das auch gemacht. Und deswegen hat so ein Laden von mir auch nie eine feste Öffnungszeit bekommen, weil ich tagsüber eigentlich grundsätzlich erst mal berufstätig bin. Das kann ich mir aber relativ frei auch einteilen. Ich kann auch mal sagen, heute Vormittag mache ich nichts und dafür mache ich heute Nachmittag ein bisschen mehr. Also da habe ich einen ziemlich coolen Job auch. Und Öffnungszeiten hatte ich nie.
Adrian Kehr: Und irgendwann nach 4 Wochen hat sich der erste Kunde angemeldet. Ein Thorsten aus Pilgerzell in der Nähe von Fulda. Dann kam der und hat zu mir gesagt, er würde gern auch mal ein Instrument kaufen später und so, aber ich müsste ihm mal zeigen, wie das geht. Und da habe ich ihm gesagt, nee, Also Musikschule steht da jetzt draußen nicht dran. Ich habe gesagt, ich verkaufe die und ich repariere ein bisschen was und so, aber Unterricht gebe ich keinen. Und da hat er gesagt, wenn er keinen hat in der Region, dann fängt er auch nicht an. Dann kam 2 Wochen später eine Oma rein in den Laden und sagte dann: Ja, also dieser Laden hier in dieser Region, das ist ja eigentlich was aus den Bergen. Das da kannst du mir jetzt schon sagen, das geht keine 4 Wochen mehr gut, dann ist der wieder zu.
Adrian Kehr: Also ungefragtes Feedback bekommen, habe ich gesagt: Vielen Dank, nehme ich mal mit. Schönen Tag noch. Und dann wiederum 4 Wochen später immer noch kein Kunde da. Dann habe ich aus meiner Verzweiflung den Torsten wieder angerufen, habe gesagt: Du Torsten, hast du noch Bock? Ja klar, ich habe noch Bock. Ich habe ja gesagt, ich würde es gern machen. Ich sag: Komm rum. Dann habe ich die Harmonika umgehangen, habe ein bisschen was gezeigt und dann ging das los. Dann kam Torsten immer mittwochs um 17 Uhr, immer für eine halbe Stunde Unterricht.
Adrian Kehr: Ich spule jetzt mal vor. Das war im Juni 2019. Im Dezember 2019 hatte ich auf einmal 16 Torstens, die das so gelernt haben. Ich habe halt ein bisschen Werbung dafür gemacht, eBay Kleinanzeigen erstellt und so was. So was mal mit mit wenig Mitteln schnell machen kann. Hatte dann 16 Thorstens, hatte auch schon einige Anfragen von weiter her aus dem Rhein-Main-Gebiet, aus dem Würzburger Gebiet, aus Kassel und so weiter, die dann alle gesagt haben, ich hätte da auch Bock drauf, aber ich kann nicht jede Woche nach Poppenhausen in die Rhön fahren, um da Unterricht bei dir zu nehmen. Das geht nicht, weil die 16 Schüler sind wirklich alle, jeder jede Woche einmal zum Unterricht gekommen. Dann haben die ein kleines Video gekriegt für zu Hause zum Lernen, fertig.
Adrian Kehr: Und da habe ich gesagt, okay, wenn du irgendwie skalieren willst, brauchst du ein anderes System. Und damals habe ich mitgekriegt, da gibt es zwei Jungs in Graz, die bauen da gerade so ein Online-System für steirische Harmonika auf zum Lernen. Quetschen Academy heißt das Produkt. Da bin ich im Januar 2020, also kurz vor der Pandemie, hingefahren. Wir haben uns ein bisschen ausgetauscht, haben im Brauhaus Puntigammer auch ein paar Bier getrunken. War ganz witzig gewesen. Und im März haben wir dann 2020 gesagt, wir starten die Zusammenarbeit. Das Produkt oder die Firma Quetschen Academy hat mit mir erst mal grundsätzlich gar nichts zu tun.
Adrian Kehr: Eigenständiges Produkt, Geschäftsführer Jürgen Kern. Also ich bin Partner von der Quetschener Academy. Das ist ein Affiliate-System. Ich zeige den Leuten, wie sie da drinnen navigieren, wie sie lernen können, wie sie anfangen, die ersten Schritte auf der steirischen Harmonika zu machen. Komplett ist das alles drinne. Von ich habe das Ding noch nie in der Hand gehabt bis hin, ich spiele im Böhmischen Raum auf der Bühne. Der ganze Weg ist komplett beschrieben mit Videokursen. Genau.
Adrian Kehr: Und meine Schüler lernen praktisch jetzt mit dem System. Weil dieses System mir ermöglicht hat, dass der Schüler nicht mehr jede Woche kommen muss, sondern vielleicht einmal im Monat oder einmal im Quartal oder wenn er Rückfragen hat und Probleme hat usw. Und dadurch konnte ich halt auch ziemlich krass skalieren. Corona hat natürlich uns voll in die Karten gespielt, weil Corona, die Leute haben sich entweder einen Hund gekauft oder eine Harmonika, eins von beiden. So, und dann konnten die von zu Hause lernen, haben Instrumente gekriegt, haben daheim gelernt. Alle Musikschulen waren zu, aber das hat funktioniert. Genau, da ist halt sehr, sehr viel auch passiert damals.
