Socken-Business vs Konzern-Karriere: Wie Amelie Hansel (RCKTCRW) Freiheit & Finanzen neu definiert
Shownotes
Socken? …In dieser Episode von „hearwego a gain“ wird deutlich, dass auch vermeintlich „simple“ Produkte wie Socken das Ticket in die Freiheit sein können. Host Martin Geißler begrüßt Amelie Hansel, die Gründerin von RCKTCRW. Nach neun Jahren in einer stabilen Konzern-Karriere wagte Amelie den radikalen Schritt in die Vollexistenz, um ihre eigene Brand für stylische und funktionale Laufsocken aufzubauen.
Amelie gibt einen ungeschönten Einblick in die Realität einer Gründerin: Von der Erkenntnis, dass Socken technisch weitaus komplexer sind als gedacht, bis hin zum Überwinden des „Cringe Mountains“ auf Social Media. Das Gespräch dreht sich aber nicht nur um Textilien, sondern vor allem um finanzielle Freiheit. Amelie erklärt, wie sie durch kluges Investieren an der Börse das Sicherheitsnetz geschaffen hat, das sie heute befähigt, voll auf Ihr Vorhaben zu setzen.
Eine inspirierende Folge für alle, die überlegen, ihre eigene Idee Realität werden zu lassen und die Kontrolle über ihre Finanzen und ihre Zeit zu übernehmen. hearwego a gain!
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⭐️ Bulletpoints:
- Intro: Socken-Business vs. Konzern-Karriere
- Warum ausgerechnet Laufsocken? Die Gründungsidee
- Turns out: Socken sind kein simples Produkt
- 9 Jahre Konzern: Der Weg zur Entscheidung
- Die Kündigung: Zwischen Angst und absoluter Freiheit
- Finanzielle Freiheit: Warum Investieren der Schlüssel ist
- Bootstrapping: Alles allein machen (von Steuern bis Design)
- Das Mindset der Lernkurve: "Einfach mal machen"
- TikTok & Social Media: Den Cringe Mountain überwinden
- Viralität: Wie ein Video alles verändern kann
- Community-Building: Warum die Brand mehr als nur ein Logo ist
- Rückschläge & Schrottplatz-Blues: Die harten Tage als Gründerin
- Tipps für angehende Gründer: Sicherheit vs. Risiko
- Vision 2026: Skalierung und finanzielle Unabhängigkeit
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🔎 Amelie Hansel:
Webseite RCKTCRW: Webseite RCKTCRW Laufsocken
Instagram RCKTCRW: Instagram RCKTCRW
LinkedIn Amelie Hansel: LinkedIn Amelie Hansel
Instagram Amelie Hansel: Instagram Amelie Hansel
TikTok Amelie Hansel: TikTok Amelie Hansel
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🔥 Social Media Martin Geißler:
Instagram: martin.geissler.hearwego
LinkedIn: Martin Geißler
TikTok: martin.geissler.hearwego
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🚀 Webseiten von Martin Geißler:
Martin Geißler: www.martin-geissler.com
hearwego: www.hear-wego.de
Transkript anzeigen
Amelie Hansel: Es ist ja nicht nur so, dass ich sage, hey, ich entwickle jetzt ein gutes Produkt und verkaufe das, sondern von A bis Z hast du ja super viele Themen. Du bist ja auf einmal, hast du nicht mehr nur einen Shop, sondern irgendwie 10. Und dann dachte ich mir, okay, das ist vielleicht auch eine gute Sache, wenn du da mit einem simpleren Produkt einsteigst. Turns out, Laufsocken sind kein simples Produkt.
Martin Geißler: Was machen Menschen mit dir, die dir so sagen, was geht nicht?
Amelie Hansel: Die haben das für mich noch nicht ganz durchdacht.
Martin Geißler: Wie viele Kilometer läufst du selber im Jahr?
Amelie Hansel: Oh, die Statistik weiß ich nicht.
Martin Geißler: Roundabout? Okay, was läufst du in der Woche? Du bist nicht so ein Mensch, der das trackt.
Amelie Hansel: Nee, doch, ich track alles, aber ich schaue mir die Auswertung nicht an.
Martin Geißler: Amelie Hansel ist Gründerin von Rocketcrew, eine Brand für richtig stylische Laufsocken. Wer schon länger bei meinem Podcast dabei ist, der weiß, ich habe Amelie hier und da schon mal erwähnt, weil ich das nach wie vor absolut irre finde, wie man mit Socken ein Business aus dem Boden stampfen kann. Grund genug also, Amelie hierhin einzuladen und mal genauer nachzufragen, wie das funktioniert. Bevor es losgeht, noch eine kleine Bitte an euch: Lasst mir gerne wieder Kommentare und Bewertungen da, denn das hilft mir und vor allem dem Podcast, immer weiter zu wachsen und so tolle Menschen wie zum Beispiel Amelie hierhin einzuladen. So, aber jetzt geht's los mit einer neuen Episode von Here We Go Again. Man sagt ja, Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur die falsche Sportkleidung. Was ist denn in deinen Augen wichtiger? Ein Produkt oder das Marketing?
Amelie Hansel: Oh ja, die Kombination. Das ist jetzt eine langweilige Antwort, weil ich sage so, mit einem guten Produkt, das ist zwar die Basis, aber ja, wenn du schlechtes Marketing hast, kommst du halt nicht an die Leute ran. Deswegen, du brauchst schon gutes Marketing, um rauszugehen. Aber ich denke, wenn das Produkt wirklich gut ist, dann kommst du auch gut an die Kundschaft, allein schon, weil es sich weitererzählt wird.
Martin Geißler: Reicht ein gutes Produkt, meinst du, alleine aus?
Amelie Hansel: Nein.
Martin Geißler: Ja, sehe ich genauso. Sehr gut. Socken ist dein Thema und es ist total lustig, weil ich glaube, ich habe dich fast, also in 90% aller Podcast-Episoden, die ich bis dato veröffentlicht habe, mindestens mal erwähnt, weil ich das so faszinierend finde, wie man sein Business oder wie man ein Business aufbauen kann, was aus Socken besteht. Also ich in meiner Welt, ich finde das ein irrer Gedanke, eine irre Idee, und das so aufzuziehen und durchzuziehen wie du, Chapeau, Hut ab. Also vielleicht auch mal ganz interessant für die Leute, wie wir hier überhaupt zusammengekommen sind, weil wie ist das Ganze denn passiert? Schuld ist TikTok am Ende des Tages.
Amelie Hansel: Ja, und erstmal, ich freue mich immer sehr über deine Erwähnungen. Wenn ich deinen Podcast höre und komme ich vor, dann denke ich mir: Hey, cool, da bin ich. Genau, aber TikTok ist schuld. Ja, da hatte ich ja mein Reel, wo ich nach Musiklizenzen gefragt hatte.
Martin Geißler: Wenn man es auf eine Person runterbrechen will, ist der Tillmann schuld, weil der hat mich unter deinem Reel markiert und gesagt: Martin, sag doch mal was dazu. Wie ist das in Sachen Musikrechte? Dazu habe ich dann auch direkt ein Video gemacht, was auch sehr gut funktioniert hat. Ich glaube, über 20.000 Aufrufe hat es auf jeden Fall gehabt und hat jede Menge Kommentare und Engagement gebracht. Also rundum eine gelungene Sache. Und jetzt sitzen wir hier. Freut mich riesig.
Amelie Hansel: Ja, freut mich auch. Danke für die Einladung.
Martin Geißler: Und ja, so, jetzt musst du aber noch mal bitte erzählen. Also wir haben ja dann schon ein bisschen ausführlich drüber gesprochen, aber wie kommt man denn auf die— sei mir jetzt nicht böse, aber auf die waghalsige Idee, ein Business zu gründen und zu sagen: Socken, das ist was, die Menschheit, die braucht richtig gute Socken. Wie kommt man da drauf?
Amelie Hansel: Hast du denn gute Socken?
Martin Geißler: Ich habe welche zugeschickt bekommen neulich und ich muss gestehen, also wir haben jetzt den— heute ist der 29. Januar. Ich habe sie noch nicht ausprobiert, würde dir gleichzeitig aber, weil du sie mir hast schon zukommen lassen und ich sie noch nicht ausprobiert habe, weil das Wetter sportlich gesehen nicht ganz so das Meine.
Amelie Hansel: Ist.
Martin Geißler: Würde ich dich definitiv noch mal direkt einladen, wenn ich sie dann getestet habe, um dir entweder zu bestätigen oder mal gezielt nachzufragen, warum denn das nicht so ist, wie du es mir versprochen hast, wenn es okay ist.
Amelie Hansel: Ja, sehr gerne.
Martin Geißler: Aber jetzt erzähl mal, wie kamst du auf die Idee, da in dieses Sockenbusiness einzusteigen?