Martin Geißler: Und genau so hat es sich praktisch entwickelt. Was ich extrem inspirierend finde, ist deine Art mit— also du hast ein Riesenproblem oder auch ein kleines Problem da liegen und du machst irgendwie was extrem Cooles draus. Also du siehst da immer irgendwie Lösungsweg für dich drin, den du dann so aufbaust, dass es dann gewinnbringend ist. Also Probleme sind, glaube ich, keine Probleme bei dir, sondern tatsächlich Herausforderungen, die du dir dann so hinstellst, dass sie dir dann gewinnbringend in die Karten spielen.
Adrian Kehr: Finde ich mega. Da kommen noch ein paar andere Beispiele, ne? Aber ja, genau, also so ging das los. Ich habe dann während Corona 2021 das erste Mal gedacht, wir brauchen irgendwie einen einen Raum, eine Veranstaltung, wo wir die Harmonikaspieler zusammenholen, wo alle mal da sind, sich treffen, geil feiern, irgendwie sich austauschen, irgendwie sowas Community-like. Dann habe ich das Röhnharmonika-Fest in Smargennummer 2 ins Leben gerufen. Mittlerweile das größte Harmonika-Festival in ganz Europa geworden. Und da hast du ja dann auch mal unterstützt mit den Soundtrailern dafür. Sehr geil. Immer wieder.
Adrian Kehr: Ich freue mich. Es ist immer geil. Das muss ich vielleicht mal für die Zuhörer erzählen. Wenn der Martin mir diese Soundfiles das erste Mal schickt. Das ist für mich wie Weihnachten als Achtjähriger, wenn du das Geschenk auspackst. Ich habe das dann am Handy und koppel mein Handy nachher mit meiner Soundanlage im Wohnzimmer und aber volle Lotte. Und da geht, also das kann ich jetzt so sagen, da geht mir voll einer ab, weil das ist so geil, ich feier das immer komplett. Also so, anderes Thema.
Adrian Kehr: Röhrenharmonikafest. Genau, Röhrenharmonikafest ist dann nachher gewachsen. Findet mittlerweile alle 2 Jahre statt. Da sind die größten Künstler dieser Szene auf der Bühne. Wir haben die längste Harmonikameile der Welt letztes Jahr mit 13 Ausstellern aus ganz Europa dabei gewesen. Also das waren, glaube ich, 1,5 Kilometer Stände, nur Instrumente, zwischen 5.000 und 6.000 Besuchern da gewesen. Das lässt sich schon sehen, das ist also praktisch eine eigene Marke geworden. Und in dem Zusammenhang habe ich noch eine Marke entwickelt, das nennt sich der Deutsche Harmonika-Wettbewerb.
Adrian Kehr: Ich habe immer gesagt, was die Österreicher können, wenn Österreicher zuhören und zuschauen, liebe Grüße, was die können, das können wir auch. Und in Deutschland gab es keinen Harmonika-Wettbewerb. Also haben wir da auch ein ganz neues CI entwickelt, eigenes Branding, eigenes Logo, eigene Landingpage dafür, eine Jury aufgesetzt, die da juriert und so, und haben dann auch 2005, das war das erste Mal, den Deutschen Harmonika-Wettbewerb durchgeführt. Genau, das ist die dritte Marke, die wir entwickelt haben. Also Röhnharmonika, das Festival dazu und der Deutsche Harmonika-Wettbewerb. Wettbewerb.
Martin Geißler: Frage dazu, weil da erinnere ich mich, dass wir auch im Austausch waren für diesen Wettbewerb, und da hast du gesagt irgendwann mal, es darf aber irgendwie nicht in Verbindung gebracht werden mit mir, weil sonst sagen die Leute wieder, ah, das ist der Adrian von Röhrenharmonika. Bist du dann auch schon so groß in der Szene, sage ich mal, dass du dann hier und da auch ein bisschen anhängst? Oder warum war das der Fall, dass du dich da so rausgenommen hast?
Adrian Kehr: Das hat zwei Gründe. Der erste Grund ist der, dass für sehr, sehr viele Harmonikaspieler, die, sage ich mal, Oberbayern wohnen und noch weiter südlich, Leute, die nördlicher dieser Region Harmonika spielen, keine richtigen Harmonikaspieler sind. Weil diese Tradition des steirischen Harmonikaspiels, viele im alpenländischen Raum spielen ja auch mit Gabsbart-Hut und einem Riemen und das ist so Tradition in der Stubenmusik und so was. Und wenn dann da jemand kommt aus Fulda oder der Rhön, mittlerweile wohne ich in Bamberg, dann sagen die: Hä, das ist doch ganz woanders, da spielt doch gar keiner Harmonika. Also ich bin sozusagen ja Pionier in meinen Regionen, wo ich unterwegs bin. Und ich habe immer gesagt, ich habe eine Surfschule in der Wüste aufgemacht. Das würde da niemand vermuten, aber das ist eine ziemlich geile Surfschule in der Wüste. Genau, und deswegen habe ich gesagt, ich will dieses Branding mit Rhönharmonika da nicht mit drin haben, weil die Gefahr besteht, dass die das gleich gleich abhaken und dann: Das sind die da von da oben, da brauchen wir uns gar nicht melden.
Adrian Kehr: Deswegen wollte ich, dass das einen offizielleren Touch bekommt. Wie war die zweite Frage noch?
Martin Geißler: Weiß ich gar nicht mehr. Ich glaube, es gab gar keine zweite Frage. Okay. Oder doch jetzt klar, logisch, weil wir hatten ja jetzt nicht in der Tiefe drüber gesprochen, weil ich mir gedacht hatte, vielleicht ist es deshalb, weil du dann schon so groß in der Szene bist, dass du hier und da annexierst.
Adrian Kehr: Da kann ich dir was sagen. Dazu, ich bin eher so der Brückenbauer. Ich bin nicht der Anecker. Ich mache Sachen, die sich vorher keiner getraut hat. Ich sage zum Beispiel, wo fangen wir denn mal an? Zum Beispiel, es gibt ja verschiedene Lernmöglichkeiten beim Harmonikalernen. Und die einen lernen nach einer Griffschrift, das sieht aus wie Noten. Die anderen lernen auswendig spielen, so wie bei mir. Wenn du die Griffschriftspieler fragst, sagen die, auswendig spielen ist voll scheiße.
Adrian Kehr: Wenn du die Auswendigspieler fragst, Griffschrift spielen ist Punkt, Punkt, Punkt. So, und ich bin der Brückenbauer, der jetzt zum Beispiel so zu einem Griffschrifthersteller geht und sagt: Hey, lass mal sprechen, hast du nicht auch mal Bock, bei mir einen Stand zu machen auf dem Fest? Weil es gibt kein Richtig und Falsch und es gibt auch kein Gut und Böse. Und das ist wieder, wenn man 10 Minuten zurückspult, warum ich das eigentlich mache. Ich mache das ja nicht, um irgendwie Politik zu machen oder eine Meinung zu vertreten, sondern ich mache das, um einer Mission nachzukommen, dieses Instrument in die Welt zu tragen. Und da gibt es viele Möglichkeiten, die richtig sind, und die zählt auch für jeden anders. Und deswegen bin ich da überhaupt nicht voreingenommen. Ich habe Leute schon zusammengebracht, wo die Leute danach gefragt haben: Wie hast du denn das gemacht? Einfach weil ich gesagt habe, für mich gibt es da—
Martin Geißler: also an Ecken kann ich mich nicht dran erinnern. Also das mit dem Brückenbauen, das kann ich dir zu 100% bestätigen. Das Gefühl habe ich auch von vornherein bei dir gehabt, dass du mal versuchst, jede Menge Dinge in ein Ökosystem zu gießen, wenn wir wieder bei dem Wort sind. Weil jetzt hast du auch gesagt 5.000, 6.000 Besucher auf den Festivals. Du hast halt auch richtig große Acts gebucht. Da kommt ja jetzt wieder was on top, was glaube ich gar nicht so von Haus aus zu deiner Kernkompetenz gehört, und zwar Events planen, Bands buchen, die ganze Orga. Wenn du jetzt sagst, du machst es so nebenbei dann noch, also wie groß ist denn dein Team? Weil ich kann mir jetzt nicht vorstellen, dass du da alles alleine machst.
Adrian Kehr: Veto, doch, mache ich. Okay, krass. Weil ich sage dir auch warum. Ich habe früher auch schon Events organisiert bei uns in der Kirche, war ja sowas im Ort früher. Das Problem ist immer, man kennt den Spruch: Viele Köche verderben den Brei. Und ich sehe das. Also mittlerweile wohne ich ja in Oberfranken und da haben wir Kerva. Da haben wir auch so ein Kervas-Team.
Adrian Kehr: Und da gibt es jemanden, der ist verantwortlich fürs Essen. Dann gibt es jemanden, der macht die Getränke, andere, der macht die Werbung, der nächste macht das. Dann hast du nachher in so einem Kernteam 7, 8 Leute drin. Und diese Entscheidungswege sind so furchtbar lange, dass ich gesagt habe, so was will ich auf keinen Fall. Also wenn, dann entscheide ich das selber. Da bin ich viel schneller. Ich muss es nur mit mir ausmachen, mit niemand anderem. Das ist natürlich vielleicht ein bisschen mehr Arbeit für mich.
Adrian Kehr: Aber ich glaube auch, wenn du ein Team hättest, wäre es fast genauso viel Arbeit, weil du musst viel kommunizieren, bis die mal auf dem Wissensstand sind, den ich habe. Die Zeit habe ich gar nicht. Das geht nicht. Deswegen organisiere ich es selber. Ich organisiere selber die Bands. Und du hast ja schon gesagt, da spielen jetzt keine No-Name-Bands. Millessander Naschenweng, die Feschbängler, die Draufgänger. Also sind alles Szenengrößen aus der Szene, die da spielen.