Amelie Hansel: Also man muss sagen, bei mir kam erst die Idee, dass ich was gründen möchte. Und dann die Idee zu den Socken.
Martin Geißler: Also, du hast so eine Unternehmergeburt gehabt?
Amelie Hansel: Genau, da hatte ich seit Jahren quasi schon überlegt, was könnte meine Idee sein, wo will ich hin, und dachte eher so in die Richtung Software-App-Entwicklung. Und dann irgendwie kam es auch mehr zu den physischen Produkten, weil ich mir dachte, mein Leben lang irgendwie digital gearbeitet, und ich liebe das digitale Thema, so ist es nicht, aber einfach mal was Greifbares zu haben, ist schon auch mal wirklich eine feine Sache und ich laufe halt sehr gern. Also als Hobby bin ich ja als Läuferin unterwegs und da wollte ich mir dann vor ungefähr dreieinhalb Jahren mal schöne pinke Laufsocken kaufen, die einfach wirklich gut zu meinen Schuhen matchen, die zu dem Zeitpunkt schwarz und pink waren und einfach sehr clean sind. Und im Radsport gibt es sehr viele cleane Kleidungen und Socken und beim Laufen war es einfach noch gar nicht der Fall, wo ich mir dachte, okay, eigentlich ein vermeintlich simples Produkt, das es zu dem Zeitpunkt aber einfach nicht so gab. Wie ich es gerne gehabt hätte. Und dann habe ich eins zu eins zusammengezählt und dachte mir, hey, das ist doch jetzt mal meine Chance, da einzusteigen. Vor allem auch, weil das ganze Unternehmertum, da gehört ja sehr viel dazu zu der ganzen Gründung. Es ist ja nicht nur so, dass ich sage, hey, ich entwickle jetzt ein gutes Produkt und verkaufe das, sondern von A bis Z hast du ja super viele Themen.
Amelie Hansel: Du bist ja auf einmal, hast du nicht mehr nur einen Job, sondern irgendwie 10. Und dann dachte ich mir, okay, das ist vielleicht auch eine gute Sache, wenn du da mit einem du mit einem simpleren Produkt einsteigst, um den Rest auch einfach gut zu lernen und zu machen. Turns out: Laufsocken sind kein simples Produkt, aber auch da fuchse ich mich gerne rein oder habe ich mich jetzt schon sehr gerne reingefuchst. Aber so kam es zu der Idee.
Martin Geißler: Okay, cool. Wann kam denn dieser Wunschgedanke des Gründens auf?
Amelie Hansel: Sehr früh eigentlich. Also ich war schon im Abi im P-Seminar Unternehmensgründung, habe da aber noch gar nicht so gemerkt, dass es mich so catcht. Also ich fand es cool, habe es danach aber auch nicht weiterverfolgt. Und dann habe ich mir einfach, ich war jetzt 9 Jahre im Konzern und habe mir damals so die Frage gestellt, wo will ich hin? Also möchte ich so Konzernkarriere machen, wie will ich das vielleicht für mich auch irgendwann vereinbaren, so Familie und Karriere zum Beispiel, ist bei Frauen ja doch noch mal ein anderes Thema. Und hatte mich da einfach viel reflektiert, auch mit Coaches gesprochen und für mich einfach so als Plan, wie würde mein Traumleben aussehen, festgestellt, okay, diese Eigenständigkeit, diese Selbstständigkeit. Ich habe einen starken Freiheitsdrang und da gehört dann auch wirklich das dazu, dass ich machen kann, was ich möchte. Also sei es jetzt auch das Produkt, aber auch so dieses, wie gestalte ich meinen Arbeitstag zum Beispiel, oder halt auch finanziell zum Beispiel. Ist natürlich bei Selbstständigkeit irgendwie so, ja, finanziell, also entweder geht es dir dann gut oder es ist halt eben super schwer.
Amelie Hansel: Da bist du halt im Angestelltenverhältnis irgendwo zwar limitierter, aber auch irgendwo sicherer. Aber ja, so von dem Freiheitsdrang her kam das.
Martin Geißler: Also würdest du Unternehmertum mit Freiheit gleichstellen?
Amelie Hansel: Für mich ja.
Martin Geißler: Okay.
Amelie Hansel: Stand jetzt. Also ich bin jetzt seit eineinhalb Jahren quasi selbstständig. Und Stand jetzt ist es deutlich mehr Freiheit, als ich es im Angestelltenverhältnis hatte.
Martin Geißler: Du hast ja gesagt, du hast 9 Jahre Konzern mitgemacht. Was sind denn die guten Seiten aber an einem Konzern? Was würdest du oder was misst du heute eventuell?
Amelie Hansel: Ja, bei mir speziell ist es die Zusammenarbeit mit den Kollegen. Bei uns ist es so, wir haben zwar zu dritt gegründet, aber ich bin die Einzige in Vollzeit. Und so, dies ist wirklich, dass ich ins Büro gehe, Gut, das ist jetzt auch wieder kontra Homeoffice, aber das ist ein anderes Thema. Dass ich ins Büro gehe, mit den Leuten zusammensitze, dass man sich einfach mal schnell austauscht, auch einfach mal über andere Themen. Das vermisse ich gerade, weil man halt wirklich selber an seinem Thema arbeitet und nicht einfach in der großen Menge zusammenkommt. Und ja, es gibt natürlich viele Vorteile, sei es jetzt auch Richtung Weiterentwicklung. Du hast halt einfach die Sicherheit, auch finanziell und von der Struktur her. Obwohl ich finde, dass es auch oft überbewertet wird, weil wenn man mal ein paar auch Konzerne anschaut, die dann Stellen abbauen, da ist die Sicherheit dann ganz schnell gar nicht mehr so gegeben.
Amelie Hansel: Aber theoretisch hast du halt mehr Sicherheit da, du hast regelmäßig dein Gehalt und vor allem, du bist halt finanziell auch nicht direkt verantwortlich für die Dinge, die du da tust. Also wenn ich sage, ich bringe da ein Projekt voran, dann bin ja nicht ich die Person, die dieses Projekt finanziell stützt. Und jetzt mit unserem Business, ja, wir ja, wir haben machen Bootstrapping, also durch Eigenkapital, heißt alles, was wir da investieren, ist unser eigenes Geld. Und das ist natürlich ja im Konzern schon ein Vorteil, dass man da jetzt nicht sein eigenes Geld direkt rein investiert.
Martin Geißler: Krasser Unterschied, würde ich sagen, ja. Aber ich sehe es auch so, dass da nur eine vermeintliche Sicherheit besteht, wenn du da als Angestellter unterwegs bist, weil man sieht es leider ja gerade an vielen Ecken und Enden, dass da ganz schön viel passiert mit deutschen Markt.
Amelie Hansel: Ja, ich habe es jetzt auch bei einigen Freundinnen tatsächlich gesehen, die aus der Elternzeit zurückkommen oder aus dem Mutterschutz und danach nicht wieder in ihren Job konnten. Also deswegen, das sind dann schon Momente, wo du dann auf einmal da stehst, vielleicht irgendwie als Mutter in Teilzeit, und hast auf einmal deinen vermeintlich sicheren Job nicht mehr so weiterführen können, wie du davor eigentlich dachtest, dass du einfach zurückkommst.
Martin Geißler: Und das ist richtig möglich.
Amelie Hansel: Also wenn du auf einen anderen Job kommst, den du dann nicht mehr machen willst, zum Beispiel, oder dein Job an sich abgebaut wird, dann würdest du wahrscheinlich schon auf Jobs kommen, weil es rechtlich ja nicht möglich ist, dich direkt einfach zu kündigen. Aber es ist natürlich auch die Frage, ob du das für dich dann möchtest.
Martin Geißler: Ja, ja, okay, verstehe. Lass uns zu den Socken zurückkommen, weil also ich finde es ja super spannend. Jetzt mal angenommen, ich hätte die Idee oder ich habe die Idee, Laufsocken. So, jetzt hast du ja noch nichts in der Hand, sondern du musst ja auch irgendwas herstellen. Wie ist denn da der erste Weg?
Amelie Hansel: Ja, googeln. Ja, das war wirklich so dieses: Wie finde ich einen Hersteller? Erstmal googeln, ChatGPT, wer stellt mir das her? Wir wussten von Anfang an, wir möchten in Europa produzieren, also das hat das Ganze dann schon mal ein bisschen eingeschränkt. Und dann vor allem Netzwerk, also einfach mal rumfragen. Also, und je mehr man mit Leuten darüber spricht, desto mehr Input bekommt man auch. Ja, und dann einfach mal mit Herstellern einfach kontaktieren, einfach mal sprechen.
Martin Geißler: Jetzt hat aber niemand auf dich gewartet, sondern du musst dein Produkt irgendwie auch präsentieren, entwickeln. Hast du da angefangen, sag jetzt mal, die Designs einfach auf dem Blatt Papier zu malen, oder wie Wie ist das vonstatten gegangen? Ja, also du merkst vielleicht, also weil ich habe jetzt nicht mit Produkten zu tun, die man unbedingt in die Hand nehmen kann, darum ist es so eine komplett andere Welt für mich, darum hole ich da gerne mal ab.
Amelie Hansel: Aber es ist witzig, dass du das so sagst, weil es war tatsächlich so, dass ich die ersten Designs und auch den Aufbau einfach auf Papier gemalt habe, weil ich mir dachte, klar, ich könnte das jetzt auch erstmal mit Canva oder irgendwelchen Tools einfach darstellen, aber so dieses klassische Brainstorming finde ich auf dem Papier immer einfacher und ich wusste ja auch gar nicht, wenn ich jetzt zu einem Hersteller gehe, wie bringe ich dem denn nahe, wie mein Socken aufgebaut sein soll. Ich hatte mir davor eben, ich war ja eh, also bin ja eh Läuferin, und hatte mir dann extra noch mal verschiedenste Socken eben angeschaut, bestellt, getestet, wusste dann schon, wie soll mein Aufbau ungefähr sein, aber wie visualisiere ich das? Und dann habe ich halt wirklich auf einem Blatt Papier einen Socken aufgemalt und die Flächen farbig schraffiert, wo ich sage, okay, blau bedeutet jetzt Kompression zum Beispiel. Rot bedeutet jetzt hier so ein bisschen dicker. Also auch so diese Fachbegriffe. Ich komme nicht aus dem Textilbereich, waren mir noch nicht so geläufig und da dann einfach mal so zu starten und das Gleiche bei Designs. Erst mal so ein bisschen gescribbelt auf dem Blatt Papier. Ich habe mir dann einfach mal blanko weiße Socken ausgedruckt und dann einfach immer ein bisschen Designs drauf gemalt. Später, jetzt aktuell auch, mache ich oft erst mal so ein Scribble mit Canva, dass ich sage, ich mache da mal hier so einen Schriftzug oder mal ein Bildchen drauf oder wie ich es auch immer haben möchte.
Amelie Hansel: Ja, und dann wird das Ganze natürlich professioneller, weil man dann schon weiß, was braucht der Hersteller, um das umzusetzen. Wir haben jetzt unsere zweite Kollektion quasi rausgebracht. Jetzt wissen wir natürlich auch schon ein bisschen, was brauchen die von uns, um das so umzusetzen, damit es auch am Ende so aussieht, wie ich das möchte und nicht wie eine Handzeichnung.
Martin Geißler: Warte mal, lass uns dann noch mal ein paar Schritte zurückgehen, weil okay, jetzt hast du es auf Papier. Und irgendwann kommt ja der Moment, dann hast du zum allerersten Mal wirklich was in der Hand. Und hast du dir in dem Moment gedacht: Oh geil! Oder: Scheiße!
Amelie Hansel: Oh, gute Frage. Nee, es war auf jeden Fall erst mal richtig gut, weil das erste Mal wirklich so dieses eigene Produkt in der Hand zu haben. Ich war auch super nervös davor, weil ich wusste, es kann jetzt eben genau in diese zwei Richtungen gehen. Ja, genau. Und was ist, wenn ich es anschaue und denke mir so: Das war gar nichts. Nee, aber es war wirklich so, dass ich sage, hey, richtig cool, das ist einfach unseres jetzt. Und wir hatten es bewusst schon mal so ein bisschen verschiedene Varianten bestellt, weil wie gesagt, hatten mal hier ein bisschen Logo größer, mal ein bisschen kleiner, damit man direkt schon mal Vergleiche hat. Und dann konnte man sich da schon ein bisschen orientieren und sagen, hey, das ist schöner, das Material ist besser.
Amelie Hansel: Das hat dann schon sehr geholfen, aber es hat auf Anhieb schon mal sehr unseren Vorstellungen entsprochen.
Martin Geißler: Okay, jetzt hast du gerade gesagt wir. Wie groß ist euer Team?
Amelie Hansel: Wir sind zu dritt. Okay. Genau. Und ich eben in Vollzeit und die anderen machen das nebenher. Und wir haben uns dann thematisch auch ein bisschen aufgeteilt, obwohl man sagen muss, bei einer Gründung macht grob jeder eigentlich alles ein bisschen. Aber wir versuchen uns da schon immer wieder ein bisschen auch abzugrenzen, damit man sich auch die Last auch ein bisschen teilt.
Martin Geißler: Wie lange war der Zeitpunkt oder der Zeitstrahl von Ich habe die Idee, das zu starten, bis hin, ich habe zum allerersten Mal was in der Hand.
Amelie Hansel: Man muss sagen, ich habe meinen Job gekündigt, bevor ich gegründet habe. Das kam einfach daher, dass ich wusste, ich will jetzt was ändern und habe mich dann sehr konkret mit der Idee befasst.
Martin Geißler: Warum hast du das gemacht? Warum hast du gekündigt?
Amelie Hansel: Ich habe erst immer gedacht, ich gründe nebenberuflich. So, ich baue da was auf und wenn ich merke, hey, es läuft, es bringt mir Geld ein, dann mache ich das Vollzeit. Das war so der Idealgedanke. Ich habe dann aber gemerkt, dass mein Job mir einfach so viel Energie geraubt hat oder einfach gebraucht hat, sage ich mal so. Da war am Ende des Tages einfach nicht mehr viel Energie übrig, um zu sagen, ich gründe jetzt noch. Weil das ist halt, eine Gründung braucht in dem Fall dann doch mehr Kapazität, als ich setze mich jetzt vielleicht jeden Abend mal eine Stunde hin und mache da irgendwas. Also Chapeau auch an alle, die das schaffen nebenbei. Also da habe ich wirklich Respekt.
Amelie Hansel: Aber für mich hat es so einfach nicht geklappt. Und dann habe ich gesagt, okay, ich möchte jetzt was ändern, ich kündige jetzt und guck einfach noch mal. Ich dachte erst, ich gehe in eine Auszeit, vielleicht bisschen reisen, einfach mal gucken, was ich mache. Und noch während der Zeit zwischen Kündigung und Ende im Unternehmen habe ich eigentlich schon festgestellt, nee, ich will die Gründung jetzt komplett angreifen, Vollzeit. Ja, und dann hat es ungefähr Ich sag mal, ein halbes Jahr gedauert, bis wir das Unternehmen angemeldet haben. Die Entwürfe hatten wir ungefähr, ich sag mal, im Dezember, so was mit Herstellersuche, und die richtigen Samples hatten wir dann so im April in der Hand. Also so 5 Monate, denke ich, von Entwurf bis zum ersten Sample.
Martin Geißler: Also ein halbes Jahr, 5 Monate, also fast ein Jahr.
Amelie Hansel: Ja, also genau, und wir hatten jetzt Anfang letzten Jahres das Unternehmen angemeldet und live gegangen sind wir dann letztendlich jetzt im November letzten Jahres. Also von Unternehmensanmeldung bis Live-Gang war es jetzt fast ein Jahr tatsächlich. Und das habe ich unterschätzt, weil ich dachte, wenn man da dran bleibt, auf Zack einfach nachbohrt, dann geht es schneller. Aber man hat halt gerade als Gründer oder als neues Unternehmen so viele Abhängigkeiten zeitlich, gerade bei so Herstellern. Weil wenn die sagen, das dauert jetzt 8 Wochen, dann dauert es 8 Wochen. Dann hilft es auch nichts, wenn ich da dreimal nachfrage. Und wenn es dann Verspätung hat, weil irgendwie Italien im August nicht produziert, dann ist es so. Und das hat mich viele Nerven gekostet.
Martin Geißler: Okay, das glaube ich. Also wenn man jetzt mal überlegt, das ist ja wirklich ein Jahr von der Idee bis hin zu ich habe was in einem Shop. Es kann jetzt käuflich erworben werden und du verdienst zum allerersten Mal Geld. Da ist ja das Thema Finanzierung oder Finanzen ein sehr wichtiges.
Amelie Hansel: Das siehst du richtig. Ja, und mir war das davor schon bewusst, als ich gekündigt habe, hatte ich ja eben erstmal diesen Plan mit der Auszeit, und dann war mir schon bewusst, dieses, so ich habe jetzt Ersparnisse, und vor allem jetzt bin ich auch noch sehr unabhängig. Ich habe keine Kinder, ich habe keine Baufinanzierung, also mir war war der Gedanke schon klar, dieses finanziell so abhängig, unabhängig wie jetzt werde ich wahrscheinlich so schnell nicht wieder sein, oder in Zukunft wird es einfach schwieriger, und kann die Chance jetzt einfach auch mal nutzen, von meinen Ersparnissen zu leben, weil ich dann einfach schon einige Jahre gearbeitet hatte, und das zu nutzen. Und wir finanzieren uns ja aus Eigenkapital, das heißt, alles, was wir eben brauchen, zahlen wir selbst ein. Die anderen, meine Zwei Mitgründer sind ja noch berufstätig, das heißt, da ist natürlich noch mal eine andere Sache. Ich hatte dann 6 Monate den Gründungszuschuss bekommen vom Amt, einfach weil ich das in Vollzeit mache und mir auch der Großteil des Unternehmens gehört, muss man auch sagen. Das war dann eine wichtige Voraussetzung. Ja, und mir war sehr klar bewusst, dass ich da jetzt einfach gucken muss, wie lange möchte ich das machen.