Adrian Kehr: Jo He aus Tirol. Letztes Jahr hat man die Packerbuden dabei, Tom Basti, die Tegernseer Tanzelmusi. Also es sind alles namhafte Gruppierungen, die auch ein bisschen Geld kosten, wenn die da auftreten. Da geht man auch als Veranstalter auch ein ordentliches Risiko ein vorher. Und es sind immer Open Airs. Ich muss immer darauf hoffen, dass die Sonne auch scheint. Das hat zum Glück bisher immer geklappt. Geklappt.
Adrian Kehr: Kleiner Insider-Fact: Ich plane das immer auf Vollmond. Tatsächlich. Also ist noch keinem aufgefallen, aber auf meinen Events ist immer Vollmondzeit, weil mir irgendwann mal ein Rhöner Bauer gesagt hat Vollmond im Sommer und das Wetter ist meistens gut. Und dann gucke ich immer im Mondkalender, wo ist der Vollmond? Und an dem Wochenende mache ich es dann. Geil. Ja, aber Insider-Fact. Und genau, dann plane ich die Bands, ich plane die Technik mit einer Technikfirma zusammen. Ich plane das ganze Organisatorische drumrum mit der Gemeinde, Platz, Stellen, wo Strom, Wasser und so weiter, Toilettenwagen holen, Tickets verkaufen, Ticket-Onlineshop, Werbung machen, Flyer, Audiowerbung von dir.
Adrian Kehr: Wenn du zum Beispiel die Audiowerbung fertig hast, dann schicke ich diese Audiowerbung nachher an meinen Videografen nach Graz. Da kenne ich einen, der macht bei mir auch die Videos, der macht die Aftermovies und das alles und auch die Bilder dazu.
Martin Geißler: Und der baut dann praktisch auf dein Audio-File ein Video.
Adrian Kehr: Drauf.
Martin Geißler: Das finde ich super spannend, weil da werden wir ganz oft gefragt, was da die bessere Herangehensweise ist. Also machen wir jetzt Audio auf Bild oder Bild auf Audio? Ich glaube, also klar, ich als Audiomensch rede natürlich mir da leicht, wenn ich sage, lass uns erst Audio machen. Aber unser Daily Business ist auch ganz oft, dass wir Imagevideos zugeschickt bekommen, wo wir direkt auf Bild komponieren. Ja, was dann immer eine relativ große Herausforderung ist, weil es meistens auch noch nicht der finale Schnitt ist. Also in größeren Unternehmen vor allem, da wird dann noch mal was angepasst und dann musst du noch mal das Tempo ändern, das Ende, wenn eine andere Musikstimmung dann da rein morpht. Das ist dann echt herausfordernd. Finde ich sehr spannend. Und das ist dann wiederum für uns auch immer wieder ein Erlebnis, das zu sehen, wie dann was daraus dann gemacht wird.
Adrian Kehr: Ja, also und dann, wenn auf einmal Bilder drauf kommen Boah, jetzt wird es nochmal geiler. Ja, genau. Also ich glaube, deswegen machen wir den Workflow auch genau so, dass ein Sprecher freier ist und auch der Komponist nachher, wenn es arrangiert wird. Wenn noch kein Videomaterial da ist, dann entsteht vermutlich was anderes, wie wenn schon welches da ist und ein Videoschneider sich nachher leichter tut, ob er die Szene jetzt 3 Sekunden lässt oder 5 Sekunden lässt. Deswegen machen wir es genauso rum, weil der nachher viel mehr Zeit hat. Wenn du jetzt ein fertiges Video hast, dann sagst du, jetzt muss ich schneller sprechen oder ich muss einen Satz weglassen oder Hab hier 30 Sekunden, dann weiß ich gar nicht, was soll ich in den 30 Sekunden sagen? Deswegen machen wir es so rum. Wie sind wir jetzt drauf gekommen eigentlich? Ach so, wegen wie das Fest organisiert wird. Genau.
Adrian Kehr: Genau. Nachher, wir haben ein eigenes Cashless-Kartensystem, wo die Leute nachher damit bezahlen. Auf dem Fest gibt es kein Bargeld, da gibt es Wechselstuben, wo man sich Karten auflädt, wie auf einem ordentlichen Festival halt auch, und dann mit der Karte überall bezahlen kann, ob es die Bratwurst ist oder der halbe Liter. Genau. Und das ist aber mittlerweile so eingespielt, dass ich da eigentlich genau weiß, was zu tun ist und nachher einfach nur noch. Ich habe schon ein Team mit, da waren jetzt letztes Jahr knapp 40 Leute drin, die dann halt helfen. Also die in der Theke stehen, die den Einlass mitmachen und so weiter. Die muss man dann schon noch mal einmal briefen und sagen: So, du machst das, du machst das.
Martin Geißler: Aber die Orga mache ich alleine.
Adrian Kehr: Respekt. Geil.
Martin Geißler: Mega. Danke. So, jetzt funktioniert ja so vor allem so ein Event ja aber nicht, oder auch so ein Schulungssystem oder wie auch immer, ja nicht nur, weil es das einfach gibt, sondern du musst das Ganze auch noch ein bisschen bekannt machen. Also jetzt hier im Podcast schon mal Feedback vorweg on camera. Du kannst es relativ gut erklären, verkaufen. Du hast eine sehr bildhafte Sprache, finde ich. Also ich habe auf jeden Fall mal Bilder im Kopf beim Zuhören, was sehr gut ist.