Amelie Hansel: Ich setze mir auch immer wieder ab, wie lange würde ich das noch stemmen können oder wollen, weil es natürlich keinen Sinn macht, die Ersparnisse komplett jetzt irgendwie aufzubrauchen, brauchen. Aber ich dachte mir auch, ich gebe mir jetzt auch die Chance, das einfach mal machen zu können, weil ich jetzt noch die Freiheit habe, sage ich mal so, finanziell auch.
Martin Geißler: Was machen Menschen mit dir, die dir so sagen, was geht nicht?
Amelie Hansel: Die haben das für mich noch nicht ganz durchdacht, weil ich finde, so eine Unternehmensgründung, du analysierst ja schon den Markt, du rechnest es ja durch. Ich finde zwar so Businesspläne sind oft schon sehr weit ja, weit weg von der Realität, weil du kannst zwar schon berechnen, wie ist der Markt, welche Käufer habe ich dann vielleicht, aber die konkreten Zahlen sind, glaube ich, schon oft schwer zu analysieren. Aber trotzdem kannst du dir ja sehr klar berechnen, was habe ich für ein Produkt, wie viel kostet es, was habe ich vielleicht auch an Budget und wie lange reicht es, und einfach dieses größer zu denken, das einfach mal zu machen und auszuprobieren. Und was ich jetzt halt auch merke bei meiner Gründung, dass sich da immer wieder neue Türen öffnen. Also so, man fängt mal mit was an und dann sieht man aber erstmal wirklich, was wird gefragt und was wird auch gebraucht am Markt. Und ich sag mal so, davor, ich habe mir ja sehr viele Gedanken gemacht und sehr viel recherchiert und auf manche Dinge bin ich trotzdem nicht gekommen, einfach weil dieses theoretische denken, ist halt trotzdem noch mal was anderes, wie wenn man wirklich mal so dieses Feedback bekommt.
Martin Geißler: Wie viel Prozent würdest du sagen, weicht der oder dein Plan von der tatsächlichen Umsetzung ab am Ende des Tages?
Amelie Hansel: Ich sag mal, wir entwickeln uns eigentlich immer mehr weg davon. Also noch sind wir nah dran, aber kann ich gleich schon mal so sagen, wir hatten ja uns erstmal rein auf dieses B2C-Geschäft fokussiert, dass wir sagen, hey, wir machen schöne Socken, die uns einfach gut gefallen, die top von der Qualität, vom Aufbau her sind, und haben jetzt schon gemerkt, dass es aber auch zum Beispiel im B2B-Umfeld viel Nachfrage gibt, wo wir sagen, hey, wieso sollten wir das zum Beispiel irgendwo auslassen? Das hatten wir am Anfang gar nicht auf dem Schirm, und jetzt gucken wir halt auch da, was es da für Möglichkeiten gibt, wo wir da vielleicht hin wollen. Und da kann ich mir schon vorstellen, dass es früher oder später vielleicht auch noch mal in irgendwelche anderen Richtungen weitergeht. Die man dann erstmal merkt, wenn man halt einfach mal dabei ist. Und das finde ich auch immer interessant, wenn man andere Gründer anschaut, weil viele ja nicht mehr machen, was die ursprüngliche Anfangsidee war. Also das ist ja ganz üblich, es wird halt oft nicht gesehen, weil gerade die ganz Großen, die werden dann für ihre ja, eigentlichen, eigentlichen Unternehmen gesehen. Auch mit Amazon zum Beispiel, dass das irgendwie am Anfang vielleicht einfach nur so ein Online-Buchhandel war, Und jetzt ist es halt ein Riesen-Marketplace und das sieht man jetzt natürlich nicht mehr. Da hätte man sich damals vielleicht auch gefragt: Braucht es noch irgendwie einen Online-Buchhandel?
Martin Geißler: Lustig, wenn heute jemand sagen würde: Das war mal ein Bücherladen.
Amelie Hansel: Genau.
Martin Geißler: What? Da hat es nur Bücher gegeben? Irre. Ja, spannend, weil da sieht man, finde ich, mal wieder, einfach mal den ersten Schritt zu gehen ist so wichtig und dann kommen schon alle anderen Dinge.— ich nenne sie jetzt nicht auch Probleme, sondern eher Herausforderungen— auf dich zu, die dir dann auch wahrscheinlich Wege aufmachen, die du vorher noch gar nicht in Betracht gezogen hast.
Amelie Hansel: Total. Ich finde, das sieht man auch mit Social Media dann noch mal stark. Also ich teile ja meine Gründung ganz gerne auch auf Social Media.
Martin Geißler: Das finde ich übrigens mega stark. Damit hast du mich sowas von abgeholt. Das fand ich so auf Augenhöhe mit deiner Community, die du dir aufbaust, dass du die da mitnimmst. Sorry, dass ich jetzt so reingeschrien habe. Alles gut.
Amelie Hansel: Es freut mich, dass es dich so freut.
Martin Geißler: Aber ja, weil es glaube ich auch anderen Mut macht, vielleicht diesen Weg zu gehen. Also dass du zeigst, okay, wir waren jetzt das Gewerbe anmelden. Jetzt ist der nächste Schritt. Ich bin auf einer Messe und schaue mir Dinge an. Jetzt ist eine Lieferung gekommen. Scheiße, da ist was schiefgelaufen. Was können wir beim nächsten Mal besser machen? Das ist super. Es ist ja nichts geradlinig.
Martin Geißler: Was einfach durchläuft. Ich habe die Idee gehabt, jetzt sind die Sachen im Shop und es läuft einfach, sondern da sind ja ganz viele Hindernisse und Hürden immer mit dabei, die viele gar nicht anders sehen. Also wie ich von vielen auch höre, ja, das mit dem Podcast, das sieht so super easy aus, aber was da im Background alles passiert, ist enorm.
Amelie Hansel: Und das war der Plan. Das war mir wichtig, weil wie gesagt, ich hatte schon lange die Idee mit der Gründung. Und man hat aber oft das Gefühl, dass alle, die dann gegründet haben, die wussten genau, was sie da tun. Sie wissen genau, wo sie hinwollen, wie das Produkt aussehen soll und was dazugehört, um das so umzusetzen. Aber die Realität ist, das ist ja gar nicht so.
Martin Geißler: In der Retrospektive sieht es immer so aus wie: Ja, dann kommen alle Zahnräder irgendwie zusammen und er hat einen Masterplan gehabt.
Amelie Hansel: Genau. Oder die Schlüsselmomente, wo man sagt: Ja, und dann habe ich da deswegen so und so weitergemacht. Ja, aber das ist schon wichtig, dass man auch mal zeigt, dass es eigentlich so ein Herantasten ist. Auch dieses Unternehmertum muss man ja erst mal lernen. Und das zeige ich dann ganz gerne auf TikTok und Instagram.
Martin Geißler: Gibt es auch Momente, die du jetzt nicht auf Social Media teilst, wo du dir auch mal denkst, so, ich weiß nicht, ob das eine gute Idee war?
Amelie Hansel: Nein.
Martin Geißler: Ist das sehr gut.
Amelie Hansel: Ja, also nein, Spaß. Also ich hinterfrage nicht die Gründung. Es ist nicht so, ich habe tatsächlich nicht die Momente, Momente, wo ich mir denke, war das jetzt so gut, sollte ich das vielleicht anders machen? Also da stehe ich voll und ganz dahinter. Es gibt natürlich Momente, die ich nicht so teile, weil es natürlich die Frage ist auch, was kann ich manchmal teilen, was kann man so sagen, obwohl ich sehr offen und ehrlich zeigen will, weil ich mir denke, gerade diese Höhen und Tiefen sind ja auch gut zu sehen, weil ich eben auch will, dass man mal sieht, dass nicht alles easy ist, dass es aber trotzdem irgendwie jeder schaffen kann, der das möchte. Aber es gibt natürlich Momente, wo ich mir schon denke, okay, Kann man sie jetzt teilen? Auch strategisch? Ist es sinnvoll oder zu welchem Zeitpunkt kann ich es vielleicht auch teilen?
Martin Geißler: Ich weiß, es ist eine fiese Frage, aber was ist denn zum Beispiel einer dieser Momente?