Adrian Kehr: Aber wie ist dein Marketing-Game? Also ich will den Leuten erst mal, das ist ja meine Mission, wenn wir da wieder drauf kommen, ich möchte denen nicht irgendwie ein Produkt verkaufen. Das ist der Händler um die Ecke, der verkauft mir ein Instrument, sondern ich will denen ein Lebensgefühl verkaufen. Und zu dem Lebensgefühl gehört nicht nur das Lernen dazu, sondern auch ein bisschen was drumherum. Deswegen gibt es zum Beispiel dieses Event, das Harmonika-Fest. Deswegen gibt es Stammtische jedes Jahr, wo die sich treffen können, wo ich mit dabei bin, wo ich dieses Jahr auch Künstler mit dabei habe, mit Wohnzimmerkonzerten. Das Konzept habe ich ein bisschen angepasst, jetzt einfach mal nach der Zeit. Deswegen gibt es eine Mastermind zweimal im Jahr. Wir machen zweimal im Jahr eine Mastermind in Osttirol, in Tilliach, in einem Refugium.
Adrian Kehr: Das ist ein ganz großes Bergchalet, wo 22 Leute reinpassen, mit einer Sauna im Keller und allem Pipapo. Also richtig schick. Und die Leute zahlen dafür Geld, dass sie mit mir da 4 Tage hin können. Das mache ich zweimal im Jahr. Das ist zum Beispiel so ein Lebensgefühl. Und das ist mir erst mal wichtig, dass man das weiß. Ich verkaufe nicht nur Instrumente oder andere würden sagen Noten oder was auch immer, sondern ich verkaufe denen ein Lebensgefühl. Das muss der Kunde auch erst mal verstehen.
Adrian Kehr: Und dann ist ja nachher die Frage, wie verkaufe ich? Also es geht wieder um das Wie. Wie mache ich das? Früher konnte man sehr, sehr viel sehr gut über Social Media machen. Ich habe auf Instagram knapp 2800 Follower, glaube ich, und auf Facebook über 10.000, wobei bei Facebook sind auch so die ältere Generation dabei. Wenn man da was postet, dann kriegt man meistens als Kommentar nur so eine winkende chinesische Katze oder so was. Also so wirklich Interaktion ist da jetzt auch nicht mehr da. Früher hat das gut funktioniert. Ich habe auch Social-Media-Weiterbildungen gemacht, wie man da postet. Ich habe mich gefilmt beim Rasenmähen, also Social, also viel soziale Medien.
Adrian Kehr: Also ich wollte niemals, ich meine, die meisten, die mir folgen, wissen, was ich mache, aber die wollen auch mal den Mensch dazu kennenlernen. Was macht denn der sonst so? Ist das ein Typ? Und nachher verkaufst du einen instrument nicht, weil du eine gute Beratung machst, das natürlich auch, aber weil du die gleiche Netflix-Serie guckst wie dein Kunde und du dich dann über 20 Minuten lang über diese Netflix-Serie ausgetauscht hast und der Kunde nachher aus Vertrauen schon kauft, weil er sagt, der Typ, der taugt mir einfach gut. Und das hast du ja früher über Social Media sehr, sehr gut aufbauen können. Ich sage immer bewusst früher. Mittlerweile hat sich das Game so ein Stück weit, glaube ich, geändert oder ist immer noch in dem Prozess, sich zu ändern, weil mir geht es auch so, ich scrolle durch Insta, denke mir so: Boah, geiles Foto, aber ich glaube es nicht mehr. Also so ganz oft, dass ich ein Video sehe und denke mir, es ist sehr echt, aber es könnte schon wieder KI sein. Und mittlerweile haben wir sehr viel KI-erstellte Inhalte, die müssen immer noch nicht gekennzeichnet werden. Manche machen es, manche machen es auch nicht.
Adrian Kehr: Die wildesten Sachen, die da kommen, die von KI-Bots dann kommentiert werden, was wiederum KI-Bots auch kommentieren. Und die Frage ist halt, wie social ist das nachher überhaupt noch? Und ich sehe das mittlerweile mit zwei getrennten Sichten. Ich denke mir, Social Media ist eher so eine, also ob das Facebook, Insta, TikTok oder so weiter ist, ist eher so die Bühne. Also wenn du so eine klassische Konzertsituation hast, wenn du zum Konzert gehst, Social Media ist die Bühne, die Band spielt, alle gucken zu und hören zu und empfangen das und sagen ja, tanzen ein bisschen mit und sagen, ja, das passt. Und dann gibt es aber was Wichtigeres, wenn die Band eine Pause macht, da passiert ja viel. Die Leute gehen sich Getränke holen, die gehen auf Toilette, stehen am Pissoir nebeneinander und sagen: Boah, hast du das Lied gehört? Ja, voll cool. Mensch, hoffentlich spielen sie das und das Lied heute noch mal. Was habt ihr morgen vor? Also da passiert ja ein Austausch.
Adrian Kehr: Und dieser Austausch, den gab es früher mal auf Social Media, gibt es aber nicht mehr. Also du kannst gucken, wann du postest, da gibt es keinen Austausch mehr in diesen Kommentaren. Und dafür habe ich Communitys gegründet. Das sind vierte Marke von mir, School Communities, ist eine amerikanische Plattform, kennt jetzt vielleicht noch nicht jeder, passt aber gut zu meinem Konzept dazu. Und da habe ich zwei Communities, eine Gratis-Community, wo die Leute sich gratis austauschen können. Und jetzt seit einer Woche, heute auf den Tag genau, auch eine Paid-Community, wo die Leute dafür Geld bezahlen, dass sie sich austauschen können. Das ist praktisch wie eine Art Inner Circle. Da wird auch mehr geboten.
Adrian Kehr: Da gibt es noch mal separate Lerninhalte, da gibt es jede Woche einen Live-Call. Über bestimmte Themen, auch mit Gastrednern mit dabei. Die kriegen auch ein paar Rabatte auf Seminare und auf andere Events. Genau, das ist so ein bisschen Premium, nennt sich das. Was kostet das? Was muss man da investieren? Im Gründer Launch hat man jetzt, also auf Skool wird in Dollar bezahlt, im Gründer Launch hat es für die Gründungsmitglieder 29 Dollar monatlich, oder wenn du ein Jahresabo abschließt, 279 Dollar, sind 20% weniger als der Monatspreis gekostet. Das war aber nur für die Gründer, für die ersten 30. Da gab es eine Warteliste auf einer Landingpage dazu. Zu, wo die Leute sich eintragen konnten.
Adrian Kehr: Der Gründungs-Launch ist durch. Jetzt aktuell, wenn du jetzt buchen willst, kostet es monatlich 999 Dollar und 9.999 Dollar jährlich. Das habe ich so eingestellt, damit ja keiner das jetzt bucht, weil ich jetzt erst mal 2 Wochen mich mit den Gründungsmitgliedern da einrufe in der Community, da so ein paar Regeln aufstellen. Wir lernen uns mal kennen, wir machen die ersten Calls gemeinsam, es gibt die ersten Lerninhalte. Und wenn das 2, 3 Wochen gut läuft, dann mache ich die Community wieder auf und dann kostet sie regulär 49 Dollar monatlich oder 479 jährlich oder 469, weiß ich jetzt gerade nicht so genau. Was machst du, wenn jetzt 5 Leute kommen und das für 9.999 € im Jahr buchen?
Martin Geißler: Dann bestelle ich bei Martin Geißler neue Soundfiles.
Adrian Kehr: Das Budget musst du mindestens brauchen. Weiß ich nicht, habe nicht drüber nachgedacht, wenn es einer macht. Ich bin ja selbst auch cool. Wäre lustig. Ich bin ja selbst unterwegs auf Skool und da siehst du ja in der Discovery-Suche auf Skool immer, was für Community gibt es und sind die bezahlt oder so was? Und da siehst du manchmal so Sachen, kostet jährlich 5.000 Dollar und dann siehst du 3.200 Mitglieder. Der Otto-Normalverbraucher würde jetzt rechnen, Alter, was verdient der da für eine Kohle damit?
Martin Geißler: Aber es könnte auch sein, dass genau das gleiche System dahinter steckt wie bei mir. Ja, also ich bin auch in so einer Community drin, auch in einer Zahl-Community und kann nur jedem raten, das lohnt sich. Also wenn man da wirklich ein Thema hat oder ein Netzwerk, eine Community, die zielführend für jemanden ist, also diese Bezahlschranke, die macht, die ist ein extrem guter Filter.
Adrian Kehr: Ja, weil, und da, ich nenne es mal so, das ist jetzt sehr provokant, aber trifft es auf den Punkt, du hast halt die Freibiergesichter nicht mehr dabei, weil du hast halt, also in meiner Gratis-Community sind 10-mal so viele Leute Leute drinne, aber die Interaktion ist in der Paid Community viel höher, weil die Leute da sind.
Martin Geißler: Ja, die Qualität wird auch viel höher sein.
Adrian Kehr: Also kann ich nur bestätigen, sehr, sehr guter Move. Genau, das ist jetzt ein neues Produkt, das habe ich jetzt praktisch vor einer Woche gelauncht. Da gibt es auch wieder ein separates Logo, einen eigenen Markenauftritt dafür, das alles separat. Da haben wir auch ein neues Logo noch mal entwickelt mit so einer Eule, ziemlich cool, hat meine Grafikerin gemacht, mit einer Lerneule, die Harmonika spielt.
Martin Geißler: Und die Premium-Eule hat auch noch einen Grünchen auf. Also jetzt muss ich aber noch mal reinkritschen, weil jetzt sagst du meine Grafikerin, mein Videomann in Wien, ich, dein Audiomann.
Adrian Kehr: So alleine bist du gar nicht. Ja, es gibt halt Sachen, die können andere Leute besser als ich und die gebe ich gerne auch ab.
Martin Geißler: Aber es sind nicht viele.