Amelie Hansel: Ja, das ist eine fiese Frage. Ja, gerade das Thema zum Beispiel mit Herstellern oder mit dem Aufbau zum Beispiel. Also dieses, ich glaube gerade auch die Schwierigkeiten irgendwo mal beim Namen zu nennen, ist wichtig. Aber man muss ja schon gucken, dass man auch sich nichts verbaut.
Martin Geißler: Was ist da denn für dich wichtiger? Also klare Kante zu zeigen, oder?
Amelie Hansel: Ich glaube, dieses authentische Thema einfach, also wie es sich richtig anfühlt, aber auch kritisch zu hinterfragen, was bringt uns jetzt weiter? Also jetzt keine halbgaren Themen irgendwie zu sagen, dass ich sage, heute habe ich irgendwie eine schwierige Mail bekommen. Da dann gleich das alles zu teilen und irgendwie vielleicht irgendwelche schlafenden Hunde zu wecken, macht, glaube ich, keinen Sinn. Aber wirklich so Schlüsselmomente, dass man wirklich mal zeigt, hey, wir haben hier vielleicht ein Problem, kam unerwartet, hätte ich mir gehofft, das ist anders. Das ist dann, glaube ich, sehr wichtig zu teilen, um da halt wirklich auch die Realität zu zeigen.
Martin Geißler: Was war der letzte Schlüsselmoment?
Amelie Hansel: Ja, gerade Richtung Herstellung müssen wir einfach noch gucken, also weil wir wollen ja das beste Produkt. Aber da einfach zu gucken, in welche Richtung wir weitermachen. Da hatten wir jetzt ein paar Schlüsselmomente, wo wir einfach noch mal schauen müssen, zu welchem Zeitpunkt man da halt einfach das Ganze dann auch kommunizieren kann. Vor allem, weil wir halt dann einfach nicht nur wir dranhängen, sondern halt gerade, wenn man mit Leuten zusammenarbeitet, ja, sind ja mehrere Seiten beteiligt. Und da muss man dann schon überlegen, was ist— nur weil ich das teile und ich das für mich gerne den Leuten näherbringe, heißt es ja nicht, dass das gleich andere Leute irgendwo öffentlich machen wollen, was wir da besprechen. Das sind für mich dann auch die Challenges, dass ich sage, das ist nur, weil ich das gerne dann verbreite, diese Info, heißt es nicht, dass es für alle anderen in Ordnung ist.
Martin Geißler: Sehr diplomatisch geantwortet, aber lassen wir mal so stehen. Hast du Bock, in das Thema Finanzen ein bisschen tiefer einzusteigen?
Amelie Hansel: Ja, sehr gern. Da komme ich ja her.
Martin Geißler: Ja, eben drum, weiß ich doch, weil Ich habe mit diesem ganzen Game vor ungefähr einem Jahr angefangen, also wirklich mir ein eigenes privates Depot anzulegen. Also jetzt mal komplett weg von der Altersvorsorge. Das ist für mich so ein Baustein, der läuft auch schon seit vielen Jahren nebenbei. Also den gucke ich gar nicht groß an, sondern das läuft einfach. Aber einfach ein privates Depot mal aufzumachen, sich mit den Themen Aktien zu beschäftigen, das mit dem Thema ETFs, ETCs, Bitcoin und so weiter. Und ich habe jetzt da über ein Jahr die Erfahrung gemacht und muss jetzt für mich feststellen: Schade, dass ich so lange damit gewartet habe.
Amelie Hansel: Ja, da hast du auch einen guten Marktzeitpunkt erwischt, muss man sagen. Seit einem Jahr jetzt, da ging es ja kontinuierlich nach oben in den meisten Werten.
Martin Geißler: Ja, wobei, also ja, ich bin mit dem Depot, so wie es sich entwickelt, sehr zufrieden. Ja, also das ist irre, was da gerade passiert.
Amelie Hansel: Guter Zeitpunkt.
Martin Geißler: Habe mir aber auch im Vorfeld, und da habe ich mit ganz kleinen Beträgen angefangen, mich ranzutasten mit ETF-Produkten, auch mit Kryptowährung, Bitcoin, Ripple und Ethereum. Und so das ganze Crypto-Game, ich spüre das irgendwie überhaupt nicht. Das ist überhaupt nicht das Meine, weil ich das nicht greifen kann. Und was ich jetzt nach einem Jahr auf jeden Fall für mich runterbrechen kann, ist, wenn ich nicht weiß, was ich da tue, oder keinen Plan habe, wie es oder warum es und wie es funktioniert, lass ich jetzt die Finger davon. Zum Beispiel Krypto ist für mich immer noch kryptisch, wenn man so will. Also das kann mal einen Tag so und einen Tag so sein und keiner kann mir erklären warum wirklich. Ist jetzt bei Silber, Gold und Kupfer, ist eine Logik für mich dahinter. Darum darf für mich, ich meine das für mich verstanden zu haben, gerne deine Meinung dazu.
Amelie Hansel: Das ist ein super Grundsatz, weil man sollte wirklich nur in Dinge investieren, die man verstanden hat, weil sonst ist es wirklich eine gefährliche Sache, wenn du da in irgendwelche Werte gehst, wo du einfach die Logik dahinter nicht verstehst. Oder auch allein dieser Grundsatz, dieses Kann ich eigentlich mehr Geld verlieren, als ich da investiere? Da gibt's ja auch Produkte tatsächlich. Also das ist einfach sehr wichtig, da schon zu verstehen, was mache ich, obwohl ich da auch wieder so eine kleine Grenze setzen muss, weil so Finanzprodukte sind manchmal schon auch kompliziert. Also ich möchte keine Angst machen, aber es sind auch kompliziert. Und ich glaube, das ist auch oft der Grund, warum Frauen weniger schnell investieren an der Börse, weil sie einfach nicht ganz so ja eher sicherheitsbedacht sind. Und wenn sie das Gefühl haben, sie haben das Produkt noch nicht 100% verstanden, lassen sie es lieber. Und ich glaube, da sind Männer einfach ein bisschen mehr auf das Risiko aus generell. Aber im Endeffekt ist es der richtige Gedanke, dass man es versteht, was es ist, auch wenn man es vielleicht nicht zu 100% verstanden hat, sondern nur zu 90%, zum Beispiel.
Amelie Hansel: Aber das ist auf jeden Fall der richtige Gedanke. Aber das ist mega, dass du dich.
Martin Geißler: Da ja Ich meine, hinzukommt auch unser Kundenportfolio bei HearWeGo, also im Podcastbereich. Also wir produzieren das Format für Getex Exchange und für JustTrade. Und wenn du dann auch alle 2 Wochen dann eine Podcast-Episode definitiv hörst, weil sie auch von uns produziert wird. Ich habe am Anfang fast gar nichts verstanden. Und mittlerweile glaube ich, bin ich so bei 90% angelangt, dass ich sage, okay.
Amelie Hansel: Das ist doch top.
Martin Geißler: Also man kann sich da relativ schnell reinfuchsen, finde ich.
Amelie Hansel: Total. Vor allem, man muss auch wirklich sagen, mit ChatGPT und Co., also bitte lass dir keine Anlageempfehlungen von ChatGPT geben, aber die Grundlagen einfach mal erklären zu lassen, was, warum, wie, das kannst du natürlich auch super gut, vor allem so ein bisschen auf die eigene Situation vielleicht auch angepasst. Also das sehe ich da auch als Riesenchance. Und vor allem auch wirklich so dieses Thema, für mich sollte jeder eigentlich sein Geld investieren und sich in gewissem Maße mit diesen Themen vertraut machen, also wirklich auch so mit den Wertpapieren, einfach mit der Börse, weil es einfach unfassbare Chancen mit sich bringt. Und bei mir sehe ich ja auch, also ich investiere auch einen Großteil meines Geldes, wahrscheinlich auch manchmal ein bisschen zu viel, da muss ich immer gucken, dass ich noch liquide bleibe, vor allem wenn ich mal wieder was in unser Unternehmen quasi reinschießen muss. Da kann schon mal passieren, dass ich erst noch mal ein paar Wertpapiere verkaufen muss dafür. Aber das hat mir selber auch sehr viel finanzielle Freiheit geschaffen, weil ich da halt auch einfach sehe, dass das Geld halt für mich arbeitet. Und das muss man halt wirklich sagen, dass man nicht einfach nur arbeitet, um Geld zu haben, sondern halt ab einem gewissen Zeitpunkt auch gutes Geld für sich arbeiten lassen kann und sich dann halt wieder andere Freiheiten schafft.
Amelie Hansel: Um selber an anderen Dingen zu arbeiten als rein für dieses Geldverdienen.