Adrian Kehr: Aber du hast jetzt keine Mitarbeiter oder so? Nein, gar nicht. Also Sachen, die ich outsourcen muss, die source ich out. Steuerberater ist klar. Sowas, da kämpfe ich mich nicht mehr mit ab mit dem Finanzamt. Dann habe ich keinen Bock drauf.
Martin Geißler: Aber ansonsten Audiosachen, überall da, wo man eine Expertise braucht nachher, das gebe ich gerne ab. Das klingt alles Wahnsinn. Richtig, richtig gut. Also wirklich von— ich mache jetzt noch mal das Bild auf— von der Kerze, die als einziges Licht da war im Raum, bis heute.
Adrian Kehr: Was für ein Weg. Krass. Respekt auch an dieser Stelle. Aber vielleicht für die Zuhörer auch noch mal, weil das vielleicht zu märchenhaft klingt. Also ich bin immer ein Fan von ehrlichen Worten und Offenheit und kompletter Transparenz. Also ich habe ja auch einen Podcast, wenn ihr den hören wollt, Adrian und die Steirische Harmonika heißt der. Da ist immer vollkommen transparent. Manche sagen mir: Krass, dass du so was in einem Podcast erzählst.
Adrian Kehr: Die Branche hat aktuell ein Riesenthema, weil, wie wir alle, also auch gerade die, die auch eigene Geschäfte haben, merken, dass die Kauflaune vielleicht ein Stück weit zurückgeht und das weil das Investitionsvolumen nicht mehr so da ist. Und jetzt verkaufe ich ja Instrumente, Martin, die keine Blockhülle sind. Also es geht so, ab 4.000 € geht es los. Man kann auch mal locker ohne Probleme 8.000, 9.000 € für ein Instrument bezahlen. Und wir merken das extrem in den letzten 14 Monaten, dass die Kauflaune zurückgeht und das einfach weniger geworden ist. Es gibt nicht weniger Spieler, es gibt genügend Interessenten immer noch, aber die Leute schrecken vor diesem Reisen anders ab wie noch vor 2 Jahren. Und also mal um Zahlen zu nennen, das ganz plastisch auch mal darzustellen. Ich habe im Jahr 2024 an die 85 bis 90 Instrumente verkauft im Jahr.
Martin Geißler: Und letztes Jahr 2025 waren es noch 35.
Adrian Kehr: Okay, und das ist fast nur noch ein Drittel. Ja, genau, das ist ein extremer Umsatzrückgang. Und das ist ja mein Hauptgeschäft, also meine Hauptsäule zum Geldverdienen in dieser Firma. Ist Instrumente verkaufen. Also das alles, was so sonst das Ökosystem nebenbei entsteht, ist halt entstanden, weil der Instrumentenverkauf gut läuft. Dann sagt man, mache ich das noch ein bisschen, jetzt kann ich mich darum kümmern und darum kümmern. Und aktuell ist eher der Fokus ein ganz anderer momentan. Die Systeme laufen für sich autark ganz gut, aber man muss den Fokus da schärfen und überlegen, wie macht man das weiter, ne? Welche Angebote kann ich machen? Wie kann ich das Angebot vielleicht besser noch mal kommunizieren? Wie kriegt man eine E-Mail-Liste besser befüllt? Also man versucht dann schon, irgendwie jetzt, man muss was machen.
Adrian Kehr: Ich habe 3 Geschäfte mittlerweile, eins in Poppenhausen, eins in der Nähe von Bamberg in Drabelsdorf und eins in Thüringen in Kreuzburg. Also Röhner Monika gibt es ja in 3 Läden, plastische, also physische Läden, wo du hinlaufen kannst. Den in Thüringen, den macht meine Schwester, da bin ich selber nicht vor Ort, den betreut meine Schwester vor Ort und die anderen 2 mache ich selber. Und man muss dann einfach das auch immer wieder auf den Prüfstand stellen, was ich heute schon gesagt habe, das darf halt nicht— Man ist nie fertig, ne? Man ist nie fertig. Weil ich das Wort noch mal ergänzen möchte, nicht dass das zu romantisch klingt. Und also auch trotzdem, dieser guten Entwicklung hat man immer wieder Herausforderungen, denen man sich stellen muss und sein System anpassen muss.
Martin Geißler: Und das kann auch mal in die andere Richtung laufen, dem bin ich mir vollkommen bewusst. Ja, aber so wie ich es raushöre, weil das hattest du auch ganz am Anfang gesagt, da als ihr da an die Ostsee gefahren seid, da war mal alles gleich. Und ich glaube, wenn du da versucht hättest, irgendwas zu verändern, dann wärst du extrem angeeckt. Mhm. Und heutzutage ist, glaube ich, je schneller du dich oder dein Unternehmen an Dinge anpassen kannst, dich verändern kannst, dann bist du der Gewinner.
Adrian Kehr: Mhm. Und die muss man nachher auch durchziehen, also diese Änderung, auch wenn die unangenehm— kann sein, keine Ahnung, du machst Preisänderung, wird es bei dir auch geben, Martin, ne? So, dann kostet halt das, was heute 300 € kostet, halt morgen 500 €, und dann kommt vielleicht jemand und sagt, wieso kostet das jetzt 500 €? Ich wollte nur 300 zahlen. Und dann muss man es halt gut argumentieren können, warum das so ist, und das ist auch nicht immer angenehm, aber das ist halt die Aufgabe einer kaufmännischen Leitung, so ein Unternehmen auch wirtschaftlich gut zu führen.