Martin Geißler: Wenn jetzt da jemand anfängt, so wie ich es getan habe vor einem Jahr, also ich bin da einfach, so wie du gesagt hast, ich habe einfach mal angefangen, ich glaube mit 200 oder 300 € und habe einfach mal rumgespielt, wirklich, und habe ausprobiert, habe mal gekauft, wieder verkauft, habe mich dann wieder eingelesen, was passiert da, und irgendwann wirst du ja sicherer. Ja, dann hörst du auch einen Podcast in dem Bereich, dann kannst du die KI die ganze Zeit fragen mit, wie ist es steuerlich und was es da nicht alles zu beachten gibt. Was wäre für dich denn Step Nummer 1? Also weil es gibt ja jetzt mehrere Möglichkeiten. Ich kann mich selber damit beschäftigen und kann mir irgendeine App runterladen und kann dort einfach mal Geld reinschießen oder Ich gehe zur Bank und lass es die machen. Wovon ich zum Beispiel gar nichts halte, weil ich der Meinung bin, dass gerne jemand Geld verdient bei der ganzen Nummer, und das ist die Bank.
Amelie Hansel: Ich auch. Da bin ich auch gar kein Fan tatsächlich davon. Da habe ich auch einfach für mich schon zu viel mitbekommen, wo ich sage, ja, würde ich jetzt nicht so machen, eben das einfach so beraten zu lassen und dann investieren zu lassen. Zumal du da ja auch wieder nicht weißt, in was investiert ist. Du verlässt dich auf diese Information. Aber ich denke immer, es ist besser, da selber einfach das Ganze im Griff zu haben. Dann hast du ja auch das bessere Gespür dafür. Und ich glaube, es ist wirklich gut, wie du sagst, wie du es gemacht hast.
Amelie Hansel: Also mal ein Depot eröffnen und sich nebenher einfach Informationen zu holen. Also sei es jetzt zum Beispiel über KI, gibt ja auch gute Bücher oder auch Podcasts, oder es gibt ja auch super Kanäle auf Instagram und Co. Wo du einfach auch dir einfach die Informationen bisschen holen kannst, je nachdem wie man auch so gestrickt ist, ne. Es gibt spezielle Kanäle für Frauen auch, die einfach da so ein bisschen die Themen mehr abholen, die die Frauen zum Beispiel eher ansprechen. Oder ich denke auch Kanäle, wo es eher so wirklich Richtung Trading geht, wo vielleicht für die, die da wirklich schon richtig handeln wollen, einfach mehr da in die Richtung geht. Und das dann einfach parallel zu probieren, weil das ist eigentlich wieder so ein Pendant zur Gründung, so dieses Die reine Theorie bringt dir wenig, wenn du es nicht machst. Und einfach das dann nebenher so zu machen, dass man sagt, okay, ich eröffne jetzt schon mein Depot, und dann, ja, schaue ich mir an, in was sollte ich vielleicht investieren, wie kaufe ich eigentlich, und dann mache ich das gleich mal nebenher. Und das ist dann eigentlich das Beste.
Amelie Hansel: Und mit kleinen Beträgen anfangen würde ich auf jeden Fall raten, ja, sicher, weil es wird immer Momente geben, wo man sich denkt, das war jetzt vielleicht nicht der gute der gute Kauf. Und auch da sich nicht verunsichern zu lassen, weil die meisten Leute sprechen halt auch wirklich nur von den guten Trades, also mit was sie dann alles schon gute Gewinne gemacht haben. Aber ich würde jetzt mal meine Hand ins Feuer legen und sagen, die Leute haben auch schon, ja, vielleicht Verluste gemacht, auch mal nicht so gute Trades gemacht. Das sind aber halt dann nicht die, mit denen sie hausieren gehen.
Martin Geißler: Lass uns bei den Dollarzeichen bleiben. Du hast mir Socken zukommen lassen, 2 Paar.
Amelie Hansel: Und.
Martin Geißler: Auf der Rechnung ist dann gestanden, du hast sie mir geschenkt, ich weiß. Aber auf der Rechnung wäre gestanden 44 €.
Amelie Hansel: Und.
Martin Geißler: Dann habe ich mir gedacht, würde ich 44 € für 2 Paar Socken in investieren. Und ich bin innerlich zu dem Entschluss gekommen, ich glaube, ich hätte es nicht getan. Ich habe das, bevor wir jetzt heute den Podcast gestartet haben, habe ich mit einer guten Freundin, Geschäftspartnerin gesprochen. Der habe ich erzählt, dass du kommst, und habe davon auch erzählt, auch ich habe ja auch den Preis genannt. Und dann sagt sie, ja, aber Martin, die geht jetzt dann auf größere Reise. Ich habe mir auch Wandersocken gerade angeschaut, die liegen auch bei €. Das ist normal, wenn du gute Qualität haben willst. Und da habe ich gemerkt, okay, ich bin in diesem Socken-Game überhaupt nicht zu Hause.
Martin Geißler: Anscheinend ist es im Preis, den man davon aufrufen darf und kann. Aber jetzt darfst du auch gerne mal ein bisschen Werbung machen. Was ist denn das Besondere an deinen Socken?
Amelie Hansel: Gerne, aber auch noch so mal bisschen, wie kommt es zu dem Preis? Ich habe nämlich die Tage auch super was, super was Gutes gelesen, Und zwar so dieses Preisfindung, dass man sich nicht unbedingt nur daran orientieren soll, wie viel kosten denn auch die Konkurrenzprodukte, weil da zur Einordnung sind wir ja, ich sag mal, im unteren Mittelfeld. Also da gibt es ja, da gibt es noch mal andere Kaliber tatsächlich. Klar, es gibt dann natürlich auch noch mal Socken, die haben dann noch mehr technische Features mit drin und so, da ist es dann vielleicht auch wieder gerechtfertigt.
Martin Geißler: Allein das finde ich schon geil, Socken haben technische Features. Was ist denn los?
Amelie Hansel: Wie ich zu Beginn gesagt habe, ich dachte, ich mache ein simples Produkt, aber turns out, es ist nicht simpel. Aber genau, also so die Preisfindung, es ist ja im Endeffekt gut, wenn man überlegt, ja, was ist angemessen, auch vom Produkt her, und was wären die Kunden dann wohl bereit zu bezahlen, und sich nicht nur daran zu orientieren, was kosten die Konkurrenzprodukte letztendlich. Aber was macht unsere Socken aus? Das ist ja das Wichtige jetzt. Ja, allein schon das Garn. Also das ist ja auch ein Unterschied, ob du jetzt irgendwie billiges Garn hast, irgendwie eher so Richtung Polyester, wo du sagst, es ist nicht atmungsaktiv oder so. Da haben wir echt drauf geachtet, dass das wirklich top ist, dass es einfach sich angenehm anfühlt. Weil ich sag mal, keiner möchte den Moment haben, wo er 22 € für ein Paar Socken ausgibt, zieht's an und denkt sich da schon so, hm, und läuft irgendwie los und merkt, dass das passt nicht oder das verrutscht zum Beispiel. Und das ist bei unserem Aufbau einfach so, da bekommen wir auch super gutes Feedback, dass sich das super an den Fuß einfach anschmiegt, ist trotzdem noch schön gedämpft.
Amelie Hansel: Das Laufsocken eben, dass du da ein bisschen die Dämpfung hast, einfach nicht so schnell Blasen bekommst in den Schuhen, auch wenn man dazu neigt, wir hatten es vorhin. Aber genau da einfach die Mischung aus Kompression, aus Dämpfung mit Top-Material und uns war eben wichtig, auch in der EU zu produzieren. Also die Socken werden in Italien hergestellt, dass das einfach noch nah ist.
Martin Geißler: Bei Leithal.
Amelie Hansel: Ja.
Martin Geißler: Hat es einen besonderen Grund, warum es Italien geworden ist?
Amelie Hansel: Das hat einfach vom Hersteller dann gut gepasst.
Martin Geißler: Wie viel Emotion steckt in deinen Socken?
Amelie Hansel: Oh, super viel. Ich meine, die Idee kam ja schon aus der Emotion raus, dass ich sage, ich möchte selber welche und ich finde die nicht.
Martin Geißler: Was hat dich denn immer gestört?
Amelie Hansel: Das Design.
Martin Geißler: Das Design?
Amelie Hansel: Also so bunte Streifen auch, wo ich mir denke, ist nicht meins. Unsymmetrie auch, also wir haben schon auch mal, dass links vielleicht noch was anderes drauf ist als rechts oder so, aber es ergibt sich vom Design her, ergibt sich das sehr gut. Aber es gibt sehr viele Laufsocken, die dann eben auch so unsymmetrisch sind. Das stört meinen inneren Monk zum Beispiel. Oder auch zum Beispiel, weil wir es mit hatten, mit den technischen Features. Für mich muss nicht rausgewoben sein, wenn eine Stelle zum Beispiel Kompression hat, Dann muss die nicht eine andere Farbe haben. Wenn es dann am Ende aussieht wie wirklich so ein technischer Skisocken oder so, und dann hast du schöne Laufschuhe und dann schaut da noch irgendwie so ein komischer Bereich von dem Socken irgendwie raus, das ist nicht meins. Also der Socken soll einfach wirklich auch schön aussehen zum Schuh, aber halt auch viel können.
Amelie Hansel: Also ich möchte nicht nur einen schönen Socken, der halt nicht funktioniert, oder einen guten Socken, der dann blöd aussieht zum Schuh. Ist ja nicht zu viel verlangt, dass er beides kann.
Martin Geißler: Aber hallo, wie viel Kilometer läufst du selber im Jahr?
Amelie Hansel: Im Jahr? Die Statistik weiß ich nicht.
Martin Geißler: Roundabout? Okay, was läufst du in der Woche? Du bist nicht so ein Mensch, der das trackt?
Amelie Hansel: Nee, doch, ich track alles, aber ich schaue mir die Auswertung nicht an.
Martin Geißler: Das ist gut. Warum trackst du Ich könnte es dir.
Amelie Hansel: Sagen, wenn ich aufs Handy schaue. Darf ich? Nein, Spaß. Nein, aber ich denke, was laufe ich, vielleicht so 40 km in der Woche, Nicht ganz, so was. 30, 40, so was. Okay. Und dann ja hochgerechnet.
Martin Geißler: Dann weißt du aber auch wirklich, ob die Socken funktionieren?
Amelie Hansel: Ich teste sie sehr viel, genau.
Martin Geißler: Ja, ich hoffe doch.
Amelie Hansel: Doch. Ja, Und ich habe davor eben dann schon viel durchgetestet, wo ich halt sage, das ist mir wichtig, das ist vielleicht Spielerei, was braucht es auch wirklich? Auch wie gesagt, es gibt noch mal Socken, die noch mal mehr können. Aber da war für mich halt auch der Punkt, also unser USP ist ja auch wirklich das Design, wo ich sage, lieber habe ich einen Socken eben für 22 €, den man sich lieber noch leistet und der dann eben optisch schöner ist, als dass ich sage, ja, dafür hat er auch die High-End-Features. Muss aber dann einfach schon um die 40, 50 € kosten. Solche Socken gibt's ja auch. Genau.
Martin Geißler: Da geht für mich eine ganz neue Welt auf.
Amelie Hansel: Ja, deswegen, nee, wir wollten da wirklich den USP aufs Design legen, aber mit Top-Funktion. Martin, jetzt habe ich mal eine Frage an dich. Du hast ja gesagt, dass du mit 18 schon gegründet hast. Das habe ich in einem von deinen Podcasts gehört.
Martin Geißler: Oh ja.
Amelie Hansel: Ja, so ganz ohne Berufserfahrung? Nehme ich an. Und ich sehe es oft bei mir, dass ich merke, es hilft mir sehr, dass ich einfach schon viele Themen im Beruf auch erlebt hatte, sei es jetzt zum Beispiel auch mit irgendwelchen Lieferanten irgendwie in die Kommunikation zu gehen, auch vielleicht so Managementthemen oder so Produktentwicklung. Und du bist da wirklich so ganz blank rangegangen, nehme ich an, nach der Schule. Wie kam das? Oder hattest du dann auch die Probleme, dass du sagst, okay, du bist da noch ganz neu in dem Business und bist da reingewachsen? Oder hattest du manchmal das Gefühl, okay, vielleicht fehlt mir da echt noch ein bisschen der Background?
Martin Geißler: Also ich habe ja wirklich komplett grün hinter den Ohren angefangen und ich habe, glaube ich, auch jeden Fehler mitgenommen, den man mitnehmen kann. Und ich weiß auch noch, wie unangenehm mir es war, den ersten Kunden meine erste Rechnung zu überreichen und zu sagen: Das, was ich jetzt gemacht habe, dafür würde ich gerne die Summe haben.
Amelie Hansel: Die Preise aufzurufen.
Martin Geißler: Ja, auch von Preisgestaltung hatte ich überhaupt gar keine Ahnung. Also das, wie gesagt, ich habe jeden Fehler mitgenommen, den man hat mitnehmen können. Also würde ich jedem dazu raten, das genauso zu machen? Nein, weil es hat sehr viel wehgetan. Es hat sehr viel Lehrgeld gekostet. Und ich habe auch in dem letzten Podcast, glaube ich, schon gesagt, mit dem Wissen, was ich heute habe, und wenn es heute so wäre und ich würde noch in einem Angestelltenverhältnis sein, ich weiß nicht, ob ich den Schritt wagen würde mit dem Wissen, was ich jetzt habe, was einem da alles an Herausforderungen entgegenkommen. Aber die andere Seite ist, Und das hast du vorhin so schön gesagt, das ist auch dieser Wert der Freiheit. Und der ist für mich mittlerweile so groß gewachsen, jetzt noch mal in ein Angestelltenverhältnis zu gehen, mir sagen zu lassen, wie ich etwas zu tun habe, und ich es für mich runterbreche und sage: Es ist aber Unsinn, es so zu tun, weil es einfach da Ressourcen verschwendet. Drei Mal schneller sein können und, und, und.
Martin Geißler: Und wir es aber so tun müssen, weil die Regeln so sind, da würde ich dran kaputt gehen.
Amelie Hansel: Ich glaube auch, der Schritt ins Angestelltenverhältnis, nachdem man schon selbstständig war, ist schwieriger als vom Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit.
Martin Geißler: Aber um auf deine Frage zurückzukommen, du hast ja im Prinzip gefragt, ob das von da an schon, wenn ich es richtig verstanden habe, so durchgestartet ist. Oder nein, auf gar keinen Fall. Also das hat ungefähr lange gedauert, bis das alles wirklich— vielleicht auch bis ich genau wusste, was will ich eigentlich? Also was will ich eigentlich machen? Das war eine wilde Reise. Angefangen in einem Tonstudio über dann noch mal eine zusätzliche Ausbildung als technischer Tonmeister. Über Radio bis heute hier zu dem, was ich hier heute geschaffen habe mit der Agentur in der Größe und in dem Umfang. Das war eine wilde Reise von ganz kleinen Jahresumsätzen bis heute. Ich will nichts missen, überhaupt nicht. Aber sei dir gewiss, Es wird hier und da wehtun, aber es macht auch unheimlich viel Spaß.
Amelie Hansel: Das glaube ich auch. Aber dann sieht man ja auch da ganz schön, dass es sich entwickelt.
Martin Geißler: Ja, und persönlich wächst du auch unheimlich, finde ich. Also wenn ich mir— das reicht auch schon, wenn ich mir Videos anschaue von einem Jahr, die ich gedreht habe, und mir denke: Oh Gott, was hast du da gesagt? Und wie hast du es gesagt? Und wie ist die Körpersprache? Und du denkst ja so: Das ist ein ganz anderer Mensch. Also es ist total lustig, dann so die Entwicklung auch wahrzunehmen. Und ja, also es macht, oder es ist auch gut, wenn du jemanden an deiner Seite hast, der dir das immer spiegeln kann und sagen kann: Hey, was da im letzten Jahr passiert ist, das ist irre, ist ein Gamechanger gewesen.
Amelie Hansel: Also schön, dass du es ansprichst, weil ich finde auch, die Lernkurve jetzt in meinem vergangenen Jahr war noch nie so steil wie jetzt eben. Also wenn ich zurückblicke jetzt auch auf meine Ausbildung damals oder so im Beruf oder im Studium oder wann auch immer, ich hatte das Gefühl, dass ich wirklich noch nie so viel in so kurzer Zeit gelernt habe wie wirklich mit dem Sprung jetzt in die Selbstständigkeit. Weil du halt so viele Themen hast, die dich aber auch, oder in meinem Fall halt einfach, ich habe mich ja bewusst dafür entschieden, mich interessiert das, Und ich habe mich einfach sehr gefreut, dass ich das jetzt endlich mal machen kann. Und dann fuchse ich mich da auch richtig rein. Und ich glaube, das ist halt auch das, was die Selbstständigkeit so mit sich bringt, so diese Kurve und dieses schnelle Lernen, weil man ja auch, ich sage mal, im besten Fall auch schnell reagiert. Also wenn man jetzt merkt, okay, muss ich vielleicht noch mal was anderes machen, oder es kommen ja auch immer wieder Themen dazu, die man am Anfang gar nicht auf dem Schirm hat, zum Beispiel Musiklizenzen. Und dann fuchst man sich da halt rein und dann hat man gleich wieder was gelernt.. Und diese Lernkurve ist natürlich schon super, super spannend.
Martin Geißler: Ich finde aber, du musst aber auch so ein bisschen der Typ dafür sein. Also was ich immer schon gut konnte, ist Feedback aufzunehmen. Viele scheuen sich ja davor, auch direktes Feedback zu geben. Mir hat das immer ganz gut gefallen, wenn mir gerade liegend was gesagt worden ist, was nicht so gepasst hat, weil dann konnte ich es beim nächsten Mal, oder man kann es dann beim nächsten Mal einfach besser machen. Viele können damit aber gar nicht umgehen. Dann bist du aber auch, finde ich, nicht dafür gemacht, weil du relativ— ja, du bekommst direktes Feedback, aber auch indirektes. Also auch wenn du mal geghostet wirst oder irgendwie was, ist das ja auch eine Art von: Ja, dich lasse ich jetzt einfach links liegen.