Martin Geißler: Und ja, also das ist ja jetzt z.B. jetzt, wenn du mal machen wir ja nicht groß drum herum reden, dass wir auch viele KI-Tools jetzt mittlerweile im unternehmerischen Alltag verwenden, um uns die Arbeit einfach einfacher und effizienter zu machen. Wir rechnen fast alles, also 90%, würde ich sagen, immer noch nach Stundensatz ab, bis auf Lizenzen. Da ist auch die Frage: Ja, wir schaffen jetzt ja aber viel mehr in der Stunde. Ja, dann wird es ja für den Kunden Stunden in dem Sinn günstiger. Warum gehen wir denn dann über? Warum machen wir denn das? Weil wir werden ja, wir machen dann in dem Moment ja erst mal gefühlt weniger Umsatz, weil wir ja viel schneller sind. Aber meine Denke ist halt, ja, aber dann kann ich ja viel mehr Kunden akquirieren oder noch viel mehr ableisten und kann es dann auch gegenüberstellen gegenüber jemandem, der vielleicht nur den halben Stundensatz nimmt und sagt, Ja, aber was schafft er denn in der Stunde? Was ist er denn wirklich in der Stunde wert? Und das muss man sich, glaube ich, dann ganz genau im Gegenteil anschauen und gegenüberstellen. Okay, hier kostet es die Hälfte, aber der braucht viermal so lang.
Adrian Kehr: Und am Ende bin ich dann derjenige, der am günstigsten ist, obwohl der Stundensatz am höchsten ist. Das ist ja dein unternehmerisches Geschick. Und wenn man heute sagt, ich nutze KI nicht, weil das wird ja alle Jobs killen und das ist ein ganz böses Werkzeug und so. Ich nutze das freilich auch und das ist ja dein Geschick, Martin, oder auch mein Geschick, wenn man solche Tools dafür verwendet, um einfach effektiver zu arbeiten. Also ich habe hier auf dem Handy meine Cloud-App drauf und arbeite mit Cloud. Und wenn ich unterwegs im Auto bin, also ich sage dir eins, ich bin wahrscheinlich in 2 Stunden Autofahrt produktiver wie ein anderer 8 Stunden lang im Büro. Da bekomme ich mehr geregelt unterwegs im Auto mit dieser einen App am Handy. Der macht mir Erinnerungen, der schreibt mir Termine rein, der schickt meine E-Mails automatisch raus.
Adrian Kehr: Setzt mir ja gleich 2, 3 Mitarbeiter locker. So, wenn ich das nicht nutzen würde, wäre ich ja, also bitte, ne. Und dass das nachher eine Veränderung am Arbeitsmarkt gibt oder da auch eine Veränderung in der Preiskommunikation zu Kunden oder, oder, oder, ist immer so gewesen, ne.
Martin Geißler: Ja, aber da könnte man noch einen Podcast machen über KI. Ich wollte gerade sagen, ich glaube, wenn wir jetzt in dieses Rabbit Hole reinschneiden, dann dauert es noch ein paar Stunden.
Adrian Kehr: Adrian, wenn wir uns in einem Jahr hier wieder zusammensetzen würden, was ist bis dahin passiert bei dir? Oh, gute Frage. Also Kinder kriege ich keine mehr, da habe ich schon genug davon. Privates Sektor wäre ich gern genauso glücklich wie aktuell. Das ist so meine Basic, mein Fundament. Bin sehr glücklich verliebt, habe ja eben gesagt, geschieden, eine Freundin seit 4 Jahren und Wir leben gut zusammen, haben ein geiles Leben, muss ich sagen. Das würde ich gerne weiter so haben wollen. Das ist für mich erstmal so das Wichtigste. Im Business selber, was wird bis dahin anders sein oder was ist passiert in der Zeit? Es gibt den Kartenvorverkauf fürs neue Harmonika-Fest dann nächstes Jahr.
Adrian Kehr: Das findet nächstes Jahr wieder statt. Ja, und ich muss halt schauen, das ist mein Ziel für dieses Jahr, dass ich durch diese schwere Zeit jetzt aktuell, die die Branche hat, das Unternehmen sicher durchführt. Und das wäre mir schon wichtig, dass man auch wieder mehr in Kaufabschlüsse kommt, dass Menschen glücklich werden beim Harmonikaspielen. Und manchmal schickt mir jemand eine Story, dass er heute bei der Oma war, die hatte 80. Geburtstag, und er hat ein Lied gespielt und bei der Oma sind die Tränen gekullert. Und ich denke mir so, wenn du diesen Laden nie aufgemacht hättest, wären bei der heute keine Tränen gekullert.
Martin Geißler: Und so was macht mich dann extrem extrem glücklich und von solchen Momenten würde ich gerne mehr erleben. Adrian, mega! Genau in diesem Sinne wünsche ich dir genau, dass das alles so passiert und kommt.
Adrian Kehr: Danke!
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