Amelie Hansel: Spätestens wenn die Socken bei mir nicht gekauft werden würden, würde es ja als quasi indirektes zählen.
Martin Geißler: Der Markt ist.
Amelie Hansel: Feedback dann.
Martin Geißler: Das größte Feedback, was du bekommen kannst.
Amelie Hansel: Genau. Und damit muss man schon umgehen können. Und ich merke jetzt auch mit Social Media, man macht sich halt angreifbar, sobald man auch mal sagt, hey, ich weiß da was nicht, oder mal was erzählt und dann wirklich irgendwie Kommentare, auch kritische Kommentare vielleicht mal bekommt, die man sich dann entweder mehr oder weniger zu Herzen nimmt, sage ich mal so, kommt ja auf den Kommentar auch stark an. Man lernt zwar draus, aber damit muss man schon auch umgehen können. Und wenn man jetzt sehr sicherheitsbedacht ist oder wirklich was erst machen will, wenn das 100% ausgereift ist, ist es, glaube ich, schwieriger. Weil gerade wenn man gründet, du hast so viele Themen, du kannst es gar nicht alles 100% wissen davor. Also selbst wenn du irgendwas in die Richtung studierst, hast du es noch nicht gemacht in der Praxis. Und deswegen, glaube ich, muss man als Unternehmer dann schon da ja, einen gewissen Mut dazu haben, auch was mal nicht ganz genau wissen zu können und dann zu machen und ja, auf Social Media dann auch noch drüber zu sprechen.
Martin Geißler: Ja, zwei Gedanken oder drei Gedanken dazu. Das ist ja der Unterschied, weil du jetzt— kommen wir zum Anfang zurück, wo wir darüber gesprochen haben, Angestelltenverhältnis, selbstständig. Was du definitiv hast als Selbstständiger, ist die Verantwortung. Die Verantwortung liegt immer zu 100% bei dir und du kannst sie nicht an irgendeinen Chef oder einen Abteilungsleiter oder an anderen Mitarbeiter auslagern, sondern das ist bei dir. Das ist der Preis, glaube ich, für den Faktor Freiheit. Wobei sich auch beides wieder ausgleicht auf der anderen Seite. Das war der erste Gedanke dazu. Der zweite ist: Wenn du Kommentare bekommst und es sind mal kritische Dinge oder sogar beleidigende Dinge, ich finde immer, ein Kommentar sagt immer viel mehr über denjenigen aus, der ihn da lässt, als wie über dich selber.
Amelie Hansel: Komplett. Da bin ich komplett bei dir.
Martin Geißler: Also mir machen Kommentare nichts mehr aus. Also da kann auch das Schlimmste der Welt stehen. Es tangiert mich null.
Amelie Hansel: Ja, geht mir ähnlich. Also vor allem, weil ich auch sehr nette Kommentare bekomme, auch nicht unbedingt als Kommentar unter dem Video, sondern wirklich einfach mal persönlich auch oder einfach als Nachricht. Mit meinen Videos möchte ich ja auch Leute inspirieren, das auch zu tun. Also das ist ja auch Sinn der Sache, dass ich sage, ich begleite das Schritt für Schritt, und ich möchte ja beim besten Willen nicht aufzeigen, dass es irgendwie super schwer ist und man muss irgendwie super viel Geld haben und Mut, um das zu tun, sondern dass ich sage, hey, das kann eigentlich jeder machen, der das machen möchte. Einfach mit, ja, gewissen Mut daranzugehen. Und da bekomme ich dann auch sehr nette Nachrichten, die mich dann wiederum motivieren, da auch weiterzumachen, weil ich halt merke, okay, das geht auch in die richtige Richtung. Und wenn es dann mal eine Person gibt, die dann irgendwie was Böses drunter schreibt, wo ich mir auch denke, ja, ist vielleicht ein bisschen unzufrieden mit sich.
Martin Geißler: Oder selbst hat einen Scheißtag gehabt. Aber das ist ja auch meistens so, du kriegst 90% gute Kommentare und dann der eine, Der eine, der bleibt hängen. Warum regst du dich denn wegen dem einen auf? Alle anderen sind doch top. Ist doch alles gut.
Amelie Hansel: Ja, nee, das darf man sich einfach nicht so zu Herzen nehmen. Vor allem, man kennt die Leute ja im meisten Fall dann nicht. Also ich sage mal jetzt, Leute, die ich persönlich kenne, da hatte ich glaube ich jetzt noch nie wirklich einen komischen Kommentar unter meinen Videos. Das sind dann wirklich oft Leute, die dann einfach, ich weiß nicht, einen schlechten Tag haben.
Martin Geißler: War das für dich von Anfang an eine angenehme Geschichte, selbst Videos zu drehen, oder hast du dir am Anfang gedacht: Ich weiß ja nicht, wie das ist.
Amelie Hansel: Es war schon unangenehm. Deswegen der Klassiker: Ich habe auf TikTok angefangen mit dem Gefühl, dass ich da nicht so viele Leute kenne. Wenn dann mal die ein oder anderen irgendwo ums Eck kamen und meinten, hey, ich habe dein Video gesehen, das war mir erstmal super unangenehm. Und dann kam das letztendlich aber so mit meinem ersten kleinen Social-Media-Job, sage ich mal so, dass da dann die Bedingung war, du musst es aber auch auf Instagram teilen. Da dachte ich mir, okay, das war jetzt der letzte Anstoß, den ich gebraucht habe, um wirklich da mal rauszugehen und es auch auf Instagram zu teilen. Und das war dann schon komisch, wenn du dann irgendwie an, ich weiß nicht, Freunde aus der Grundschule denkst, die jetzt dein Video sehen, oder mal einen Kommentar bekommst im Sinne von, bist du jetzt Influencer?
Martin Geißler: Der Klassiker.
Amelie Hansel: Ja, der klassische Satz. Das ist dann schon mal erst komisch, aber wenn man dann eben sieht, was sich daraus ergibt, wie jetzt zum Beispiel, dass wir zwei hier sitzen, wissen. Das ist, finde ich, dann halt die größte Bestätigung, dass ich das auch weitermache. Aber es gibt durchaus einige Videos auch, wo ich dann irgendwie zurückschauend mir denke, man sieht die Lernkurve. Aber lieber mal machen, weil hätte ich alles immer zerdacht, was ich da sage oder wie ich das Video mache, ja, dann hätte ich wahrscheinlich letztendlich gar nichts geteilt und das wäre jetzt schade drum.
Martin Geißler: Einfach mal machen, aufschreiben, unterstreichen, an die Wand hängen. Sehr gut. Amelie, wenn wir uns in einem Jahr hier wieder an den Tisch setzen, ich habe schon gesagt, ich werde dich definitiv noch mal einladen, ich habe die Socken noch nicht ausprobiert und ich werde dir dann ausführliches Feedback geben. Aber über was sprechen wir denn da? Was ist bis dahin bei dir passiert?
Amelie Hansel: Na, dann hoffe ich, kann ich dir erzählen, dass wir stark skaliert haben. Wir wollen ja groß werden, wir wollen ja wachsen.
Martin Geißler: Hast du da eine Vision? Wie groß?
Amelie Hansel: Keine konkreten Zahlen, weil ich wirklich jetzt aktuell merke, es öffnen sich so viele Türen und man muss auch einfach gucken, wo es hingeht. Wenn wir uns jetzt ein ganz klares Ziel setzen, dass ich sage, wir wollen diese Zahl verkaufen, und es öffnen sich aber Türen, wo ich sage, hey, das macht vielleicht in dem Moment gar nicht mehr so viel Sinn irgendwo, dann passe ich das ja gerne an. Deswegen haben wir uns da jetzt keine konkrete Zahl gesetzt, aber Stand jetzt würde ich sagen, erzähle ich dir dann nächstes Ja, dass wir super stark gewachsen sind, dass sich das Ganze gut trägt, dass ich mir hoffnungsweise auch ein Gehalt bezahlen kann. Das wäre mein persönliches Ziel. Und ja, dass auch die Social-Media-Geschichte stark gewachsen ist, weil das macht mir echt Spaß, da Leute zu motivieren, mitzunehmen und das nebenher quasi als Standbein mit aufzubauen.
Martin Geißler: Top, genau so soll es werden. Amelie, danke dir für deine Zeit, für deinen ganzen Insights, Inputs und Lernkurven, so hast du es so schön gesagt, dass du uns da hast daran teilhaben lassen. Bis zum nächsten Mal.
Amelie Hansel: Danke für die Einladung, hat mich sehr gefreut und bis zum nächsten Mal.
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